Friedrich Würthle: Ergänzungsband 9. Dokumente zum Sarajevoprozeß. Ein Quellenbericht (1978)
Das Attentat von Sarajevo
78 brutal und unmenschlich gewesen, „sie waren geeignet, selbst den gesündesten Gefangenen krank zu machen“10). Während das Gerichtsverfahren human abgewickelt wurde, läßt sich dies vom Strafvollzug mit bestem Willen nicht behaupten. Die Wiener Arbeiterzeitung übte an den Zuständen in den Militärstrafanstalten Kritik, es kam zu Interventionen bosnischer Abgeordneter und des Auslands, auch an Kaiser Karl trat man heran. In einer Stellungnahme des Kriegsministeriums hieß es, die Sträflinge seien nunmehr weit über zwei Jahre in Einzelhaft untergebracht und die „durch die ungünstigen Verpflegungsverhältnisse ohnehin bedeutend herabgesetzte Widerstandskraft der Sträflinge lasse die Aufhebung der Einzelverwahrung begründet erscheinen“. Über die Einzelschicksale gibt nachfolgende Tabelle Aufschluß: Name Alter Beruf Strafausmaß Durchführung Princip Gavrilo fast 20 Gymnasiast 20 Jahre Am 2. Dezember 1914 nach schweren Theresienstadt „instradiert“11), Kerkers Transport durch Wien12). 1916 Februar 27: Zeitungsnachricht über Erkrankung an Knochentuberkulose13). Zwischen Februar und Juni 1916 fünf Besuche des Dozenten Martin Pappenheim. Aus dieser Zeit stammen zwei Aufzeichnungen von der Hand Princips (1916 Mai 12 und Juni 5)14); danach erfolgte der Besuch durch den Garnisonsarzt Dr. Anton Marsch15). 1917 September 24: Princip zur Zeit nicht transportfähig, soll im Dezember aus dem Spital entlassen werden. 1917 Oktober 24: Anfrage an Kriegsministerium, ob Princip nach Möllersdorf oder Zenica zu transportieren ist. Antwort 1917 November 14: Princip ist 10) Dedijer 642. ”) Ebenda 639. 12) Amtsnotiz der Polizei-Inspektion Wien-Südbahnhof, Präs. ZI. 3101 von 1914 Februar 4: Polizeiarchiv Wien. 13) Hrvatski dnevnik (Sarajevo) 1916 Februar 27: .Princip ist krank, er leidet an Knochentuberkulose. Es geht mit ihm zu Ende. Seine Brust ist eingesunken, seine Augen sitzen tief in ihren Höhlen, er siecht im Gefängnisspital dahin. Die Nachrichten über die Eroberung Serbiens und die Flucht des Königs Peter gaben ihm den letzten Stoß. Als er vom Tod Öabrinovic’ erfuhr, war er zutiefst erschüttert.“ 14) Stenographische Aufzeichnungen des Wiener Dozenten Dr. Martin Pappenheim und Manuskripte in Gavrilo Princips Bekenntnisse (Wien 1926); siehe S. 82 ff. ls) Die Zeit (Prag) 1937 Juni 29.