Andrea Sommer-Mathis: Ergänzungsband 11. Die Tänzer am Wiener Hofe im Spiegel der Obersthofmeisteramtsakten und Hofparteienprotokolle bis 1740 (1992)

Andrea Sommer-Mathis Allerdings scheint der Kaiserin die Tätigkeit als Choreographin allmäh­lich zur Last geworden zu sein, denn sie beauftragte den Sekretär Zuc- coni, ihren Bruder Ferdinando zu bitten, einen Tanzmeister für den Wie­ner Hof ZU empfehlen: „L’Imperatrice mia Signora desideraria di hauere alcuno che intendesse bene la cosa de Balletti, e che fosse persona atta ä insegnare alle sue Dame senza che sempre se le douesse hauer gli occhi sopra; mi commanda perö che di ciö io faccia motto all’Altezza Vostra perche se a caso potesse con la sua auttoritä far si che si trouasse persona tale non io trascuri“12). Uber ein tatsächliches Engage­ment ist nichts weiter bekannt. Offenbar war der Tanz am Wiener Hof zunächst eine weibliche Domä­ne13). Auch die Nachfolgerin Eleonoras, die spanische Infantin Maria, er­ste Frau Kaiser Ferdinands III., scheint sich des Tanzes angenommen zu haben. Ihr Bruder, König Philipp IV. von Spanien, ernannte 1630 Manuel de F r i a s zu ihrem Tanzmeister und verpflichtete ihn, acht Jahre lang mit einem Gehalt von jährlich 100 Dukaten in ihren Diensten am Wiener Hof zu bleiben14). 1631/32 scheint sein Name gemeinsam mit dem seiner Frau verschie­dentlich in Rechnungen über Ausgaben für den Hofstaat Marias13) auf. 1635 trat jedoch der Leibarzt Marias dafür ein, dem Ehepaar Frias, das er seit Jahren behandelt habe und das durch den Klimawechsel emp­findlich gelitten habe, nicht nur das Tanzen zu untersagen, sondern die beiden, um ihren Krankheitszustand nicht zu verschlimmern, besser gleich nach Spanien zurückkehren zu lassen, „como a región natural y mas sentation in Europäische Hofkultur im 16. und 17. Jahrhundert II (Wolfenbütteier Arbei­ten zur Barockforschung 9, Hamburg 1981) 379-394. Walter S a 1 m e n Tanz im 17. und 18. Jahrhundert (Musikgeschichte in Bildern IV/4, Leipzig 1988). 12) ASM AG b. 493: 1624 Juni 2, Conte Vincenzo Zucconi an Ferdinando di Gonzaga. 13) Vgl. Claudia Böhm Theatralia anläßlich der Krönungen in der österreichischen Linie der Casa d’Austria (1627-1764) (phil. Diss. Wien 1986) 168 f. 14) Vgl. Biblioteca Nációnál de Madrid (BN) Papeles de Barbieri Mss. 14 018/24: „El Rey nuestro Senor por decreto suyo de 21 de Febrero de 1630 hizo mércéd á Ma­nuel de Frias del oficio de maestro de danzar de la Serenissima Reina de Vngria, con los mismos gajes y emolumentos que se han dado al de la Reina nuestra Senora y se le han de pagar por la casa de la Serenisima de Vngria y por su cuenta, tambien le hizo Su Ma­gestad merced de que jure luego en la misma plaza en la casa de la Reina nuestra Senora con que no la goce hasta que vuelva con licencia suya, despues de haber estado los mismos ocho afios que otros criados han de asistir en Alemania, y en esta conformi- dad juró en el Bureo en 23 de febrero de 1630.“ 15) Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien (HHStA) Obersthofmeisteramt (OMeA) Sonder­reihe (SR) 75: n. 4 und 5 (Hofrechnungen der Königin Maria 1631/32); 76: n. 5 (1631-41 Soldrechnungen des kaiserlichen Hofes, Neujahrsgeschenke), n. 6 (1631-48 Akten, be­treffend den Hofstaat der Königin resp. Kaiserin Maria), n. 7 (1636 Hofstaat und Quar­tierliste der Kaiserin Maria), n. 8 (1636-44 Rechnungen für den Hof der Königin resp. Kaiserin Maria). 10

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