Folia archeologica 20.

Edith B. Thomas: Römischer Legionarsdolch von Dunaföldvár

38 Е. В. THOMAS Uns interessiert der Dolch und die Scheide von Oberammergau, sowie die im Zusammenhang damit erschienene Studie Ulberts darum in besonderem Maße, weil wir in diesem Stücke den Übergangstyp von den Dolchen des Dunaföld­várer Typs bis zum Typ von Vindonissa zu erkennen vermuten. Der Dolch von Oberammergau bewahrt noch die sich auf breite, quadratförmige und runde Felder gliedernde Verzierung, doch gebraucht man als Verzierungsmaterial ausschließlich eine Silbertauschierung ohne farbiges Email. Man kann in dieser Entwicklung bzw. Form- und Stiländerung mehrere Stufen beobachten. Die ein­zelnen Stücke erwähnen wir hier nur, insofern ihre Kenntnis zur Datierung unse­res Dolches nötig ist. Ulbert datiert den Dolch von Oberammergau auf das frühe erste Jahrhun­dert. 2 4 Dies fällt im großen und ganzen mit dem Zeitpunkt zusammen, auf den er auch die tauschierten und emaillierten Dolche datiert hat, deren Großteil auf die erste Hälfte des ersten Jahrhunderts fällt. 2 5 Diese Datierung unterstützen auch noch die Fundumstände der Dolche von Auerberg. 2 6 Zusammenfassend also, wenn wir die Zeit des Lagers von Auerberg mit den die übrigen Dolchfunde datierenden Abgaben in Einklang bringen, so können wir unseren Dolch von Dunaföldvár aus dem tiberiscb-klaudischen Zeitalter herleiten lassen. Betrachten wir die weitere Entwicklungslinie, so bedeutet das Stück von Oberammergau nicht den Beginn, sondern das Ende des tauschierten, emaillier­ten Typs von Dunaföldvár, - den Übergang von der polychrom verzierten Dolchscheidengruppe zur monochromen Gruppe von Vindonissa. Auch der Dolch von Cambodunum ist unserer Meinung nach der eine Vertre­ter dieses Übergangstyps, den Krämer für frühtiberianisch bezeichnet. 2 7 Stellen wir ihn in die volle Reihe ein, so sind wir der Meinung, daß er aus einer etwas späteren Zeit stammt, jedoch auf alle Fälle in die erste Hälfte des i. Jh. gehört. Untersuchen wir daher die tauschierten Dolchscheiden von Vindonissa, so sehen wir, daß wir die von Ulbert als einheitlichen Typ aufgefaßten Dolchschei­denexemplare auf einen früheren Übergangsstil 2 8 und eine spätere typische Gruppe von Vindonissa teilen können. Die Entwicklung des Übergangstyps ging über die Exemplare von Ober­ammergau und Cambodunum hinaus, - nebst Inanspruchnahme einiger neuer erörterter Dolchscheiden - folgenderweise vor sich. Der im Jahre i960 ans Tageslicht gekommene Dolch von Nijmegen deutet bereits die längere Form der späteren Vindonissa-Typen und die schlingenartige, dichte Raumausfüllung ihrer Verzierungselemente an, obwohl in einem Feld der für den vorherigen Typ charakteristische, aus Doppelblattmotiven gebildete Kranz noch vorkommt, jedoch auf dem Muster nicht dominiert. 2 9 Außer der Sil­bertauschierung dominiert die rote Emaileinlage, jedoch befinden sich darauf auch dunkelgrüne Emailspuren. Unsere stilkritische Datierung wird auch durch 2 4 Ulbert, G., Oberammergau ... 180. 2 5 Ulbert, G., Vindonissa ... 17. 2 6 K. Exner setzt die Bestehung des Lagers zwischen 30-70. 2 7 Krämer , IF., Cambodunum-Forschungen 1953-I. (Kallmünz 1957) 2 8 Unter dem Übergangstyp verstehen wir hier die Exemplare, welche zwischen den Dolchscheiden von dem Dunaföldvárer Typ und dem Vindonissa-Typ stehen. 2 9 Bogaers, J. K. - Ypey, ]., Ein neuer römischer Dolch mit silbertauschierter und email­verzierter Scheide aus dem Legionslager Nijmegen. Berichten van de Rijksdienst voor het Out­heidkundig Bodemonderzoek 12-13(1962-63) 87fr., Abb. 8.

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