Folia archeologica 9.

Sándor Bökönyi: Mitteleuropäische vorgeschichtliche Büffelfunde

40 S. Bökönyi Büffeln der afrikanischen und der asiatischen Gruppe derartig wesentliche anatomische Unterschiede bestehen, dass diese auch in der Systematik unbe­dingt zum Ausdruck gelangen müssen. 1 0 Welches sind nun diese anatomischen Unterschiede? (In vorliegender Arbeit werden nur die kraniologischen Unterschiede berücksichtigt). Das wichtigste unterscheidende Merkmal an dem Schädel der afrikanischen und der asiatischen Büffel ist in der verschiedenartigen Lage der an der Ausbildung der Schläfengrube (fossa temporalis) beteiligten vier Knochen zu sehen. Von den hier vorkommenden vier Knochen berühren sich bei den afrikanischen Büffeln (Bubalus) das Stirnbein (os frontale) und das Schläfenbein (os tem­porale), während das Scheitelbein (os parietale) und die Ala temporalis des Os sphenoides nicht miteinander in Berührung kommen. 1 1 Demgegenüber treffen sich bei den asiatischen Büffeln (Buffelus) das Stirnbein und das Schläfenbein nicht, da zwischen ihnen das Scheitelbein und die Ala temporalis ties Os sphenoides so tief eindringen, dass sich die letzteren eine kurze Strecke lang berühren. Ein auffallender Unterschied besteht zwischen den beiden Büffel­gruppen auch in der Form der Choana-Öffnung. Während diese Öffnung am Schädel der asiatischen Büffel durch den Vomer ausgesprochen in zwei Teile geteilt wird, ist dieselbe Öffnung am Schädel der afrikanischen Büffel ein­heitlich, der Vomer ist vor der Ohoana-Öffnung, dorsal von der Ebene des Gaumen-knochens (os palatinum) gelagert. Gleichzeitig damit ist die ge­nannte Öffnung bei den asiatischen Büffeln zugespitzt, bei den afrikanischen hingegen abgerundet. 1 2 Weitere Unterschiede zwischen den beiden Büffel­gruppen sind noch in Form und Lage der Hornzapfen, ferner auch darin zu sehen, in welchem Masse sich die am Ansatz der Hornzapfen befindlichen Knochenperlen auf die Stirnebene ertrecken. In Europa sind die Büffelfunde — sowohl die fossilen wie auch die sub­fossilen — auffallend selten. Von Rütimeyer wurden aus Italien drei fossile Büffelfunde beschrieben. 1 3 Ebenfalls aus Italien — aus dem .Jungpleistozän von Val d'Arno — beschrieb Stehlin — unter der Bezeichnung Bubalus Iselini 1 4 — eine neue Büffelart. Hilzheimer ist jedoch der Ansicht, dass der Hornzapfen, auf dessen Grundlage Stehlin die Büffelart beschrieb, nicht der eines Büffels, sondern eines Wisents ist. 1 5 Aus Steinheim (Württemberg) be­schrieb Berckhemer unter der Bezeichnung Buffelus murrensis eine interes­sante, neue Büffelart aus dem berühmten Pleistozän-Fundort Steinheim a. d. Murr. 1 6 Diesen Büffel leitet Berckhemer von den asiatischen Büffeln ab (in 1 0 Berckhemer, F., a.a.O. S. 148 f. 1 1 Bei Berckhemer alisphenoid. (a.a.O. S. 149.) 1 2 Die obigen Angaben übernahm Berckhemer aus den bisher nicht publizierten Untersuchungen von \Y. Staudinger. 1 3 Rütimeyer , L., Uberreste von Büffeln (Bubalus) aus quaternären Ablagerungen in Europa. Verh. d. Na turf. Ges. in Basel 6 (1878) S. 320—322. 1 4 Stehlin, H. G., Bubalus Iselini n. spec, aus dem oberen Pliozän von Val d Arno. Eel. geol. Helv. 27 (1934) S. 407—412. Stehlin führt den Büffel von Val d'Arno auf die afrikanische Gruppe zurück. 1 5 Hilzheimer, M., Bison Iselini Stehlin für Babulus Iselini Stehlin. Zeitschr. f. Säugetierkunde. 13 (1939) S. 254—256. Dieser Fund ist, obwohl er von keinem Büffel stammt, nach der Ansicht von Hilzheimer schon deshalb von grosser Bedeutung weil er den frühesten Bison-Fund darstellt. 1 6 Berckhemer, F., a.a.O. S. 149.

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