Walter Goldinger: Ergänzungsband 5. Geschichte des Österreichischen Archivwesens (1957)

Zur Geschichte des Archivalienschutzes

58 Walter Goldinger Beispiele dafür gibt es genug. Das .Joanneumsarchiv in Graz3), das oberöstereichische Musealarchiv4), das Archiv des Kärntner Geschichts­vereins 5) beleuchten diese Entwicklung. In größerem Rahmen dachte auch Hormayr daran, das Haus-, Hof- und Statsarchiv zu einem Zentral­institut nicht nur für das staatliche Archivgut, sondern auch zur Hinter­legung von Privat- und Korporationsurkunden auszugestalten6). Über die Durchführung dieser Aktion in Niederösterreich sind wir gut unterrich­tet7). Auch die Anlegung einer Autographensammlung in der Hof­bibliothek ist in diesem Zusammenhang zu nennen8). Sie enthält viele aus Archiven stammende Stücke. Die Sammlung von Autographen entsprach wohl einer zeitgemäßen Sucht nach den „Curiosa“. Grillparzer hat nur widerstrebend und mit Vorbehalten sich zur Abgabe von Autographen aus dem Hofkammerarchiv verstanden und sie auf Stücke literarischen Inhalts, die nicht eigentliches Archivgut waren, beschränkt. Er fand manches Archivstück viel zu wichtig, als daß man es „als Autograph blos nach dem Werthe der Handschrift taxiert sehen möchte“ 9). Aber noch Jahrzehnte darnach ist man im Statthaltereiarchiv Innsbruck darangegangen, eine Autographensammlung anzulegen10), ein gleicher Bestand im Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv wurde später wieder aufgelöst11). Manche Archivalien kamen auch in Museen, die nach einem treffenden Wort von Franz Martin archivalische Flüchtlingslager darstellen 12 * *). Dies war sehr dankenswert, solange der Schutz der Schriftdenkmäler noch in den ersten Anfängen steckte. Jedenfalls kommt den Ländern und den Ge­3) A. Mell, Das steiermärkische Landesarchiv i. d. Festschrift: Das steier­märkische Landesmuseum Joanneum und seine Abteilungen 1811—1911, 443 ff. 4) Zibermayr, a. a. O., 271. 5) Wutte, Das Archiv des Geschichtsvereins für Kärnten, in: Carinthia I, 103 (1913), 52ff. 6) Bittner, Gesamtinventar 1, 21* ff. 7) J. K r a f t, Die Durchforschung der niederösterreichischen Archive durch Hormayr 1812/13. Archiv. Zeitschr. 45 (1939), 133—140. 8) Michael Mayr, Zur Anlage einer Autographensammlung für die Wie­ner Hofbibliothek 1829—1833. Ein Beitrag zur österreichischen Archivgeschichte. Beitr. z. Neueren Gesch. Österreichs 1906, 116—130; R. Beer, Die Autogra­phensammlung der k. k. Hofbibliothek in Wien. Zeitschr. f. Bücherfreunde I, 1897/98, 81—84. 9) Grillparzers Werke, hgg. v. A. Sauer III/6, 82 ff. 10) O. Stolz, Geschichte und Bestände des staatlichen Archives (jetzt Landesregierungs-Archives) zu Innsbruck = Inventare österreichischer staat­licher Archive 6 (1938), 107. u) Gesamtinventar 1, 207. Darüber besteht noch der Archivbehelf 219. 12) Die archivalischen Bestände des städtischen Museums Carolino-Augu­steum in Salzburg. Mitt. d. k. k. Archivrates 2 (1916), 250; über die gegenwär­tige Problematik, gesehen mit den Augen eines Musealbeamten, vgl. E. M. A u e r, Museum und Archiv, Veröffentl. d. Verb, österr. Geschichtsvereine 8 (1955), 75—80.

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