Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

I. Archiv-Wissenschaften - 5. Karl Lechner (Wien): Das Archiv der ehemaligen Propstei Gloggnitz, seine Geschichte und seine Bestände, nebst Regesten

84 Lechner, düngen des Klosterbesitzes im Jahre 1343 angelegt worden („dns E. abbas ................ao 1343 h oc presens registrum docens sensitivam et memorativam experienciam possessionum sepe- dicte ecclesie Formbacensi studiis et sollicitudinibus plurimis conportavit“). Es sind darin alle Besitzungen des Klosters ,,in Bavaria, in Austria et in Styria“ verzeichnet, dazu alle Zehente in Bayern und in Österreich. Endlich aber, heißt es in der Vorrede weiter, sind im Register auch enthalten: „rescripta quorundam privilegiorum in sacrario sigillatorum exi- stencium super libertatibus transeundi omnia necessaria eiusdem ecclesie per totum dominium principum Austrie“. Es scheint also ein besonderer Wert auf diese österreichischen Frei­heiten gelegt zu sein! Ferner sind darin enthalten Abschriften von urkundlichen Handlungen des Klosters mit anderen Personen und solche, von denen es nötig ist, sie im Gedächtnis zu behalten („est utile, ut in notitia teneantur“). Tatsächlich folgen ab p. 286 einige Urkunden­abschriften von anderer, aber nicht viel späterer Hand, allen voran die Bestätigung der alten Mautfreiheiten des Klosters in Österreich durch Herzog Friedrich vom Jahre 1311 und die Urkunde Herzog Rudolfs von Österreich für die St.-Pankraz-Kapelle in Neuburg am Inn und betreffend die mautfreie Salzeinfuhr (1305) x). Dann folgen noch jüngere Urkunden­abschriften, die letzte vom Jahre 1533. Der Hauptteil der Handschrift (p. 6 ff.) 2) ist der genauen Verzeichnung des Besitz­standes des Klosters Formbach gewidmet. Von einer ausführlichen Würdigung dieses drin­gend einer Behandlung werten Urbars kann hier keine Rede sein. An größeren Gruppen seien genannt: die Besitzungen „de alia parte Eni“, also im heutigen Oberösterreich; dabei spielen eine besondere Rolle jene „in districtu Schavnberg“ und „in judicio Scherding“. Dann folgt die Gütergruppe in „ista parte Eni“, also in Bayern, u. zw. diesseits und jenseits der Donau. P. 205—224 stehen die „Redditus mon. Formb. in terminis Styrie et Austrie“, allen voran Gloggnitz und seine Umgebung, die sich über den Semmering und bis nach „Podigor“ (Pogier, Ortsgemeinde Parschlug bei Kapfenberg) hinzieht; p. 225—227 die Güter: „in terminis Austrie prope Hertzogenburg“; p. 227 ff. die Einkünfte „in officio Rorbach“ (Ober- und Unterrohrbach bei Korneuburg), „in Pavngarten aput Wienna“ und endlich „in civitate Wienna“ (,, .............de quadam domo in vico prope Sanctum Michahelum situata e x opposito domus Siedendorfarii“, d. i. in der Bräunerstraße 3). P. 230 ff. folgen die Dienste „in terminis Styrie et Ungarie“ (Grafendorf „prope Hartberg“), „in terminis Styrie“ (Mönich- wald und Wetzelberg). Nach den „servicia“ sind 234 ff. die „decima“ verzeichnet, vor allem „in terminis Austrie“ (u. zw. „apud Sanctum Vitum trans Danubii prope Pusenberg) 4). Endlich folgen p. 247 ff. die Zehente „in terminis Styrie et Austrie prope Gloknicz“, darunter besonders die Weinzehente „circa Potschaco“ (Pottschach) und das „jus montanum in pa­rochia Gloknicz“. P. 300 ist mit einer Hand aus der Mitte des 15. Jahrhunderts eine Reihe von Namen eingetragen, die zweifellos Wohltäter des Klosters darstellen, an der Spitze Papst Innozenz II. und Kaiser Lothar III., worauf die Formbacher Sippe folgt. Anschließend q Lichnowsky, Geschichte des Hauses Habsburg, II, Reg. Nr. 113; Mon. Boica IV, S. 161 (Lichnowsky II, Nr. 467). 2) Auf p. 1 sind die „aratra“ für die einzelnen bayrischen Besitzungen verzeichnet. 3) Von einem Haus des Klosters Formbach in Wien ist in der Literatur und den gedruckten Quellen nichts bekannt; auch über die Siemdorfer haben wir nur eine Nachricht vom Jahre 1379, wonach Leupolt von Sierndorf ein Haus in der „Ratstrass“ besaß (Q. G. W. II/l, Nr. 963). Nun ist die „Ratstrasse“ die heutige Bräunerstraße. Für diese stimmt nicht nur die topographische Lage „nahe St. Michael“, sondern auch, daß es schon 1299 von einem Haus heißt, es sei „in vico Ratstrazze dicto“ gelegen (Font. rer. Austr. 18, S. 97), also der nicht allzu gebräuchliche Ausdruck „vicus“ ebenso dafür erscheint wie im Urbar von 1343. Der Vorbesitzer jenes Hauses war Heinrich von Spiegelueld und ein Gleichnamiger (Sohn?) ist Zeuge in unserer Urkunde Nr. 14 (s. o. S. 59). 4) Gemeint ist der Ort Klein-Engersdorf („Engelbrechtsdorf“) — nahe des Bisamberges — mit der allein stehenden Kirche St. Veit, die nach dem Bericht des Abtes Wimto (f 1127) schon Graf Ekbert I. (f 1109) an Formbach geschenkt hatte (OÖUB. I, S. 788), was Bischof Theobald von Passau 1189 bestätigte (Mon. BoicaIV, S. 143); vgl. Zitterhofer, Kl.-Engersdorf, Blätter für Landeskunde von Niederösterreich 1884—1886.

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