Fritz Reinöhl: Ergänzungsband 7. Geschichte der k.u.k. Kabinettskanzlei (1963)

II. Der Monarch und seine Stellvertretung

94 und sodann Mir hievon Nachricht geben“ 65). Am 14. März 1791 begab sich Kaiser Leopold nach Toskana, von wo er erst am 20. Juli zurück­kehrte. Am 11. März erteilte er seinem Sohn Franz „die nöthigen Be­fehle und Vollmachten ... alle Geschäfte auf dieselbe Art, wie es itzt von Mir geschieht, von Ihm zu expediren“. Auf alle Vorträge und Be­richte würden, so beauftragte er den Obersthofmeister Fürsten Starhem­berg alle Stellen zu verständigen „entweder von Ihme [Erzherzog Franz] in Meinem Namen oder von Mir auch unmittelbar die Entschließung“ ergehen, welche ebenso wie alle von ihm ergehenden Aufträge und Be­fehle genauestens zu erfüllen seien. Erzherzog Franz wurde auch die Schlußfassung in militärischen Angelegenheiten übertragen. Der Kaiser beauftragte, gleichfalls am 11. März, FM. Lacy, die hofkriegsrätlichen Agenden dem Erzherzog „wie gewöhnlich mit den Resolutions Entwür­fen heraufzugeben, welche resolvirter dann von dem Hof Kriegs Rathe sowohl als alle anderen von Ihme zu erlaßenden Befehle in genaue Er­füllung zu bringen sein werden“66). Anläßlich seiner bevorstehenden Reise nach Prag zur Krönung zum König von Böhmen, welcher auch der Kronprinz beiwohnte, erteilte Kaiser Leopold am 13. August 1791 dem Fürsten Kaunitz die gleiche Vollmacht die er ihm am 18. September des Vorjahres gegeben hatte 67). Am 13. August verließ der Kaiser Wien, um noch vor der Krönung in Pillnitz mit dem König von Preußen und dem Kurfürsten von Sachsen zusammenzutreffen; Lacy war schon vorher dorthin abgegangen 68). Der Kaiser behielt sich daher die Erledigung der Vorträge des Hofkriegsrates vor; am 31. traf der Kaiser und mit ihm Lacy in Prag ein; am 12. Oktober befand er sich wieder in Wien69). Am 28. Februar 1792 erkrankte der Kaiser plötzlich an einer ungeklär­ten Krankheit, der er am 1. März um drei Uhr Nachmittags erlag70). An einer der drei Tage seiner Krankheit muß Leopold den Kronprinzen mit seiner Stellvertretung betraut haben, denn am 1. März erzählte Franz seinem einstigen Erzieher und nunmehrigen Obersthofmeister Graf Collo­65) B 499 an Kaunitz, B 500 an Lacy, Bill.Prot. Danach ist Hock-Bidermann, a. a. O., S. 629, richtig zu stellen. 66) B 237 an Starhemberg und B 238 an Lacy, Bill.Prot. 67) B 438, Bill. Prot. Bibis Angabe, daß Kaiser Leopold seinem Sohn die Stellung eines Mitregenten eingeräumt habe (Der Zerfall Österreichs, Bd. 1, Kaiser Franz und sein Erbe, S. 56) ist demnach unrichtig. 6S) OMeA., Zeremoniellprotokoll 1791/92, fol. 35. 88) Als Lacy Mitte September von Prag nach Wien zurückkehrte, wurde der Hofkriegsrat von dem noch in Prag bleibenden Kaiser angewiesen, alle Aus­arbeitungen an jenen nach Wien zur Bearbeitung zu senden. Handschreiben an Graf Tiege, Prag, 15. 9. 1791, Kriegsarchiv, Hofkriegsrat 1891-32-335. Die Ent­schließungen auf die Vorträge des Hofkriegsrates aus der Zeit der Abwesenheit des Kaisers von Wien sind durchwegs von diesem unterfertigt. 70) OMeA., Zeremoniellprotokoll.

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