W. Wagner: Ergänzungsband 6. Die obersten Behörden der k.u.k. Kriegsmarine 1856-1918 (1961)
4. Die Schaffung des Marineministeriums
32 werden solle. Den Zeitpunkt der definitiven Schaffung behalte er sich vor. Zunächst solle die Marine bei den Budgetverhandlungen durch einen bereits fungierenden Minister vertreten werden. Nach verschiedenen Vorschlägen erklärte sich der Handelsminister Graf Wickenburg im Prinzip bereit, über Befehl Seiner Majestät die Vertretung zu übernehmen, zumal er seit jeher eine große Vorliebe für die Marine gehegt habe und ihr eine Stellung wünsche, die einer Großmacht würdig sei. Allerdings hielte er eher die Vereinigung des Marine- und des Kriegsministeriums für sachgemäß. Die Frage der Vereinigung von Kriegs- und Handelsmarine dagegen sei schon wiederholt als den Handelsinteressen widersprechend abgelehnt worden. Schmerling schlug vor, einen Seemann als Regierungskommissär mit der Vertretung des Budgets zu betrauen, da ein Minister, der Nichtfachmann wäre, auch keine größere Autorität hätte und man ohnedies nicht mit großen Schwierigkeiten rechnen müsse. Der Polizeiminister Freiherr von Mecséry erklärte es für nicht Tätlich, die Budgetverhandlungen durch Kreierung eines Marineministeriums zu verkomplizieren. Das Schlußvotum der Konferenz wurde im Sinne der Vorschläge Schmerlings abgefaßt. Auf weitere Interventionen des Erzherzogs und Breisachs antwortete der Kaiser zunächst am 17. Jänner, er halte an dem vorgeschlagenen Programm fest und habe bereits ein diesbezügliches Telegramm an den Ministerpräsidenten ergehen lassen. Angesichts des hartnäckigen Widerstandes übernahm er auch selbst den Vorsitz in der Ministerratssitzung vom 23. Jänner 13) und stellte lediglich zur Diskussion, ob man zunächst nur dem Bedarf für eine Vertretung des Budgets abhelfen oder sofort eine neue Zentralbehörde bilden solle. Nun stimmten alle Anwesenden dafür, zunächst die Vertretung einem der Ministeru) zu übertragen und gleichzeitig prinzipiell die Schaffung eines Marineministeriums zu erklären. Franz Joseph entschied sofort in diesem Sinne. Graf Degenfeld fand einige wärmere Worte; er betrachtete diese Maßnahme als förderlichen Schritt dazu, die österreichische Marine auf einen Stand zu bringen, daß sie der italienischen die Spitze bieten könne. Wickenburg meinte, eine kräftigere Vertretung im Ministerrat und im Reichsrat sei unentbehrlich, damit Österreichs Seemacht ansehnlicher werde. Mecséry trat für die Schaffung einer Marinezentralstelle ohne Namen und Attribute eines Ministeriums ein. Noch am gleichen Tag teilte der Kaiser dem Erzherzog telegraphisch die Schaffung des Marineministeriums und — zur Überraschung des Erzherzogs, wie es in der Amtsgeschichte heißt — die Betrauung des Grafen Wickenburg mit der provisorischen Leitung mit. „Er wird vor der Hand entsprechen, da er mit Feuereifer die Interessen der Marine vertritt“, fügte Franz Joseph hinzu lä). Das Handschreiben an den Grafen Wickenburg erging am 26. Jänner. Darin sprach der Kaiser die Aufhebung der Marinekanzlei und des Marineoberkommandos sowie die Übertragung der obersten Leitung der Angelegenheiten der Kriegsmarine an ein Marineministerium aus. Mit der vorläufigen Leitung betraue er den Grafen Wickenburg, der im Einverständnis mit dem