Folia archeologica 14.
Dienes István: Nemzetségjegy (tamga) a békési honfoglaláskori íjcsonton
108 I. Dienes SIPPENZEICHEN ( T A M G A) AUF DEM BOGENKNOCHEN VON BÉKÉS AUS DER ZEIT DER LANDNAHME In seiner Abhandlung legt der Verfasser die interessantesten Funde des im Jahre 1958 im südlichen Teil der großen ungarischen Tiefebene, unweit der Gemeinde Békés aufgedeckten Gräberfeldes der Öffentlichkeit vor: die im Grabe 45 gefundenen Bogenplatten mit Sippenzeichen (Taf. XVI. 1—5, XVII., Abb. 36). Der Verfasser ist der Meinung, daß die Begräbnisstätte von einer zum gemeinen Volk der landnehmenden Ungarn gehörenden Familie eröffnet und vom 10. Jahrhundert an bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts als Friedhof benützt wurde. Das Grab 45 ist das Denkmal einer im 10. Jahrhundert erfolgten — auf die Zeit nach der ungarischen Landnahme deutenden — Beisetzung. Im Grabe lag ein Mann mit goldenen Haarreifen, einem mit 6 Pfeilspitzen ausgestatteten Köcher, sowie einem Bogen mit Knochenplatten und den üblichen Pferdeknochenbeigaben (Schädel und 4 untere Fußknochen samt Hufen). Auch sein Pferdegeschirr (Sattel) wurde ihm mitgegeben. Näher befaßt sich der Verfasser mit den Tamgas, die auf dem Bogengriff (Taf. XVI. 4) und auf den Endknochen des Bogens sichtbar sind (Taf. XVI. 2, Abb. 36). Die eingehende Analyse der Entwicklung der Sippenzeichen bringt ihr zur Folgerung, daß es sich bei dieser Tamga abstrakten, geometrischen Charakters (Taf. XVII., Abb. 36) schon um kein streng genommenes Sippenzeichen handeln könne. Ebensowenig könne ihr aber die ursprüngliche totemistische Bedeutung so gänzlich verloren sein, daß sie nicht mehr als ein gewöhnliches Eigentumszeichen gewesen wäre. Vielmehr könnte sie als ein nach der Auflösung der Sippengemeinschaft entstandenes persönliches Zeichen, beziehungsweise Familienzeichen, gedeutet werden, dem trotz seiner einfachen linearen Zeichnung immer noch eine auf die sagenhafte Abstammung der Familie anspielende Symbolik eigen war.Während der Verfasser einige Parallellen —vornehmlich bulgarisch-türkische und ob-ugrische Analogien (Abb. 37—38, 40—44, 46) — zur in Frage stehenden Tamga aufzählt, weist er unter den bulgarischtürkischen Altertümern auf ein zur Gruppe der sogenannten Devtaslar = Teufelssteine gehörendes Steindenkmal aus Ëndèe als auf das vollkommene Ebenbild der Tamga von Békés hin (Abb. 41). Da die Gelehrten den größten Teil der überlickten ähnlichen, der Deutung gleicherweise widerstrebenden Sippenzeichen für vereinfachte Vogeldarstellungen halten, wirft der Verfasser den Gedanken auf, ob sich vielleicht nicht auch unter diesem Zeichen eine Totemvogeldarstellung irgendeiner ungarischen Sippe verberge? Die Raubvogeltotems waren bei den Ungarn keine Seltenheit. Auch die auf den Familienwappen übergangenen Totemtiere waren vorwiegend Raubvögel (Abb. 45). In unmittelbarer Nähe des Gräberfeldes lag die Erdburg eines der Sippenhäupter und das dort wohnende, über eigene Mannen verfügende Haupt der Sippe dürfte auch der Gebieter der um die Burg von Békés angesiedelten ärmeren Familien gewesen sein. In seiner Gefolgschaft diente wahrscheinlich auch der Tote des Grabes 45, der nach seinen Waffenbeigaben zu urteilen sicher ein Krieger gewesen ist. Der Verfasser nimmt an, daß auch die Mannen des Sippenanführers mit dem Zeichen ihres Herrn in den Krieg zogen, genau wie