Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

I. Archiv-Wissenschaften - 5. Karl Lechner (Wien): Das Archiv der ehemaligen Propstei Gloggnitz, seine Geschichte und seine Bestände, nebst Regesten

90 Lechner, die zwei schon genannten Pantaidingsbücher. Unter den gedruckten Büchern seien erwähnt der Codex Austriacus, der Thesaurus juris feudális civilis et criminalis 1645, des Ritters Weingarten Fasciculi diversi jurium 1649, Grenecks Österr. Gerichtsbarkeit 1752, alte Erb­rechtsordnung 1720 und die Gesetzessammlungen von Maria Theresia bis Franz I. Der mangelnden unmittelbar praktischen Notwendigkeit und ihrem hohen Wert ent­sprechend, sind die drei ältesten Handschriften, das Registrum und die beiden Copialbiicher nicht in dem Index verzeichnet. Sie wurden wohl eigens in der Propstei aufbewahrt. Nur mehr die fünf, eben ausführlich besprochenen Handschriften waren im Besitz des Herrn Arthur Richter auf Schloß Pottschach. Aber im Schloß Gloggnitz hatten sich noch einige der eben genannten „Kanzleiprotokolle“ erhalten, die, wie bereits gesagt, im Jahre 1933 von der Stadtgemeinde Gloggnitz dem niederösterreichischen Landesarchiv übergeben wurden. Es sind ein Grundbuch von 1702 (in Abschrift von 1828), ein „Inventurs-, Kauf­und Übergabsprotokoll samt einem Waisenbuch“ der Herrschaft Gloggnitz, geführt von 1639 bis 1679, stark beschädigt und unvollständig; ferner sieben Bände Protokolle über die bei der Herrschaft eingelangten Kreisamtsverordnungen des Viertels unter dem Wienerwald (1754—1811), zwei Bände Geschäftsprotokolle der Herrschaft von 1782 bis 1785 (fragmen­tarisch) und 1820; endlich eine Dominikalfassion der Herrschaft Gloggnitz von 1751 (Ab­schrift) 1). Von den erwähnten „Kanzleiprotokollen“ hat sich jedoch an anderer Stelle ein Gutteil erhalten und dazu noch solche seit dem Ende des 18. Jahrhunderts. Es sind jene Herrschafts­bücher und Akten, die nach der Aufhebung der Grundherrschaften und der Patrimonial­gerichtsbarkeit an das zuständige Bezirksgericht (Gloggnitz), bzw. Kreisgericht (Wr. Neustadt) abgegeben und von dort zum Teil bereits vom Archiv für Niederösterreich eingezogen wurden. Beim Bezirksgericht Gloggnitz erliegen noch heute: sieben Grund-, bzw. Gewähr- und Satz­bücher von 1702 bis 1850. Im Kreisgericht Wr. Neustadt und heute bereits in Wien (Archiv für Niederösterreich) erliegen: 30 Bände Grund-, Dienst- und Gewährbücher ab 1507, Heirats­protokolle ab 1696, Hauskaufprotokolle ab 1701, Inventur- und Abhandlungsprotokolle ab 1609, ein Waisenbuch ab 1702 und endlich ein „Repertorium über die von der Herrschaft Gloggnitz dem Archiv zu Wr. Neustadt übergebenen Amtsstücke“, angelegt 1857. Diese Akten, in 29 Gruppen, sind auch heute vorhanden. Am weitesten zurück reichen die Ehe­verträge (ab 1689) und Kaufverträge (ab 1697). Ein Grund- und Gewährbuch (1697—1848) erlag beim Bezirksgericht Neunkirchen und ist heute gleichfalls im Archiv für Niederöster­reich. Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die Verluste gegenüber den im Jahre 1790 (alter Archivindex) vorhandenen Herrschaftsbüchern zweifellos erst der zweiten Hälfte des 19. und dem 20. Jahrhundert zur Last gehen. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß einzelne Archivalien noch in Gloggnitz oder Umgebung selbst auftauchen. Neben den bisher genannten, im Archiv des Landes Niederösterreich verwahrten Archivalien befinden sich in Pottschach noch eine Reihe verschiedener unbedeutender Schrift­stücke aus dem 18. und 19. Jahrhundert, darunter auch ein „Amtsprotokoll und Gedenk­buch der Herrschaft Gloggnitz 1702—1757“. Außerdem aberfinden sich noch einige Urkunden verschiedenster auf Gloggnitz nicht bezüglicher Provenienz, die sich nicht auf Niederösterreich, ja meist nicht einmal auf das heutige Österreich beziehen 2) und zwei Faszikel Autographen. J) Unter den von der Gemeinde Gloggnitz übergebenen Archivalien war auch ein Bestand von jüngeren Urkunden und Akten (2 Fasz.): 12 Stück Verzichtsquittungen und Schuldscheine (ab 1701), 5 Stück Testamente (ab 1718), 1 Grenzvergleich mit der Herrschaft Stuppach aus der Wende des 17. und 18. Jahrhunderts, 1 Erbschaftsakt von 1757; Zehentregister, Spitalrechnungen, Steuer- und Robottsachen, alles aus der zweiten Hälfte des 18. und aus dem 19. Jahrhundert. Ein „Summarischer Befundextrakt über Gloggnitz und Herzogenburg“ von 1754 sei noch besonders angeführt. 2) Das schönste Stück ist ein Mautprivileg Graf Florentius von Holland für das Spital in Jerusalem vom Jahre 1224, August, versehen mit einem prächtigen Reitersiegel. (Die Urkunde findet sich, wie zu erwarten, weder bei L. Ph. C. van den Bergh, Oorkendenboek van Holland en Zeeland I, 1866, Amsterdam, noch bei Delaville le Roulx, Cartulaire generál de l’ordre des hosp. de St. Jean d. Jerusalem, I, 1894, Paris.)

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