Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/2. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1951)

VII. Allgemeine und österreichische Geschichte. - 73. Theophila Wassilko (Wien): Rudolph Graf Wrbna als landesfürstlicher Hofkommissär für Niederösterreich während der Besetzung Wiens im Jahre 1805

426 W assilko, war durch diese Angelegenheit aber selbst in eine nicht geringe Zwangslage geraten. Mit Recht fürchtete er, daß Daru nun bei seiner Regierung ein Gegengeschenk für ihn beantragen werde x). Eine Ablehnung würde Daru sehr unangenehm aufnehmen, wie er sich schon durch die Zurückweisung der 2000 fl. durch den Hofkonzipisten von Collin schwer beleidigt fühlte. Barbier erwartet als Gegenmaßnahme nun die Rückgabe der 2000 fl. von seiten der beiden Sekretäre Darus, die ihnen durch Barbier überreicht worden waren. Hofrat Barbier will nun dieses ihm zugedachte Geschenk, wie er Wrbna schreibt, im Interesse der österreichischen Regierung annehmen, einige Zeit behalten und es später im geheimen und mit Wissen Wrbnas verkaufen, den Erlös hiefür aber unter fingiertem Namen dem Armeninstitut spenden * 2). Am 24. Jänner 1806 reiste Daru von Linz nach Paris ab, nicht ohne sich vorher brief­lich von Wrbna mit den schmeichelhaftesten Ausdrücken über seinen Charakter und seine Talente verabschiedet zu haben 2). Wrbna mußte aber noch andere Mittel anwenden, um die beschlagnahmten Vorräte ,,mit dem geringsten Risiko“ zurückzukaufen. Hiebei bediente er sich — wieder im Ein­vernehmen mit Bartenstein — eines ,,mit den besten Zeugnissen versehenen Handels­mannes“. Es war dies Eikam Reutlinger. Wir kennen ihn bereits. Er hatte ja über Auf­trag der Stände die von Seiten Darus geforderten Naturalrequisitionen aufzubringen und für die Beschaffung der Fourage und Ausrüstung der feindlichen Armee zu sorgen. Nach Friedensschluß war ihm auch die Verproviantierung der Etappenstationen übertragen worden, ein „äußerst schwieriges Geschäft“, von dessen Gelingen der reibungslose Abmarsch der französischen Truppen ab hing. Leider haben die französischen Soldaten anstatt Reutlinger zu unterstützen, ihm nur Schwierigkeiten bereitet, indem sie ihm die Pferde ausspannten, die Fouragewagen plünderten usw. Reutlinger beklagt sich bei Wrbna, „daß eine Truppe, die fortwährend so handelt, wie die französische zu handeln noch nie aufgehört hat, zu ver­pflegen absolut unmöglich sei“ 3). Diesem Eikam Reutlinger kam nun bei den von Wrbna eingeleiteten geheimen Ankäufen (im Gegensatz zu den offiziellen Rückkäufen) eine gewichtige Funktion zu. Er hatte entweder die in Betracht kommenden Vorräte „unter seinem Namen für den Staat einzukaufen“ oder er wurde den Franzosen gegenüber als Eigentümer der beschlagnahmten Güter vorgeschoben 4). Wenn diese Ankäufe „vorteilhaft ausfallen sollten“, so konnte dies nur durch Bestechung erreicht werden, erklärt Wrbna „u. zw. entweder durch diese allein oder durch Bestechungen und Zahlungen. . . . Die erste Ankaufsmethode war“, wir folgen hier den Ausführungen Wrbnas, in denen er diese Methode entwickelt, „die billigere, aber sie hatte den Nachteil, daß der gekaufte Gegenstand möglicherweise ganz oder teilweise vom Feind wieder zurückgenommen wurde“. (So ist es Wrbna, wie er schreibt, beim Holzrück­kauf ergangen.) Reutlinger bot eine gewisse Gewähr für das Gelingen dieser Art von Rück­käufen, da er „bereits eine große Zahl von französischen Beamten bestochen und dadurch in seine Abhängigkeit , gebracht hatte“. Eines der „Hauptgeschäfte“ der französischen Kommissäre und Beamten war es nämlich, Aerarialgüter ausfindig zu machen, sie zu beschlagnahmen „oder sich ihr Stillschweigen darüber teuer bezahlen zu lassen“. Sobald nun Wrbna hörte, daß irgendwo solch staatliches Eigentum verwahrt werde, beauftragte er Reutlinger, dieses aufzukaufen. Die Bestechungsbeträge zahlte Reutlinger aus. Nur in denjenigen Fällen, wo diese Leute schon „vertrauter waren“, verhandelte Wrbna selbst. Ob die für diese Käufe ausgegebenen Gelder den französischen Kassen zugute kamen oder in den Taschen der französischen Kommissäre oder auch des Reutlinger verschwanden, das kümmerte Wrbna nicht. Ihm lag nur daran, möglichst billig in den Besitz des beschlag­x) KFA, Fasz. 76 a, Bericht Barbiers vom 28. Februar 1806, erläutert bei Note Wrbnas vom 5. März 1806. 2) LHK, Nr. 894 fr. 3) LHK, Nr. 871 fr., Reutlinger an Wrbna. 4) KFA, Fasz. 76 a, Note Wrbnas vom 6. Dezember 1805.

Next

/
Oldalképek
Tartalom