Fritz Reinöhl: Ergänzungsband 7. Geschichte der k.u.k. Kabinettskanzlei (1963)
VII. Kurzbiographien der Leiter der Kabinette, der Kabinettsdirektoren und der Sektionschefs - 1. Die Leiter der Kabinette und die Kabinettsdirektoren
361 verliehen152). Ein Jahr zuvor hatte der Präsident des Herrenhauses des österreichischen Reichsrates Fürst zu Windischgrätz den österreichischen Ministerpräsidenten gebeten, da der bisherige Schriftführer des Hauses Freiherr von Mylius zum Hofrat bei der Landesregierung in Klagenfurt befördert worden war, einen Ersatz zuzuweisen. Die Wahl fiel auf Polzer und am 7. Dezember 1904 wurde er vom Herrenhaus bei der Eröffnung der XVII. Session zum zweiten Schriftführer bestellt; diese Bestellung wiederholte sich sodann bei der XVIII., XIX. und XX. Session 153). Diese Tätigkeit Polzers führte dazu, daß er, als der Kanzleidirektor des Herrenhauses Sektionschef Graf Marenzi in den Ruhestand trat, am 11. Juli 1910 bei Belassung im Stande des Ministeriums des Inneren als dessen Nachfolger bestellt und zum Hof rat ernannt wurde; zugleich rückte er in die Stelle des ersten Schriftführers ein 154). Am 7. Februar 1917 wurde Polzer von Kaiser Karl als Kabinettssekretär und Sektionschef in die Kabinettskanzlei einberufen und mit der Leitung derselben betraut155). Wenige Wochen später, am 15. März, ernannte ihn der Kaiser zum Kabinettsdirektor, zugleich verlieh er ihm die Würde eines Geheimen Rates und bestellte ihn zum Kanzler des Ordens vom Goldenen Vlies 156). Diese Berufung Polzers war darauf zurückzuführen, daß der junge Kaiser ihn lange und gut kannte — schon seit 1904 stand er mit ihm in engerer, man darf wohl sagen freundschaftlicher Berührung —, daß er ihn besonders schätzte, wußte, daß er auf seine Verläßlichkeit unbedingt bauen könne, und daß er ihn für diese Stelle auch deswegen besonders geeignet hielt, weil er in allen Instanzen und zwei Ministerien gedient hatte und sich in diesen Stellungen und besonders im Dienst des Herrenhauses umfassende Personalkenntnisse erworben hatte 157). Polzers Berufung änderte abermals die Stellung des Kabinettsdirektors; er wurde zum Berater des Monarchen in innenpolitischen Angelegenheiten und es scheint, daß ihm der Kaiser wirklichen Einfluß auf seine Entschlüsse einräumte. Dazu führte schon die Arbeitsweise des Monarchen, der, ein Feind aller Papierarbeit, sich vom Kabinettsdirektor über alle Geschäftsstücke Vortrag erstatten ließ. Vor allem suchte Polzer den Kaiser zu bewegen, allen Nationen der Monarchie die volle nationale Autonomie zu geben. Ende Juni 1917 trug der Kaiser Polzer an, auf Grund dieses Programmes die Minister ii) ii) Ebenda, P. Nr. 8673, K. Z. 3510. iss) Archiv des Herrenhauses Fach 700 Karton 1 f, XVII. Session Nr. 470, ad Nr. 470 und Stenograph. Protokoll, XVII. Session, 43. Sitzung, S. 877, XVIII. Session, 1. Sitzung, S. 3, XIX. Session, 1. Sitzung, S. 5, XX. Session, 1. Sitzung, S. 4. Ich danke Frau Dr. Helbock für die freundliche Unterstützung meiner Forschungen. 154) Ebenda, XX. Session, 12. Sitzung, S. 333 f, Archiv des Herrenhauses, Fach 700 Kart. 1 f., XX. Session, Nr. 89, K. Z. 2185. 155) Direktionsakt 4/1917. i»6) Direktionsakt 4/1917. '57) Polzer-Hoditz, Kaiser Karl S. 93.