Andrea Sommer-Mathis: Ergänzungsband 11. Die Tänzer am Wiener Hofe im Spiegel der Obersthofmeisteramtsakten und Hofparteienprotokolle bis 1740 (1992)
Andrea Sommer-Mathis Tanzlehrer „auflzumessen und in richtigkeit zu bringen“ ergeben diesbezügliche Nachforschungen im Obersthofmeister- und Hofkontrolloramt, daß Santo Ventura unter Ferdinand III. mit 900 Gulden als Tanzmeister besoldet war und von Leopold 1.1657 unter der Bedingung bestätigt wurde, daß er den kaiserlichen Kindern, Edelknaben und Hofdamen Tanzunterricht erteile, wobei ihm die ursprünglich als Lehrgeld für seinen Sohn Domenico gedachten 560 Gulden im Jahr auf Lebenszeit gewährt wurden. Santo Ventura ist mit seiner fast 50jährigen Tätigkeit wohl einer der am längsten gedienten Tänzer am Wiener Hof. Schon 1626 von Ferdinand II. aus Venedig nach Wien geholt, wurde er von dessen beiden Nachfolgern auf dem Raiserthron, Ferdinand III. und Leopold I., nicht nur in ihren Hofstaat übernommen, sondern auch auf Grund seiner Verdienste außerordentlich unterstützt und gefördert. 1633 begann er mit dem geringen Jahresgehalt von 288 Gulden seine Tätigkeit als Tanzmeister36). Im Hofstaatsverzeichnis Ferdinands III.37) wird er ab 2. April 1637 als Tanzmeister der Edelknaben und Hofdamen mit 600 Gulden jährlicher Besoldung geführt; ab 15. April 1651 erhält er eine Gehaltserhöhung von 300 Gulden im Jahr für den Tanzunterricht, den er den Erzherzogen Ferdinand - dem späteren König Ferdinand IV. - und Leopold - dem späteren Kaiser Leopold I. - erteilte. Ab 1. Juli 1650 nahm er Johann Grün- waldt als Schüler bei sich auf und erhielt für ihn ein Lehr- und Kostgeld in der Höhe von 200 Gulden. 1655 avancierte Grünwaldt zum Tanzmeistersgehilfen und erhielt die 200 Gulden selbst als Besoldung angewiesen. Santo Ventura betreute in der Folge, abgesehen von seinen kaiserlichen und hochadeligen Schülern, weitere Tanzscholaren: Bartolomeo Zuello bzw. Bernardo Zuchello, Andreas Maximilian Riegler und ab 1667 seinen Sohn Domenico, für den er 360 Gulden Lehr- und Kostgeld erhielt, das 1675 in eine Pension auf Lebenszeit für Santo Ventura umgewidmet wurde. Neben Domenico beschäftigte Santo auch Francesco Torti als Tanzmeistersgehilfen, setzte sich aber aus naheliegenden Gründen vor allem für das berufliche Weiterkommen seines Sohnes ein. In Anerkennung seiner langjährigen Dienste bewilligte Kaiser Leopold I. seine diesbezüglichen Bittgesuche und machte Domenico Ventura zu Santos Nachfolger als Hoftanzmeister. Johann Grünwaldt (auch Grienwaldt und Grienenwaldt, gestorben um 1670), Tanzscholar und -gehilfe Santo Venturas (nachweisbar in Wien ab 1650) 56 57 56) Vgl. HHStA OMeA 5 Konv. 1 fol. 146v - 147r (1676 November 10, Referat betr. Domenico Ventura). 57) HHStA OMeA SR 186 fol. 192rv. 22