W. Wagner: Ergänzungsband 6. Die obersten Behörden der k.u.k. Kriegsmarine 1856-1918 (1961)
10. Der Weltkrieg
109 Das an Bedeutung abnehmende hydrographische Wesen könne man allenfalls der Präsidialkanzlei abnehmen und der 11. Abteilung unter Manöver und Navigation einreihen. Die Aufstellung der 11 /F Abteilung wäre eventuell zunächst zu unterlassen, um bei dem noch jungen Gebiet die Trennung in militärische und technische Belange zu vermeiden. Das Marinekontrollamt wollteMillencovich von der Marinesektion trennen und in Fiume unterbringen. Das Schulwesen habe bei der Präsidialkanzlei zu verbleiben, ja sogar zu einer eigenen, der Präsidialkanzlei unterstellten Abteilung ausgebäut zu werden 18). Weitere Vorschläge Millencovich’, man möge durch bessere personelle Dotation der Marinesektion den Offizieren auch Gelegenheit zu Erholung und Genuß der Stadt und Umgebung bieten, fanden die Zustimmung Njegovans. Ein Seeoffizier, der nie in der Marinesektion gearbeitet habe, sei marinefremd, wisse nichts von den Möglichkeiten und Schwierigkeiten sowie vom Zusammenhang der Marine mit den übrigen Faktoren der Monarchie und von finanziellen Erwägungen und er entwickle sich daher zum Nörgler. Die Gruppen- und Abteilungsvorstände solle man längstens alle drei Jahre, die anderen noch häufiger wechseln, aber jeweils den Nachfolger 1—3 Monate einführen. Den Vorständen der Präsidialkanzlei, der Operationskanzlei und der Gruppen müßten teilweise Befugnisse eines Sektionschefs übertragen und vieles ihrer selbständigen Entscheidung überlassen werden. Von der Präsidialkanzlei nahmen die Linienschiffskapitäne Hermann und Accurti am 21. Juli bzw. 6. Dezember zu den Darlegungen Millencovich' Stellung. Trotz der Überlastung der Präsidialkanzlei solle man ihr die Dienstbestimmungen und die Qualifikationslisten der Stabsoffiziere belassen, zumal ihr die damit im Zusammenhang stehende Korrespondenz über Stabsoffiziere nicht abgenommen werde. Um der Einheitlichkeit willen sei sogar die Übernahme der höheren Marinegeistlichen, Ärzte und Beamten — falls diese Offizierscharakter erhalten sollten — in Erwägung zu ziehen. Anderseits wäre die Errichtung einer eigenen Schulabteilung begrüßenswert. Die Trennung der technisch-administrativen von einer militärisch-fachlichen Geschäftsgruppe hielt Accurti nicht für zweckmäßig, ja für eine Quelle von Hemmnissen. Ein besserer Weg wäre die Entlastung der Marinesektion durch Aufstellung von Inspektoraién nach deutschem Muster, oder man möge das Marinetechnische Komitée durch neue Abteilungen für U-Boots-, Flug- und Radiowesen ausgestalten. Ein reichlicher Personalstand sei wünschenswert, doch berge ein zu häufiger Personal Wechsel gewisse Gefahren in sich; viele Offiziere hätten überdies eine unbezwingliche Abneigung gegen Kanzleiarbeit und für Verheiratete sei eine kurzfristige Kommandierung nach Wien sehr schwierig. An neuen Anregungen fügt Accurti die Schaffung einer Zentralstelle für Presse und Nachrichtendienst in Analogie zum Reichsmarineamt in Deutschland hinzu, ferner eine Standesevidenz für Nichtaktive bei der 1. Abteilung, weiter eine eigene Abteilung für Materialbeschaffung und Zuweisung an die einzelnen Stellen, wobei eine ganz enge Zusammenarbeit mit der TI. und