Walter Goldinger: Ergänzungsband 5. Geschichte des Österreichischen Archivwesens (1957)

Die österreichischen Archive im 19. Jahrhundert

Die österreichischen Archive im 19. Jahrhundert 29 11/1865, hat Dudik besondere Aufträge dieser Art bekommen, deren er sich zunächst durch eine Bereisung galizischer Archive entledigte. Dabei waren die Ziele weiter gesteckt. Denn in diesem Erlasse heißt es: Damit die wün­schenswerte Organisation des österreichischen Archivwesens eine umfas­sende und geeignete Grundlage erhalte, hätte Dudik die zum Ressort des Staatsministeriums gehörigen Archive zu bereisen und nach deren Durch­forschung über ihren Zustand und Inhalt zu berichten, damit hieraus nicht bloß im Falle der Veröffentlichung die österreichische Geschichtsforschung und Geschichtsschreibung überhaupt Nutzen ziehe, sondern auch die Staats­verwaltung Anhaltspunkte gewinne, um das in den öffentlichen Archiven vorhandene reiche Material überblicken, die bessere Benutzung in staats­rechtlicher, administrativer und politischer Beziehung einleiten und zu diesem Zweck die geeigneten organisatorischen und legislativen Maßnahmen vorbereiten zu können11). Alle diese Bestrebungen erstreckten sich bloß auf eine Regelung des staatlichen Archivwesens, der Erlaß des Staatsministeriums spricht aus­drücklich von den ihm unterstehenden Archiven und bezieht die autonome Verwaltung der Länder nicht ein, in denen in den zwei Jahrzehnten seit 1848 unter dem bestimmenden Einfluß der Geschiehtsvereine teilweise sehr beachtliche Leistungen vollbracht und schöne Erfolge erzielt worden waren. Das 1862 gegründete Böhmische Landesarchiv war eine angesehene wissenschaftliche Publikationsstelle und hat auf dem Gebiete des Schrift­denkmalschutzes ersprießlich gewirkt12). Im selben Jahr wurde das Archiv der Stadt Wien von der Registratur abgetrennt 13), 1863 das niederöster­reichische Landesarchiv errichtet14), 1868 erfolgte die Vereinigung des 11) Dudik, Über Archive im Königreiche Galizien und Lodomerien. Archiv f. österr. Geschichte 39 (1867), 1—222. Wie aus Briefen Dudiks an Bach her­vorgeht, erwog Minister Lasser zeitweise eine ähnliche Organisation des Archiv­wesens, wie früher Bach. Briefe vom 2. I. 1862, 8. I. 1863 u. 5. XI. 1864 im Nachlaß Bach, a. a. 0. 12) J. Prochno, Das Böhmische Landesarchiv Prag. Seine Geschichte und Bestände (Prag 1943). Zu den Vorstadien der Errichtung vgl. die von Borovicka i. d. Mitt. d. Böhmischen Landesarchivs 4, 133 ff., abgedruckten Akten. Dazu der Bericht des ersten Landesarchivars Gindely ebd., 138 ff. Über diesen K r o f t a ebd., 149 ff.; Prochno, a. a. 0., 14; Alig. deutsche Biogr. 49, 364 ff.; 55, 895. P 1 a s c h k a, Von Palacky bis Pekar. Wiener Archiv f. Gesch. d. Slawentums u. Osteuropas 1 (1955), 35—44. 13) Uhlirz, Quellen z. Gesch. d. Stadt Wien II/l, S. X; Jahrb. d. Kunst­sammlungen d. ah. Kaiserhauses 16, LX ff.; 17, CIX ff.; Deutsche Geschichts­blätter 3 (1902), 91 ff.; R. Geyer, Das Archiv der Stadt Wien. Wiener Ge­schichtsblätter 4 (1949), 53—57. 14) K. L e c h n e r, Das niederösterreichische Landesarchiv. In dem Sammel­werk „Das Bundesland Niederösterreich 1920—1930“, 467. Der Landtagsbeschluß vom 24. Februar 1863 wurde auf Antrag des Abgeordneten von Arneth, damals Vizedirektor des HHStA, gefaßt; ders., Adalbert Mainhard Böhm — ein ver­gessener „Landesarchivar“. Ein Beitrag zur Geschichte des österreichischen Archivwesens in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Mitt. d. Österr. Staatsarchivs 7 (1954), 222—255.

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