Fritz Reinöhl: Ergänzungsband 7. Geschichte der k.u.k. Kabinettskanzlei (1963)
VII. Kurzbiographien der Leiter der Kabinette, der Kabinettsdirektoren und der Sektionschefs - 1. Die Leiter der Kabinette und die Kabinettsdirektoren
347 Franz die Stellung eines Kabinettsministers, dem er das Geheime Kabinett und das Geheime Ziffernkabinett unterordnete, und ernannte Collo- redo am 3. März 1792 zu seinem Kabinetts- und Konferenzminister62). Als der Oberstkämmerer Fürst Rosenberg am 13. November 1796 starb, übertrug Kaiser Franz Colloredo auch noch dessen Amt63), sodaß auf seinen Schultern eine mächtige Arbeitslast lag, die dadurch noch erhöht wurde, daß ihm in der Folge auch die Oberaufsicht und Oberleitung des Patrimo- nialfondes, des Familienversorgungsfondes, des Avitikalfondes, der zum kaiserlichen Privat- und zum kaiserlich-königlichen Familienfonde gehörigen wohltätigen und Depositenkasse, der Pensions- und Provisionskasse sowie des geheimen Kammerzahlamtes auf getragen wurde64). Seine Stellungen als Kabinetts- und Konferenzminister nützte Colloredo, um einen bestimmenden Einfluß auf die Staatsgeschäfte auszuüben. Dieser stieg noch, als der Kaiser ihm als Kabinettsminister am 5. Oktober 1800 auch die Oberleitung der Staatskanzlei übertrug. Über die Geschäftstätigkeit Colloredos und seinen am 15. November 1805 erfolgten Sturz, ist bereits an anderer Stelle gehandelt worden63 66). Die formale Entlassung Colloredos als Kabinetts- und Konferenzministers sowohl als auch als Oberstkämmerers erfolgte erst am 30. Dezember 1805 e6). Die Entlassung muß in unguter Form erfolgt sein und Colloredo in ungewöhnlicher und unzureichender Form mitgeteilt worden sein. Denn am 14. Jänner schreibt er, der sich in einer „auf meine Ehre und guten Namen sehr kränkende Art entlassen“ fühlte, dem Kaiser, daß er auf Belassung als Oberstkämmerer hoffe, da niemandem eine Hof charge ohne besonderes Verbrechen genommen werde, und als er erfährt, daß Graf Würben diese Würde verliehen wurde, fühlte er sich tief gekränkt, ja samt seiner Gattin, die ebenfalls aus allen ihren Stellungen bei Hof entfernt worden war, gebrandmarkt 67). Anderseits berichtet Zinzendorf, daß ihm Graf Würben erzählt habe, Colloredo habe aus Zorn über seine Entlassung als Minister sich 62) Am 3. 3. 1792 schrieb Colloredo in sein Tagebuch (Sammelband 40), daß ihm der Kaiser gesagt habe: „Ich errichte ihnen zu Ehren eine neue Stelle, ich ernenne Sie zu meinem Cabinets Conferenz Minister. Sie haben die Direction meines Cabinets, dieses machet, daß wir stets mitsammen sind, in welchem Sie mir den besten Dienst leisten können.“ Handschreiben an den Oberstkämmerer Fürst Rosenberg 4. 3. 1792: „Da ich den Grafen Franz von Colloredo ... wegen seiner Mir von Meiner ersten Jugend an so vielfach bezeigten Freundschaft und oftmals geprüften Rechtschaffenheit, zu Meinem Kabinets- und Konferenzminister ernennet habe ...“ OKA. ZI. 40. Colloredos Beeidigung durch den Kaiser erfolgte am 5. 3. Ebenda. 63) OKA. ZI. 1295, 1298, 1379/r 12-11/1796, alle diese Akten nicht erhalten. OMeA., Zerem. Prot. Bd. 39, fol. 111. 64) W. Kraus in Gesamtinventar, Bd. 2, S. 382. 05) S. S. 37 ff. 66) Billet an Obersthofmeister Graf Starhemberg, OMeA. ZI. 11-12-90, s. auch Anm. 69. 67) Briefe Colloredos an den Kaiser 14. 1. u. 20. 1. 1806, KFA., Fasz. 78 b.