Folia archeologica 3-4.

Alföldi András: Antik ábrázolások az euráziai lovaspásztorok kulturalkatának ismeretéhez

176 ALFÖLDI: ANTIKE DARSTELLUNGEN ZUR KENNTNIS DER KULTUR DER REITERHIRTEN « ANTIKE DARSTELLUNGEN ZUR KENNTNIS DER KULTUR DER EURASISCHEN REITERHIRTEN t. Der mongolische Fangstab auf römischen Sarkophagreliefs. Die griechische Kunstindustrie erzeugte — wie bekannt — eine Fülle von Genrebildern, die ihren Gegenstand aus dem Leben der ponti­schen Skythen genommen haben. Die meisten dieser Schöpfungen sind verloren gegangen; doch konnten wir nicht lange her darauf hin­weisen, dass die römische Kunst, die ja die griechischen Vorbilder so weitgehend ausge­beutet hat, oft auch solche skythische Szenen nachgeahmt hat und dadurch wenigstens einen Bruchteil von diesen für uns zu erhalten half. 1 Es sei uns erlaubt, das wichtigste Beispiel dafür nochmals zu wiederholen. Wir möchten nämlich vor allem die Aufmerksamkeit der Ethnographen und Ethnologen auf dieses Relief­bild eines Sigillata-Gefässes aus Rheinzabern 2 hinzulenken, das nach unserer Überzeugung das älteste Zeugnis der Renntierkultur der subark­tischen Zone ist (Abb. 1). Der Prototypus dieser Bildkomposition muss ein griechisches Original der V. bis III. Jh. v. Cht. gewesen sein, ver­mutlich ein Silbergefäss. Man sieht darauf einen Skythen mit spitzem «Baschlyk» auf seinem Haupt, als er ein Renntier mit seinem Wurfseil fesselt. Aus einer entsprechenden Quelle muss auch das Vorbild des Marmorreliefs Abb. 2. genom­men worden sein, das auf dem Deckel eines Sarkophages im grossen Chiostro des Museo Nazionale delle Therme in Rom sich befindet. 3 Eine eng verwandte Parallele dazu hat unlängst Margarete Gütschow veröffentlicht, 1 in der so bedeutsamen Reihe römischer Sarkophage, die sie mit unsäglicher Mühe und Sorgfalt aus einer Unmenge von Bruchstücken für die Forschung zurückerobert hat. Fräulein Gütschow, die das 1 A. A., Skythisierende Darstellungen in der ,rö­mischen Kunstindustrie. Altschlesien 5, 1934, 267 ff. 2 W. Ludowici, Römische Ziegelgräber. Katalog IV meiner Ausgrabungen in Rheinzabern 1908—1912, 232 (No. 2731, Grab 421.) 3 Notizie degli scavi 1904, 47. A. Minto, La critica d'arte 1, 1935, 128, 1. jz. — Die Bewilligung der Pub­likation verdanke ich der Direktion des Museo Nazionale, die Photographie dem Deutschen Archäologischen Institut in Rom (Negativ 1937/356). — Eine detaillierte Bespre­chung des Sarkophags ist von Fr. Gerke bald zu er­warten. von ihr mitgeteilte Fragment auf die Jahre 265—270 n. Chr. ansetzt, hat den Sinn dieser Szene nicht erkannt: der Reiter, der das Wild­pferd jagt, will das Tier nicht zu Tode peitschen, sondern hält einen Fangstab in der Rechten, und ist im Begriffe, dessen Schlinge auf den Kopf des Tieres zu werfen. Auf dem Exemplar des Museo Nazionale (Abb. 2) wird der Putto, der als der Jagende auftritt, nur als eine sekundäre Umwandlung des Reiters der ursprünglichen Komposition auf­zufassen sein. Auf die Eigenart der letzteren scheinen die Tiere um den Jäger hinzuweisen: vor ihm ein Wildpferd mit auffallend langen Ohren in wilder Flucht, links von ihm eine Gemse im Sprung und unter dem Huf seines Reittiers ein ausgestrecktes Damwild, — alle Tiere des eurasischen Nordens. Und auf dem Gegenbilde dieser Sarkophagdeckeln, — wie mich Professor Gerke belehrt — pflegte man eine Jagd mit Fangnetz darzustellen, wo die Treiber spitzige Kapuzen anhaben, was nach seiner- Meinung auf Skythenszenen als Vorbilder hinweist. Um den Jagdritt mit dem Fangstab besser zu verstehen, soll man den Ausschnitt aus einem chinesischen Gemälde 5 betrachten, den wir auf Abb. 3. vorführen und dann nochmals in der Umrisszeichnung von Gy. László auf Abb, 4. Auf diesem Bild sind typische Einzel­heiten des harten Lebens der Mongolen in ihrer Wüste mit einem ergreifenden Realismus vor­geführt; darunter das Einfangen eines entflie­henden Reitpferdes mit dem Stab-Lasso. Dies entspricht genau der Schilderung auf unserem Sarkophagdeckel, — nur hat der römische Stein­metz die Sache nicht mehr gut verstanden und liess das obere Ende der Wurfschlinge vom Stiel sinnlos herabhängen. Es ist noch eine spätantike Darstellung die­ses eigenartigen Pferdefanges bekannt (Abb. 4a), die durch A. Minto vor einigen Jahren publiziert worden ist (La critica d'arte 1, 1935, 127 ff.). 4 M. Gütschow, Das Museum der Prätextat-Kata­kombe (Atti della Pontif. Accad. romana di Archaeo­logia, ser. III., Memorie vol. 4/2), 1938, 180 (152) und Taf. 37, 2. 5 R. Grousset, Les civilisations de VOrient, Uli La Chine, 1930, 307 (fig. 244), aus dem XIII—XIV. Jh.

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