Fritz Reinöhl: Ergänzungsband 7. Geschichte der k.u.k. Kabinettskanzlei (1963)
VII. Kurzbiographien der Leiter der Kabinette, der Kabinettsdirektoren und der Sektionschefs - 2. Die Sektionschefs
377 3. Juni 1895 zum Kabinettskonzipisten extra statum. Die Kabinettskanzlei gewann einen sehr eifrigen und sehr verwendbaren Beamten. Am 27. März 1896 rückte er in eine systemisierte Stelle ein. Am 12. Jänner 1897 wurde er zum Hof Sekretär ernannt. Nagy hatte Sektionschef König bei der Ausarbeitung der in das Referat der ungarischen Angelegenheiten fallenden Geschäfte zu unterstützen. Als der Kaiser am 21. September 1905 Daruváry in die Kanzlei berief und ihn mit der Führung jenes Referates beauftragte, hatte Nagy ihn in den formalen Teil der Geschäfte einzuführen. Um Nagy dafür zu entschädigen, daß nicht ihm als dem ältesten Hofsekretär und als rangältesten der aus dem ungarischen Staatsdienst übernommenen Beamten das Referat übertragen wurde, verlieh ihm der Kaiser auf Anraten Schiessls am 7. Dezember 1905 den Titel und Charakter eines Sektionsrates. Während der Sommerurlaube Daruvárys hat ihn Nagy alljährlich vertreten. Am 6. Oktober 1910 wurde er zum Kabinettssekretär ernannt, am 21. Mai 1912 verlieh ihm der Kaiser den Titel und Charakter eines Hofrates, welcher Auszeichnung am 14. Jänner 1916 die Ernennung zum Hofrat folgte. Nagy versah damals auch die Kabinettskasse und wurde zeitweilig auch zur Vertretung des österreichischen Sektionschefs herangezogen. Daneben oblag ihm die Revision der Unterstützungsgesuche; zu Beginn des Jahres 1916 mußte er sich auch, da die Zahl der ungarischen Kabinettsbeamten gesunken war, der Bearbeitung der ungarischen Vorträge zuwenden. Nach dem Ausscheiden Daruvárys übernahm Nagy die Führung des ungarischen Referates. Obwohl sich Graf Tisza scharf gegen die Ernennung Nagys zum ungarischen Sektionschef aussprach, weil er diesen als in Wien geboren und aufgewachsen nicht als vollwertigen Ungarn wertete, setzte Kabinettsdirektor Polzer beim Kaiser seine Ernennung durch, die am 18. März 1917 erfolgte. Am 23. Juni jenes Jahres erfuhr Nagy auch die Auszeichnung, vom Monarchen zum Geheimen Rat ernannt zu werden. Die Teilung der Arbeiten zwischen Polzer und Nagy wurde so scharf durchgeführt, daß Kaiser Karl Polzer einmal den Vorwurf machte, er hätte jenem die ungarischen Angelegenheiten ganz überlassen, und es für nötig hielt, ihn darauf aufmerksam zu machen, daß er auch bezüglich dieser Agenden ihm gegenüber die Verantwortung trage. Polzer verwies darauf, daß „die Akten der ungarischen Sektion“ ihm zur Einsicht vorgelegt würden, bevor sie zum Referat an den Monarchen kämen. Nur ganz selten beantragte Polzer eine Änderung der beantragten Entschließung. Wie weit die Selbständigkeit des ungarischen Referates sich entwickelt hatte, zeigt nicht nur dieser Vorfall, sondern auch die Tatsache, daß dem Kabinettsdirektor die oben angeführte, der Organisation nicht entsprechende Bezeichnung „ungarische Sektion“ entwischen konnte. Seit 28. Oktober 1905