Friedrich Würthle: Ergänzungsband 9. Dokumente zum Sarajevoprozeß. Ein Quellenbericht (1978)
Umstrittene Dokumente
117 riums92) in Wien dürften noch wertvollen Stoff zur Vorgeschichte des Weltkrieges, insbesondere zur Entstehung des Konfliktes zwischen Österreich und Serbien, welcher den Anlaß zum Weltkrieg bildet, enthalten ... sie [die Akten] konnten bisher von der deutschen Kriegsschuldforschung nur unvollkommen ausgenutzt [werden], weil sie nur zu einem geringen Teil veröffentlicht Vorlagen, im übrigen aber in Verwahrung der ehemaligen jugoslawischen Regierung standen und daher unzugänglich waren. Bekannt waren lediglich die wenigen in serbischen amtlichen Veröffentlichungen abgedruckten Aktenstücke und einzelne in deutschen Besitz geratene Schriften, so zum Beispiel die von Sarkotic93) veröffentlichten Protokolle der Prozesse von Banjaluka 1916 und die von Uebersberger veröffentlichten Prozeßprotokolle von Saloniki . . ,“94). Die Frage der Zuständigkeit für die geplante Auswertung der Belgrader Archivbestände wurde im Sommer 1942 geklärt. Da das Reichsarchiv Wien dem Reichsinnenministerium unterstand, wäre für derartige Archivpublikationen dieses Ministerium „federführend“ gewesen. Dagegen erhob die Archivkommission des Auswärtigen Amtes Einspruch, sie fand, diese Publikationen wären schon immer ihre Sache gewesen, außerdem sei es bedenklich, die Auswertung der Belgrader Akten dem Wiener Reichsarchiv zu überlassen, — weshalb, geht aus der Korrespondenz95) nicht hervor. Am 8. August orientierte Generaldirektor Dr. Zipfel Prof. Bittner, das Auswärtige Amt sei bereit, ihn mit der Durchführung der Arbeiten zu betrauen. Bittner aber verlangte, daß ihm „keine von diesem Amt berufene Persönlichkeit vor die Nase“ gesetzt werde96). Um aber doch dem Auswärtigen Amt Einfluß auf die Planung und Gestaltung der Publikation zu sichern, wurde mit der „Vorlage“ vom 27. Juli 1942 ein „Ostmärker“, der Oberregierungsrat Dr. Karl Braunias, als Vertreter des Auswärtigen Amtes zu den vorgesehenen Arbeiten delegiert. Auf dieser Basis97) wurde abgeschlossen und am 19. Oktober meldete Braunias seinen Dienstantritt in Wien; er fügte hinzu, er habe eine günstige Atmosphäre vorgefunden, denn: „Bittner arbeitet gerne mit unserem Haus, da er sich vom anderen Ministerium schlecht behandelt fühlt“98). 92) Auch genannt „Bosnisches Archiv“ oder „Bosnische Registratur“. Siehe S. 104 f Anm. 47. 93) Stefan Freiherr v. Sarkotiö Der Hochverrats-Prozeß von Banja-Luka in BMH 7 (1929) 30-47. 94) Siehe oben S. 88 f. 95) AA Bonn PA 26a, E 066955/6/7. **) Ebenda. 97) Die Vereinbarung (ebenda E 066964) lautete: „Ich [der Reichsminister des Innern] erkläre mich damit einverstanden, daß a) unter der Zuständigkeit des Auswärtigen Amtes für die Veröffentlichung der Dokumente der Belgrader Archive die erforderlichen Arbeiten durch das Reichsarchiv Wien ausgeführt werden und b) wegen der entstehenden Kosten und der sonstigen im Schreiben des Direktors des Reichsarchivs Wien erwähnten, mit der Veröffentlichung der Dokumente im Zusammenhang stehenden Fragen das Auswärtige Amt sich unmittelbar - erforderlichen Falls durch die Entsendung eines Vertreters — mit dem Reichsarchiv Wien in Verbindung setzt. Ich nehme mit Dank zur Kenntnis, daß im Vorwort der Veröffentlichung das Reichsministerium des Innern in der von Ihnen angedeuteten Form Erwähnung finden wird und daß Sie mich über den Fortgang der Arbeiten auf dem laufenden halten werden“. 98) Ebenda E 066985.