Andrea Sommer-Mathis: Ergänzungsband 11. Die Tänzer am Wiener Hofe im Spiegel der Obersthofmeisteramtsakten und Hofparteienprotokolle bis 1740 (1992)
Die Tänzer am Wiener Hofe lasßen, vnndt Catholisch zu werden, wordurch er sich alles des seinigen verlustiget machen wurde“. Der Obersthofmeister kennt den Bittsteller „sowohl von profession, alfl der Persohn“ nicht und leitet daher sein Gesuch an den Hoftanzmeister Francesco Torti weiter, der zu seiner Aufnahme rät, „weillen er allezeith fleisig erschienen sey, wann er Francesco ihn verlangt“. Der Obersthofmeister glaubt jedoch, der Kaiser habe genügend Hoftänzer (ohne Torti und Appelshofer sind es fünf), und derzeit sei auch keine Stelle frei; daher sei es unnötig, mehr Tänzer aufzunehmen, „es müste denn sein, daß seine Bekehrung zum Catholischen glauben, vnnd etwa andere Considerationes Eüer Kay: May: bewegen mögten, ihn zu begnaden, vmb ihn dardurch einen vnterhalt zu verschaffen“. Der Kaiser entschließt sich, Tobias Gumpenhuber „vnter favor religionis“ nach seinem Übertritt zum katholischen Glauben als Hoftänzer mit den üblichen 30 Gulden monatlich, d. h. der Scholarenbesoldung von 360 Gulden im Jahr, aufzunehmen. OMeA Prot. 7 fol. 333v (1712 Oktober 24, Beilage zu Referat betr. Wiederaufnahme des nach dem Tod Kaiser Josefs I. entlassenen Theaterpersonals; Liste der Hoftänzer): Tobias Gumpenhuber ist seit 1. Juni 1701 mit 360 Gulden jährlicher Besoldung als Hoftänzer tätig. OMeA 13 fol. 444v und OMeA Prot. 7 fol. 436v (1713 Januar 26, Kaiserliches Dekret betr. Wiederaufnahme der Hoftänzer in den Hofstaat Kaiser Karls VI.): Wiederaufnahme Tobias Gumpenhubers als vierter Hoftänzer rückwirkend ab 1. Oktober 1711 mit 360 Gulden jährlicher Besoldung ohne Abzug des ersten Quartals. OMeA 27 fol. 583r - 585v (präs. 1729 Dezember 23, Bittgesuch) und OMeA 27 fol. 588r - 589v (präs. 1730 Januar 3, Gutachten des Hofmusikdirektors): Bittgesuch um Besoldungsverbesserung unter Verweis darauf, daß er schon 1701 „nach abgelegter prob in Solo dantzen“ von Kaiser Leopold I. als Hoftänzer angestellt worden sei. Er habe sich stets bemüht, den Kaiser nicht nur „in denen Theatral Operen, sondern auch mit Componirung vieller Kinder Balletten, vndt deren sehr mühesamen pro- ducirung zu Contentiren, anbey aber auch über 30. meiner Scholaren auf den Kay: Theatro aufzuführen, die allerhöchste Gnad Gehabt“. In diesen 28 Jahren habe er sich mit der üblichen Hoftänzerbesoldung von 360 Gulden „ohne der geringsten gehabten anderen ergözlichkeit“ zufriedengegeben, „anbey aber keine Mühe Gesparet, vor meine 5. Lebendig, noch vnversorgte Kinder ein stückhl Brod Besonders zu verdienen, worzu ich auch 15. Jahr lang mittls instruirung der Edlknaben Eüer Kay: May: Frauen Muetter. . . die Geleg. heit gehabt, welcher Verdienst aber nach dero erfolgten tod67) mir entgangen ist, folglich mir alß einen schon so alten hoftanzer sehr schmerzlich fahlen muß, da meinige in den Rang noch unter mir stehende Cameraden grössere Besoldung schon vielle Jahre, alß ich, gemessen, auch zu ihrer Grossen avantage ihre Kinder schon nach hof in die Besoldung Gebracht, ja sogar der Geringste hof Scholar, so erst nacher hof körnet, in der Besoldung mir gleich ist, da ich doch gleich andern, auch mehrer vnd Grösßere Maisters dienste praestiret, vnd annoch zu allen vorfahlenden diensten Genügsame Cräfften hab, derowegen auch der allerunterthänigsten hofnung 67) Gestorben am 19. Januar 1720. 55