Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/2. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1951)

VII. Allgemeine und österreichische Geschichte. - 73. Theophila Wassilko (Wien): Rudolph Graf Wrbna als landesfürstlicher Hofkommissär für Niederösterreich während der Besetzung Wiens im Jahre 1805

422 Wassilko, „verzögert werde“. Damit den französischen Bevollmächtigten das Eintreffen der Transporte zeitgerecht angezeigt werde, hatte der Kaiser den Rittmeister Postpischel beauftragt, „den Transporten von Preßburg aus entgegenzugehen und sobald er selbe angetroffen . . . dem Grafen Wrbna davon auf der Stelle die Anzeige zu machen“ *). Am 11. Jänner 1806 kamen endlich die bereits von Preßburg her avisierten zwei Transporte aus Kremnitz * 2) mit 1,200.000 fl. in Purkersdorf an, von wo sie mit 22 vier­spännigen Wagen nach St. Pölten weiter instradiert wurden. Dort war schon alles zur Empfangnahme und Übergabe der Gelder an die französischen Kommissäre vorbereitet worden 3). Nur dem Umstande, daß Hofrat von Barbier bei Daru die Übergabe der ersten Rate der Kontributionsablösung in St. Pölten durchgesetzt hatte, war es zu danken, daß der Abmarsch der französischen Truppen nicht mehr verzögert wurde. Am 12. Jänner 1806 räumten die Franzosen Wien. Nachdem die Schlüssel der Stadt dem Bürgermeister in einem feierlichen Zeremoniell übergeben worden waren 4), reiste der Stadtkommandant General Morand ab. Auch General Andreossy und Marschall Soult verließen am selben Tage mit ihren Truppen die Stadt 5). Mit dem Abzug der französischen Truppen waren die Aufgaben Wrbnas noch nicht erschöpft. Zunächst hatte er die letzten Vorbereitungen für den Empfang des Kaisers durch Stände und Bürgerschaft zu treffen, die kaiserlichen Gemächer 6) sowie die Aerarialgebäude instandsetzen zu lassen und außerdem bis zum Eintreffen der Hofstellen deren Funktionen beizubehalten. Die Weisungen zur Durchführung der kaiserlichen Aufträge wegen Erhebung der Kriegsschäden durch landeskundige Beamte 7), wegen Errichtung einer Heilanstalt für infolge der Invasion geschlechtskrank gewordene Frauen 8) und eines freiwilligen Arbeits­hauses, wegen Verteilung der zur Unterstützung der Armen vom Kaiser gespendeten Geld­summe 9) ergingen deshalb noch von Wrbna. Am 16. Jänner 1806 erfolgte der feierliche Einzug des Kaiserpaares in Wien. Die Schilderung der Empfangsfeierlichkeiten ist in der „Wiener Zeitung“ vom 18. Jänner 1806 zu lesen. Am selben Tage brachte die genannte Zeitung auch die Anzeige, daß Wrbna für seine Verdienste vom Kaiser durch Verleihung des Großkreuzes des ungarischen St. Stephan-Ordens ausgezeichnet und zum Obersten Kämmerer ernannt worden war. Das noch in Holitsch erlassene Handschreiben hat folgenden Wortlaut: „Lieber Graf Wrbna! Noch ehe Ich es mündlich thun kann, danke Ich Ihnen hier schriftlich für das, was Sie zu einer Zeit, die noch keine ähnliche hatte, für Ihren Landesfürsten, so wie für das Wohl Ihrer Mitbürger mit rastloser Anstrengung, beispielloser Rechtschaffenheit, und der edelsten Selbstverleugnung *) HKA, Geh. Finanzen, Fasz. J/l rot, 1064, Nr. 7, Jänner 1806. 2) Der Schmölnitzer Geldtransport folgte erst einige Tage später. Wegen der schlechten Straßen durch das Zipser, Gömörer, Neograder, Honter und Barczer Komitat konnten die schwerbeladenen Wagen — jeder Wagen war mit 30 bis 32 q beladen und mit sieben Pferden bespannt — nur mühsam weiterkommen. Da die Pferde wegen der schlechten Straßen Verhältnisse sehr gelitten hatten, wurde veranlaßt, sie von Neutra bis Preßburg leer an der Hand und jeden der Geldwägen durch sechs Vorspannpferde zur Stadt führen zu lassen. Mit den ausgeruhten Pferden sollte dann die letzte Etappe Preßburg— Wien genommen werden. LHK, Nr. 877. 3) LHK, Nr. 732, 811. 4) Schimmer, Französische Invasionen, S. 47. 5) „Wiener Zeitung“ vom 15. Jänner 1806. KFA, Fasz. 76 a. Note vom 12. Jänner 1806. Ein reitender Kurier mit vorausbestellten Pferden hatte, wie Wrbna dem Kaiser berichtet, diese Nachricht zu Hofe zu bringen. ®) Die Appartements der Kaiserin hatte Talleyrand mit seinem Gefolge bewohnt und das Schlaf­zimmer der Kaiserin ebenfalls als Schlafzimmer benützt; es wurde nun neu tapeziert und möbliert. KFA, Fasz. 76 a, Note des Grafen Wrbna vom 5. Jänner 1806. — Clarke und Daru hatten ebenfalls in der Burg gewohnt, Napoleon und Kriegsminister Berthier in Schönbrunn, Murat im Palais des Herzogs Albert von Teschen, Hulin im Lobkowitz-Palais. 7) LHK, Nr. 910. 8) LHK Nr. 856; KFA, Fasz. 76 a, Kabinettsbefehl vom 17. Jänner 1806. 9) LHK, Nr. 942.

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