Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/2. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1951)

V. Rechts-, Verfassungs- und Wirtschaftsgeschichte - 53. Josef Karl Homma (Eisenstadt): Die Wüstungen des nördlichen Burgenlandes

Die Wüstungen des nördlichen Burgenlandes. 65 Die Gründe der abgekommenen Gemeinde sind heute zum Großteil im Besitz der Gemeinde Mönchhof, kleinere Teile enthält der Edmundshof, der Hotter von Nickelsdorf und Zurndorf. Der Ortsname lebt noch in der Bezeichnung des Ackerriedes „Zatschen“ fort *). Pahlendorf (Pellendorf, Pailendorf, Pechlen, Pethlen, Pelden, Belyd, Furchendorf) * 2): In der Schenkungsurkunde König Andreas II. von Ungarn über Leginthow (Mönchhof) an das Stift Heiligenkreuz im Jahre 1217 scheint als Grenzbesitz Pechlen auf3). 1311 ist der Mitbesitzer dieses Gutes Stefan Rapoth, der seinen Anteil an den Pfarrer von Eisenstadt namens Georg verkauft 4). Im Zeugnisbrief des Raaber Domkapitels 1324 wird der Besitz Beliud (Pechlen) als nördliche und östliche Grenze von Pooth (Podersdorf) angeführt 5). Bei der Besitzübernahme des Gutes Thunafalva (Vogldorf) ist Beliud als westliche Grenze genannt 6). Das Stift kauft den Besitz 1347 von Andreas von Eayka. 1529 wird das Dorf von den Türken verwüstet und deshalb tritt das Stift 1534 das Gemeindegebiet an Remigius Stamp käuflich ab. 1567 wurde es mit anderen Gütern jedoch wieder zurückerworben. Jedoch blieb es wegen Leutemangel unbebaut und wüst 7). Im Urbar der Grafschaft Forchtenstein ex 1589 8) ist „Pailendorf“ als Wüstung und der Gemeindehotter als zur Esterházyschen Herrschaft Frauenkirchen gehörig bezeichnet. Die Grenzen des Hotters sind folgend beschrieben: „Fangt sich an beim kleinen Hübel, so Minihof, Frauenkirchen und Pailendorf scheiden tut, von da neben der Straße, die auf Weiden zugeht bis auf den kleinen Hübel, so neben dem Minihofer, Golser Acker steht, von dannen neben den uralten Weg hinab bis auf den Stein, der die Königin Wiese Gols und Paillendorf scheiden tut, allsdann gegen Podersdorf zu neben der bemelten Königinwiese, bis auf den Eckh Hotter, so derselbe bis an den See gehet, von dem auf den Grundpiechel, welcher Poders­dorf, Paillendorf, Frauenkirchen und den Edlmannischen Grund, so zu der Grafschaft zugehörig, scheiden tut. Allsdann wieder auf den Hollapiechel, von da auf den kleinen Hübel, wo sich der Hotter angefangen hat.“ Der Hotter befand sich also zwischen den Besitzungen Gols—Vogldorf—Podersdorf und reichte bis zum See, wo er in dem schmalen Streifen endete, der noch heute die Podersdorfer Gründe von den Neusiedler Wiesen scheidet. Winkler9) erwähnt die Zugehörigkeit des Gebietes von Pahlendorf zur Grafschaft Forchtenstein nicht, sondern berichtet nur, daß zur Zeit, als Mönchhof kaiserliches Gestüt war (1553 bis 1670), sich das Stift um „Pellendorf“ nicht kümmern konnte und deshalb das­selbe den Podersdorfern zur Nutznießung übergeben worden war. Allerdings dürfte Pahlen­dorf nur vorübergehend der Grafschaft Forchtenstein angehört haben, da in den späteren Urbaren der Grafschaft dieser Besitz nicht mehr verzeichnet ist. Winkler berichtet weiter, daß die Golser Teile des Gemeindegebietes von Pahlendorf an sich gerissen hätten und daß deshalb ein hundertjähriger Streit zwischen Podersdorf, Gols und dem Stift ausgebrochen sei. Auf Grund der Verjährung verblieb aber der Besitz bei Gols, so daß der Golser Hotter erst nach Aneignung der Pahlendorfer Gründe den See erreichte und heute größer ist als der b Vgl. Winkler, Die Zisterzienser am Neusiedler See, S. 164/165. 2) Poss. Petlen (1217: Fejér III. 1. 207), Poss. Pechlend (1311: Fontes rerum Austriacarum, II. Abt., XVI. B., II. T., 32), Poss. Pechlen. . . in comitatu Mosoniensi prope lacum Fertew habita (1347: ebenda, 201), vgl. Csánki, III., S. 684. Poss. Beliud (1324: Fontes rerum Austriacarum II. Abt., XVI. B., II. T., 101), Belyud (1324: ebenda 102), Poss. Belyd (1379: ebenda 324), Poss. Weliud (1378/1379: ebenda 326), Poss. Beled (1429: Sopronvárm. oklvt. II. 140; 1430: ebenda 160), Belyd (1437: ebenda, 261), Beled-deutsch Pelden (ebenda). Vgl. Csánki, III., 679. 1437: Beled theutonico Pelden, bei E. Moor, Die westungarischen Ortsnamen, a. a. O.). 3) Weis, Urkunden, I., 50. 4) Weis, ebenda, II., 31. 5) Weis, ebenda, II., 101. 8) Weis, ebenda, II., 102. 7) Winkler, ebenda, S. 168—186. 8) Fürstlich Esterházysches Herrschaftsarchiv auf Burg Forchtenstein. 9) Winkler, ebenda, S. 168—186. 5 Festschrift, II. Band.

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