Andrea Sommer-Mathis: Ergänzungsband 11. Die Tänzer am Wiener Hofe im Spiegel der Obersthofmeisteramtsakten und Hofparteienprotokolle bis 1740 (1992)

Andrea Sommer-Mathis Der Obersthofmeister meint, er könne mit einer Erhöhung um 200 Gulden zufrieden sein, weil er, wie auch die anderen Hoftänzer, zusätzliche finanzielle Unterstützungen bekäme. Der Kaiser schließt sich diesem Gutachten an. Andreas Maximilian Riegler dürfte ein eher mittelmäßiger Tänzer gewe­sen sein, der vor allem in Groteskballetten53) Verwendung fand. Er muß­te wohl aus diesem Grunde nicht nur sehr lange auf seine Anstellung als wirklicher Hoftänzer, sondern auch auf Angleichung seiner Besoldung an die seiner Kollegen warten. Man verwies ihn dabei auf zusätzliche Verdienstmöglichkeiten durch Privatunterricht von Tanzschülern. Johann Carl G o y e r, Ballspieler und Hofballmeister54), Tänzer OMeA 2 fol. 176v - 177r und OMeA Prot. 2 p. 173 (1671 Oktober 31, Referat mit Resolution): Bittgesuch des ehemaligen Hofballmeisters Johann Carl Goyer um die 300 Gulden jähr­licher Pension des verstorbenen Hiacinto Oliven zur Aufbesserung seines Einkommens von 200 Gulden, mit denen er seine Frau und seine fünf Kinder nicht erhalten könne. Obwohl der Hofkontrollor vor der negativen Beispielwirkung warnt, bewilligt der Kai­ser eine Erhöhung seiner Besoldung um weitere 200 Gulden. OMeA 7 fol. 216rv (1687 August 8, Referat mit Resolution); OMeA Prot. 4 fol. 81v (1687 September 23, Bescheid): Bittgesuch um Erhöhung seiner jährlichen Besoldung von 400 Gulden um weitere 200 Gulden unter Verweis auf seine 23jährigen Dienste und seine große Bedürftigkeit. Der Obersthofmeister ist sich Goyers prekärer finanzieller Situation zwar bewußt, hält aber 400 Gulden in Anbetracht seiner geringen Tanztätigkeit für adäquat: „wann die- selbte ia vermeinen, daß Ihme mit etwas zu helffen, daß demselben solches unter der Handt durch dero gehaimben Zahlmeister gegeben werde“. Placet des Kaisers. OMeA 7 fol. 294r - 295r und OMeA Prot. 4 fol. 92r - 93v (1688 März 5, Re­ferat mit Resolution); OMeA 7 fol. 302v und OMeA Prot. 4 fol. 94v (1688 März 5, Bescheid): Nochmaliger Antrag auf Gehaltserhöhung um 200 Gulden im Jahr; andernfalls müsse er mit seinen acht kleinen Kindern den Bettelstab ergreifen. Verweis darauf, daß sein Bruder, den er für tot gehalten hatte und deshalb dessen Erbe aufgebraucht habe, aus 33) Vgl. zu den verschiedenen Ballettarten: Margarete Schrott Die Tanzregie in den Barockopern unter Kaiser Leopold I. 106-130. 54) Vgl. zu Johann Carl Goyer als Ballspieler bzw. Hofballmeister: HHStA OMeA Prot. 1 fol. 117r bzw. Prot. 3 fol. 79v (1660 Juni 16, Resolution). HHStA OMeA 1 Fasz. 2 fol. 212rv (1667 März 29, Resolution). HHStA OMeA 2 fol. 176v- 177r (1671 Oktober 31, Referat); HHStA OMeA 2 fol. 428v und HHStA OMeA Prot. 2 p. 172/173 (1671 Novem­ber 3, Resolution). HHStA OMeA 2 fol. 189v - 190v (1672 Mai 2, Referat); HHStA OMeA Prot. 2 p. 191/192 (1672 Mai 16, Resolution). 40

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