Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/2. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1951)

VII. Allgemeine und österreichische Geschichte. - 69. Otto Forst-Battaglia (Wien): Michal Wiániowiecki. Ein Kapitel aus einer politischen Geschichte Polens

Michal Wiéniowiecki. 347 Majestät dem gegenwärtig regierenden König geschworen haben . .. und daß wir nur gelobt haben, die Freiheiten, Rechte und Instituta der Republik zu schirmen, in der Gewißheit .. . der König werde alles das seinerseits halten, was er uns in frühem Eiden geschworen hat“. Damit war der Weg zur „Constitutio pacificationis internae“ frei; der Rechtszustand aus der Zeit vor Golq-b wurde wieder hergestellt, man widerrief die beiderseitigen Schmäh­schriften. Sobieski ging zum Monarchen, indes „die gantze Ceremonie und Aussprechung seiner devotion bestundt in Einem blossen Handkuss“. Wisniowiecki wurde durch diese „Kaltsinnigkeit“ um das Vergnügen betrogen, seinen Gegnern eine „preparirte, memoriter gelehrnte und etliche mahle recitirte harte Antworth“ vorzutragen. Dafür hatte er die Genugtuung, daß Prazmowski vom Schauplatz endgültig verschwand. Der Erzbischof starb am 15. April 1673, nach rührendem Abschied von Michal. Der wandelbare Monarch vergaß bald seines Edelsinns: „der Teufel hat den Erzbischof, meinen ärgsten Widersacher, geholt; nach den andern frage ich nicht viel, mit denen werde ich schon fertig“. Das war nicht schön gesagt und unschön gedacht, doch wahr. Prazmowski mußte sterben, daß Polen leben könne. Und es lebte Sobieski, auf daß es nicht zugrunde gehe. Ende Juni hatte er seinen Feldzugsplan fertig. Er beglich mit ihm übergebenen Kronjuwelen die Soldrückstände des Heeres, überwachte Aushebungen und Rüstungen und übernahm Mitte September den Befehl über die vorzüglich ausgebildete Armee von 32.000 Mann, die er einen Monat danach dem schon sterbenskranken Wisniowiecki vorführte. Damals haben die Türken an der Grenze in befestigten Stellungen die Polen erwartet. Seit Olszowski die Forderung nach dem fälligen Tribut abgelehnt hatte, waren die Osmanen zum Krieg bereit. Ende Oktober sandten sie eine neue Mahnung an Wisniowiecki. Sie traf den König nicht mehr unter den Lebenden. Der bedauernswerte Monarch litt seit dem Frühjahr an einer offenbar ererbten Magen­krankheit, deren Anzeichen sich schon vor Jahren in der vielverhöhnten Vorliebe des heißhungrigen Königs für scharfe Gewürze äußerten. Er fieberte, als er zur Armee reiste, er war dem Tod verfallen, als er bei ihr anlangte. Michal I. starb zu Lemberg am Morgen des 10. November 1673, tapfer und aufrecht, nachdem er sein Testament bei vollem Bewußt­sein diktiert hatte. Eleonore, die er herbeisehnte, kam zu spät. Sie kehrte unweit der Stadt, auf die Todesnachricht hin, wieder um. An demselben Tag ordnete Sobieski sein Heer vor Hotin, der moldauischen Feste am Dnjestr. Er hatte durch das freiwillige Anerbieten, sich dem litauischen Kollegen zu unterordnen, wenn dieser dafür sachlich dem Plan des Kronhetmans beipflichtete, den mißgünstigen Pac für einen entscheidenden Augenblick begütigt. So wandte sich die vereinte polnisch-litauische Armee nicht gegen die Ukraina, sondern wider Husein Pascha in Hotin. 35.000 Mann unter Sobieski und Pac stehen 25.000 Türken gegenüber. 10.000 Muselmanen unter Halil Pascha sitzen im wenig entfernten Kamieniec, rund 100 km weit hat Kaplan Pascha 20.000 Mann bei futóra beisammen. Wieder bewährt sich Sobieskis Taktik, die Gegner einzeln zu schlagen und dabei jedesmal an Zahl und an Kraft überlegen zu sein. Er konnte auch in die Berechnung mit einbeziehen, daß über 5000 christliche Moldauer und Walachen unmittelbar vor der Schlacht zu ihm überlaufen werden. Der polnische Feldherr war seit vielen Monaten mit den Hospodaren im geheimen Ein­verständnis. So greift Sobieski am Martinstag, den 11. November 1673, zuversichtlich an. Erst zu Fuß, an der Spitze seiner Dragoner, dann zu Pferd. Die einzige Brücke über den Dnjestr, die zugleich die einzige Rückzuglinie der Türken gegen Kamieniec ist, wird unter Feuer gehalten. Die Osmanen müssen mit dem Mut der Verzweiflung kämpfen. Eine Weile schwankt das Schlachtenglück, als polnische Infanterie sich ans unzeitige Plündern macht. Dann stellt die Kavallerie die Lage wieder her. Tausende von Muselmanen werden gegen

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