W. Wagner: Ergänzungsband 6. Die obersten Behörden der k.u.k. Kriegsmarine 1856-1918 (1961)

10. Der Weltkrieg

107 beide einschließlich der Ausbildung des Fachpersonals, zu errichten. Ähnlich müsse in der Abteilung 3 eine neue Abteilung 3/V für Versorgungs- und Inva­lidenwesen, Stiftungen, Pensionistenevidenz, Grundbuch etc. eingerichtet werden, was angesichts des neuen Versorgungsgesetzes vordringlich sei. Der 3. Abteilung verbliebe dann das Gebührenwesen, Unterkunftswesen, Eisen­bahn- und Schiffahrtsangelegenheiten in ökonomisch-administrativer Be­ziehung sowie der Verwaltungsdienst, Passierungen und Pauschalien für die I. Geschäftsgruppe. Der der I. Geschäftsgruppe zugeteilte Linienschiffskapitän Millencovich dagegen wollte sogar das Proviant- und Bekleidungswesen wieder der 3. Ab­teilung zuweisen, da die Abtrennung nur wegen Überlastung erfolgt sei. Am 14. Mai äußerte sich der Vorstand der Präsidialkanzlei Wickerhauser zu dem gesamten Komplex von Plänen, er halte den gegenwärtigen Zeitpunkt für Standesänderungen überhaupt für wenig geeignet, man solle doch lieber abwarten, bis die Lage geklärt und die Zukunftsmöglichkeiten abzusehen seien. Die Schaffung eines Marineministeriums würde auf zu große Schwierig­keiten stoßen und man könne nicht nach zu kurzer Amtsführung eines selb­ständigen Chefs der Marinesektion dem Kaiser so umfangreiche und tief­gehende Vorschläge machen. Die zweifellos notwendige Umorganisation könne ja auch unabhängig von einer etwaigen völligen Loslösung vom Kriegsmini­sterium geschehen. Kontreadmirale als Gruppenvorstände halte er nicht für notwendig. Man möge sich also zunächst wie bisher ad hoc behelfen, bis man einigermaßen klar in die Zukunft blicken könne. Daß sich auch Admiral Njegovan am 15. Juni der Meinung Wickerhausers anschloß, liegt ganz in der von ihm bisher eingehaltenen Linie. Auch die am 21. Mai von der 1. Abteilung beigeschlossene Stellungnahme, die eine Bewilligung von Standesvermehrungen durch die Delegationen im Krieg leichter als im Frieden erreichbar hielt, konnte daran nichts ändern und am 1. Juli wurde der ganze Konvolut ad acta gelegt16). Das Behelfen ad hoc war aber offenbar doch keine sehr befriedigende Lösung. Daher verfaßte Linienschiffskapitän Millencovich am 6. Juli 1917 an Bord SMS Novara „über Befehl“ einen umfangreichen „Entwurf zu einer Ausgestaltung der Marinesektion bei Aufrechterhaltung der Grundzüge der bestehenden Organisation“, den dann Admiral Njegovan der Marinesektion „zum — (gemächlichen) — Studium“ sandte17). Millencovich geht davon aus, daß die Entwicklung der Marine in den letzten zwei Jahrzehnten, vor allem auf dem Gebiete des Artillerie-, Torpedo- und Radiowesens, ferner durch die Einführung des U-Bootes und des Flug­zeuges sowie das stete Wachsen von Budget und Personalstand eine Anpassung der Marinesektion an die neuen Verhältnisse notwendig mache; daß bisher alles auch ohne größere Änderungen in gutem Gang gehalten werden konnte, spreche für die weitsichtige und vorzügliche Organisation dieser Behörde. Als neue Gliederung wäre zu empfehlen:

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