Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/2. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1951)
VII. Allgemeine und österreichische Geschichte. - 77. Alexander Novotny (Wien): Lorenz von Steins Berufung nach Wien
Lorenz von Steins Berufung nach Wien. 483 Ich ernenne den gewesenen Professor der Kieler Universität Dr. L. Stein zum ordentlichen Professor der politischen Ökonomie an der Wiener Universität unter den angetragenen Bedingungen. Wien, den 22. März 1855. Franz Joseph Erhalten den 22. Mai 1855. Quellen. Archivalische Quellen: 1. Vortrag des Ministers für Kultus und Unterricht Grafen von Thun über die Besetzung der Lehrkanzel für politische Wissenschaften an der Wiener Universität. 15. März 1855 (siehe Beilage). Dem Akte liegen bei: a) Lebenslauf und Gesuch des Lorenz Jacob Stein undat. — b) Bericht des Professorenkollegiums der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät. 22. Jänner 1855. (Verwaltungsarchiv— Akten des Ministeriums für Kultus und Unterricht, 4 iur. Personalakt Stein.) 2. Votum über die Petition der evangelisch-theologischen Fakultät um Einverleibung in die Wiener Universität von Dr. Lorenz Stein. 8. Februar 1862. (Universitätsarchiv — Akten der katholisch-theologischen Fakultät, Faszikel: Evangelisch-theologische Fakultät.) 3. Notenwechsel der österreichischen Ministerien 1854, 1855, dabei besonders: a) Note der obersten Polizeibehörde an das Ministerium des Äußeren und des kaiserlichen Hauses 23. Oktober 1854. — b) Note des Unterrichtsministeriums an das Ministerium des Äußeren und des kaiserlichen Hauses 19. Februar 1855. (Haus-, Hof- und Staatsarchiv.) 4. Ritterstandsdiplom für Lorenz Jacob Ritter von Stein, 5. November 1868. (Verwaltungsarchiv — Adels Verleihungen — Hofakten.) Gedruckte Quellen: Hübner R., Droysens Briefwechsel, 2 Bde. 1929. Gilbert F., Lorenz von Stein und die Revolution von 1848. Mitteil. d. öst. Inst. f. Gesch.-Forsch., 50. Bd., S. 369 ff. 1936. Schneider A., Briefe österreichischer Gelehrter aus den Jahren 1849 bis 1862. Arch. f. öst. Gesch., 113. Bd., 1936. Literatur. Ältere Verzeichnisse der Literatur über Stein bei: Grünfeld E., Lorenz von Stein und die Gesellschaftslehre. 1910. Meitzel, L. v. Stein, in: Handwörterbuch der Staatswissenschaften, 4. Aufl., 7. Bd., S. 972 ff., 1926. Schwer W., L. v. Stein, in: Staatslexikon im Aufträge der Görresgesellschaft, 5. Auf!., 5. Bd., Sp. 97 ff., 1932 !). Literatur über Stein: Schmoller G., Zur Literaturgeschichte der Staats- und Sozialwissenschaften. 1888. Inama, Lorenz von Stein, in: Alig. Deutsche Biogr., XXXV. Bd., S. 661 ff., 1893. Salomon G., Vorwort zur Neuausgabe der Geschichte der sozialen Bewegung in Frankreich. 1921. x) Über Stein und sein Werk gibt es kein befriedigendes Gesamturteil, obwohl viel über ihn geschrieben wurde. Wir versuchen, die Meinungen zu gruppieren: 1. Juristische und nationalökonomische Nachrufe (Marchet, Menger, Inama, auch Schmoller, wenn auch schon 1888). 2. Urteile über Stein in einem größeren Zusammenhänge als Soziologen oder als Geschichtsphilosophen (Grünfeld, Ludwig Stein, Vogel, Nitzschke). Auffallenderweise nicht erwähnt wird er bei Barth und Fueter. Von historiographischen Werken behandelt ihn nur M. Ritter (S. 349—361). A. Weber erwähnt ihn bloß, um zu begründen, warum er ihn nicht ausführlich darstellt (S. 293/4). 3. Spezialabhandlungen und Dissertationen, die eine besondere Richtung von Steins Einfluß untersuchen (Burmeister, Günzel). 4. Eine letzte Gruppe von Untersuchungen entstand aus zeitgeschichtlichem Interesse nach 1918 (Salomon, Gilbert, C. Schmitt). Eine ganz neue ungedruckte Dissertation meines Grazers Schülers H. O. Göllner untersucht ,,Die soziale Klassentheorie bei L. v. Stein“. Manche Autoren vergleichen Stein mit späteren deutschen Soziologen (Ludwig Stein), andere beurteilen seine Stellung im Verhältnis zu seinen Zeitgenossen (Vogel), wieder andere stellen ein inneres Gesetz der Entwicklung fest (so z. B. mit Erfolg Nitzschke) — wir hingegen wollen versuchen, Leben und Werk Steins soweit wie möglich aus dem Ablaufe der geschichtlichen Ereignisse zu erklären.