Friedrich Würthle: Ergänzungsband 9. Dokumente zum Sarajevoprozeß. Ein Quellenbericht (1978)

Das Attentat von Sarajevo

23 werfen, in welchem sich se k u k hoheit ihre hoheit und ich befanden, die explosionen giengen fehl und wurden nur in einem folgenden auto mein fluegeladjutant Oberstleut­nant von merizzi sowie graf boos waldeck und vermutlich auch einige personen aus dem publikum leicht verletzt, bei der weiteren fahrt vom rathause wollte se k u k ho­heit den sogleich ins gamisonsspital gebrachten Oberstleutnant merizzi besuchen, auf dieser fahrt schoss ein serbischer mittelschueler aus unmittelbarster naehe4) gegen das auto und traf sowohl se k u k hoheit als auch ihre hoheit. ich hess das auto in den in der naehe befindlichen konak fahren wo aerztliche hilfe sofort zur stelle war doch ver­schieden sowohl se k u k hoheit als auch ihre hoheit im laufe der naechsten Viertel­stunde. die beiden attentaeter sind sofort nach ihren abscheulichen taten verhaftet und von der sie umgebenden Volksmenge fast erschlagen worden.“ Um 2.15 Uhr folgte ein ausführliches an den „generaladjutanten grafen paar allerhoechstes hoflagcr ischl“ gerichtetes Telegramm; es beruhte auf einem Protokoll, das in einer Kommission angefertigt wurde, der 14 Personen5) an­gehörten. Dieses Kommissionsprotokoll lautete: „Während der programmäßigen Rundfahrt der Höchsten Herrschaften durch Sarajevo erfolgte auf dem Appelquai kurz vor dem Rathause ein Attentat. Es fiel (etwa 10h 15' v. m.)6), zuerst ein Flintenschuß7), dann wurde eine Bombe auf den Wagen Ihrer Ho­heiten geworfen. Die Bombe glitt vom zurückgelegten Wagendache ab und explodierte kurz vor dem zweiten Automobile. Durch die Explosion wurde Obstl. von Merizzi u. der Fahrer des Wagens Graf Alexander Boos leicht verletzt. Nach dem Abtransporte des Verletzten Obstl. von Merizzi ins Garnisonsspital setzten die Höchsten Herrschaf­ten die Fahrt zum Rathause ohne Verzug fort. Nach Besichtigung des Rathauses beschloß Seine Kais. Hoheit, vorerst den verwunde­ten Obstl. von Merizzi im Gamisonsspital zu besuchen, und dann, statt die pro­grammäßige Rundfahrt durch die Stadt fortzusetzen, über den Appelquai zum Gami- sonsspitale und dann zum Landesmuseum zu fahren. Der vorausfahrende Bürgermei­ster8) mit dem Regierungskommissär9) schlugen den Weg durch die Franz-Joseph- Strasse und die Cemalusa10) ein. Kaum hatte [sic!] das Automobil der Höchsten Herrschaften, in welchem außer dem Chauffeur der Landeschef FZM Potiorek und Graf Harrach, welcher auf dem Tritt­brette links von Seiner kaiserlichen Hoheit stand, sich befanden, um die Ecke Appel- quai-Franz-Joseph-Strasse gebogen, als von halbrechts der Fahrtrichtung rasch nach­4) Die Entfernung betrug 2 bis 3 Meter. 5) Der Kommission gehörten an: Obersthofmeister Freiherr von Rumerskirch, Ge­heimer Rat Franz Graf Harrach, Flügeladjutant Oberst Dr. Karl Bardolff, Major des Generalstabs Paul Höger, Major des Generalstabs Erich Ritter von Hüttenbrenner, Dienstkämmerer Dr. Andreas Freiherr von Morsey, Regierungsrat Stabsarzt in der Evidenz Dr. Ferdinand Fischer, Oberstabsarzt I. Klasse Dr. Gottlieb Amstein, Ober­stabsarzt II. Klasse Dr. Karl Wolfgang, Regimentsarzt Dr. Richard Pollak, Regiments­arzt Emil Hochmann beim Armeeinspektor in Sarajevo, Regimentsarzt Dr. Andreas Polacco, Regimentsarzt Dr. Eduard Bayer, Oberstleutnantauditor Dr. Emil Barta. 6) Bleistifteinfügung. 7) Es war der Knall des Handgranatenzünders, kein Flintenschuß. 8) Curöic Fehim Effendi. 9) Dr. Edmund Gerde, stellvertretender Regierungskommissär für die Landeshaupt­stadt Sarajevo. Vor dem Wagen des Bürgermeisters fuhr noch ein Auto mit Polizisten. 10) Ulica Öemalusa, heute u. Marsala Tita; kurz vor dem Besuch des österreichi­schen Thronfolgers faßte der Gemeinderat von Sarajevo den einstimmigen Beschluß, die u. Cemalusa in u. Franje Ferdinanda umzutaufen.

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