Fritz Reinöhl: Ergänzungsband 7. Geschichte der k.u.k. Kabinettskanzlei (1963)

VII. Kurzbiographien der Leiter der Kabinette, der Kabinettsdirektoren und der Sektionschefs - 1. Die Leiter der Kabinette und die Kabinettsdirektoren

345 misch königlicher Cabinetssecretarius“ 46). Nach dem Tode Maria There­sias diente er im Kabinett Josephs als zweiter geheimer Kabinettssekre­tär bis zu seinem am 26. Oktober 1777 im vierundsechzigsten Lebens­jahr in Wien erfolgten Tod 47). Joseph Franz Stephan (seit 1. 11. 1766 von Kronen­fels), geboren am 1. August 1735 in Prag als Sohn des Kanzlisten bei der böhmischen Kammer Johann Wilhelm Stephan, entstammte einer an­gesehenen Teplitzer Bürgerfamilie. An der Prager Universität erwarb er das philosophische Doktorat, nach welchem er noch einen juridischen Kurs mitmachte 48). Am 4. Mai 1759 wurde er zum Supernumerarikanz- listen der Reichskanzlei ernannt, am 21. als solcher beeidet4"). Hier besorgte er den Chiffredienst50). Als Joseph II. sein Kabinett einrichtete, berief er ihn in dieses bei Beibehaltung seines Kanzlistenranges der Reichskanzlei51). Am 23. November 1771 wurde Stephan, der am 1. No­vember 1766 mit dem Prädikat von Kronenfels in den Reichsadelsstand erhoben worden war ä2) — er wird fortan nicht mit seinem eigentlichen Familiennamen, sondern mit seinem Prädikat genannt — zum Kabinetts­konzipisten mit Charakter und Rang eines Hofsekretärs ernannt; den Ge­halt eines solchen erhielt er erst am 17. März 1785 5S). Nach dem Ableben Lamines, der am 26. Oktober 1777 starb, fiel Kronenfels die Leitung des Kabinettes zu. Als jedoch Joseph II. die Vereinigung des Kabinettes seiner Mutter mit dem seinigen durchführte, mußte Kronenfels wieder in seine untergeordnete Stellung zurücktreten. Die Leitung des Kabinettes fiel nämlich an den viel älteren Püchler54). Als dieser in den Ruhestand versetzt wurde, rückte Kronenfels auf Grund einer allerhöchsten Ent­schließung vom 7. Dezember 1786 in die Stelle des Kabinettssekretärs mit dem Titel eines Hof rates ein; er führte nunmehr die Leitung des Kabinettes; gleichzeitig wurde ihm auch die durch Püchlers Scheiden er­ledigte Leitung des Ziffernkabinettes übertragen55), um dessen Neuge­staltung er sich große Verdienste erwarb. In den Jahren 1768 bis 1786 4<i) Reichsregister Franz I., Bd. 21, fol. 903. 47) Wiener Diarium Nr. 88, Anhang. 48) Aufzeichnung seines Bruders Franz Stephan im Besitz des Herrn Ernst Krahl in Wien. Reichsadelstandsdiplom StAI., Gratialregistratur. Der Familien­name ist Stephan, doch wurde er seit seiner Nobilitierung nur nach dem Prädi­kat Kronenfels genannt. 49) Reichskanzlei, Verfassungsakten, Fasz. 45 a. 50) S. Anm. 48, ferner Verfassungsakten Fasz. 45 a, OMeA., Hofprot. in Parteisachen, 488. 51) S. Anm. 48, ferner Verfassungsakten Fasz. 47, Konv. e, OMeA., Hof­protokoll in Parteisachen Fol. 488. 52) S. Anm. 48. 5») OKA., D 92, 184. 54) S. S. 31. 55) OKA. ZI. 274/1786.

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