Fritz Reinöhl: Ergänzungsband 7. Geschichte der k.u.k. Kabinettskanzlei (1963)
II. Der Monarch und seine Stellvertretung
91 aller Papiere welcher Art immer zu versichern, persönlich und zwar ohne Hilfe anderer Personen von allen Zimmern, geheimen Kanzleien, Büros und Schränken, wo Papiere seien, in des Verstorbenen Wohnung wie in der Kanzlei, sich die Schlüssel geben zu lassen, sie mit seinem Privatsiegel zu versiegeln und unter keinem Vorwand bis zu seiner Ankunft in Wien öffnen zu lassen 60). Der Großherzog hat wohl, so darf man annehmen, am 16. Februar die Nachricht von der erheblichen Verschlimmerung des Gesundheitszustandes des Kaisers und dessen Order, sofort nach Wien abzureisen, erhalten. Denn an diesem Tage bestätigte er seinem Bruder den Erhalt des oberwähnten Briefes vom 6. Februar und schrieb er ihm und seinem Sohne Franz, daß er, da er damit rechnen müsse, nicht mehr nach Toskana zurückzukommen, eine Reihe wichtiger Anordnungen zu treffen habe, und da er unpäßlich sei, nicht vor dem 22. werde abreisen können, und hoffe, am 1. März in Wien einzutreffen. Zugleich trug er Franz nochmals größte Obsorge über die Papiere, die Effekten, die Privatkasse und das Kabinett des Kaisers auf. In diesem menschlich ungemein ansprechenden Brief bittet der Großherzog seinen Sohn, überzeugt zu sein, daß er ihn nicht nur in allen Angelegenheiten, wie er es wünsche, verwenden werde, sondern daß er ihn immer als seinen Mitarbeiter und Freund und als jenen betrachten werde, der ihm gleich seinen Brüdern helfen müsse die Last der Geschäfte zu tragen. Schließlich bat er, ihn im Falle des Todes des Kaisers sofort zu verständigen und größte Behendigkeit und Beharrlichkeit auch in seinem Namen zu entwickeln61). Diesem Auftrag leistete Erzherzog Franz gleich nach 60) Leopold an Franz 8. 1. 1790: „Vous sentez bien que si jamais S. M. (ce que Dieu veuille bien éloigner) venoit ä empirer tout ä coup ou ä manquer, mon bien étre mon existance tout enfin dépand que les papiers notes plans enfin papiers quelconque existant dans sa Chambre bureaux clefs chancellerie et sécretairerie soient assurés, et comme beaucoup de personnes pourroient trouver leur interét ä en faire disparoitre, je vous recommande done expressement si jamais pareil malheur arrivoit des vous assurer d’abord immediatement et par vous mérne sans vous servir d’autres personnes de toutes les chambres sécretaireries bureaux et armoires ou il y a des papiers tant dans le quartier qu’á la Chancellerie de les cacheter tout de suite tous tant chambres qu’armoi- res, de vous faire donner toutes les clefs, cacheter toutes les portes vous assu- rant qu’il n’y ait pas d’autre issue particuliere, y mettant en outre vőtre cachet particulier et ne les laissant ouvrir sous aucun prétexte jusqu’á ma venice dans cette affaire mettez-y la plus grande promptitude activité et fermeté en considerant que peut étre le bonheur de la monarchie peut dépendre de la surété de cette demarche. Vous devez savoir aussi bien que moi en quelles mains sout ä present tous ces papiers et le caractere des personnes qui frequentent cette sécrétairerie cela doit vous étre une raison de plus pour vous engager ä faire cette commission le cas écheant avec la plus grande exactitude et fermeté“. Habsb.-lothring. Familienarchiv, Sammelband 60. Konv. 6. 61) Leopold an Joseph 16. 2. 1790, Arneth, a. a. O., S. 318, Leopold an Erzh. Franz 16. 2. [1790]: „... Je vous recommande de réchef la plus grande vigi-