Folia archeologica 9.

Sándor Bökönyi: Mitteleuropäische vorgeschichtliche Büffelfunde

Mitteleuropäische vorgeschichtliche Biiffelfiinde 45 bei dem Ur jedoch mit Sicherheit nachgewiesen werden kann. Der dünne Horn­zapfen im Büffelfund von Csóka lässt noch einen Umstand, die vielleicht bereits begonnene Domestikation, ahnen. Der Hornzapfen von den heutigen Hausbüffeln ist nämlich — analog mit den anderen Haustieren — bedeutend dünner, als der ihrer wild lebenden Verwandten (an der Dünnheit gemessen sogar länger). Nur mit grosser Vorsicht darf unter Vorbehalt angenommen werden, dass der Büffelhornzapfen von Csóka von einem auf der Stufe der sehr primitiven Domestikation lebenden Tier stammen könnte. Demgegen­über kann der Schädelrest aus der Bukowina keinesfalls von einem Haustier abgeleitet, sondern mit aller Sicherheit als der eines wilden Tieres bestimmt werden. Die beiden hier beschriebenen Büffelfunde werden auf Grund der oben aufgezeichneten morphologischen Merkmale in die Gruppe der asiatischen Büffel gereiht. Da sich die Datierung auf das „Frühholozän" bei dem Funde aus der Bukowina — näher untersucht — gleichfalls auf das Neolithikum beziehen kann, muss auf Grund des Vorkommens — in Einklang mit dem aus Frumusica stammenden, vermutlichen Büffelvorkommen, das ebenfalls auf das Neolithikum deutet — festgestellt werden, dass die asiatischen Büffel in ihrer Verbreitung, neben der auf das Ende des Altpleistozäns zu datierenden Glanzperiode, 3 3 noch eine, in die Zeit des mitteleuropäischen Neolithikums zu verlegende, zweite Blüte gehabt haben dürften. Diese Funde lassen auf die starke Ausbreitung der von Hilzheimer erwähnten Erwärmungswelle sehlics­sen, 3 4 in deren Verlauf der Büffel nach Mesopotamien und nach Algier gelangte. Wahrscheinlich kamen in Mittel- und Südost-Europa noch weitere vorge­schichtliche Büffelfunde zum Vorschein, die jedoch — infolge der vom Stand­punkte der archäologischen Zoologie recht mangelhaften Bearbeitung dieser Gebiete — bis heute noch nicht entsprechend bestimmt wurden. Hingegen konnten die Büffel infolge der klimatischen Verhältnisse nicht mehr in die nördlich und nordwestlich der Bukowina liegende Gebiete gelangen. Da auch das mitteleuropäische Klima dem Ende des Neolithikums zu immer kühler wurde (diese Abkühlung erreichte im Laufe der Bronzezeit ihren Höhepunkt), mussten sich die Büffel auch von hier nach Süd-Südosten zurückziehen. Wenn wir nun den Zeitpunkt für ihr Verschwinden aus Vorderasien berücksichtigen, so muss ihr Aussterben in Kuropa bzw. ihr Verschwinden in diesem Gebiet noch vor dem Ende des Neolithikums erfolgt sein. In diesem Gebiet, das gleichzeitig auch die nördliche Grenze ihrer neolithischen Verbreitung dar­stellt, dürften sie kaum in grösserer Anzahl gelebt haben, worauf auch der Umstand weist, dass ihre Knochen in keiner einzigen unserer über ein reich­haltiges bearbeitetes Tierknochenmaterial verfügenden neolithischen Sied­lungen zum Vorschein kamen. Gegen die Möglichkeit der in grösserem Masse durchgeführten Domestikationsversuche spricht der Umstand, dass der Büffel, falls es gelungen wäre ihn in beträchtlichem Masse zu domestizieren, als Haus­tier ziemlich leicht die im Laufe der Bronzezeit erfolgte, für wild lebende Tiere zwar bedeutende, doch auf das Haustier sich kaum auswirkende Klimaver. änderung ertragen hätte. ,SWor Bölcönyi 3 3 Ders., a.a.O. S. 515. 3 4 Hilzheimer, M., Sägotierkundc . . . S. 157.

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