Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

IV. Quellen und Quellenkunde - 38. Leo Santi faller (Wien): Die Preces primariae Maximilians I. Auf Grund der Maximilianischen Registerbücher des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs

584 Santifaller, nominationum Maximiliani I und auf der Innenseite des Einbandes, wohl von etwas späterer Hand, Max. /., beides in Humanistenschrift. Im Kodex selbst fehlt eine Titel­überschrift. Die Textanordnung ist in der Hauptsache alphabetisch1) nach Diözesen; innerhalb derselben jedoch ist die Reihenfolge mehr systematisch nach dem Range der kirchlichen und weltlichen Kollatoren der betreffenden Diözese, also Bischof, Domkapitel, Kollagiat- kapitel, Propsteien, Abteien und Pfarren und sodann Fürsten, Grafen, Edle und Städte. Zu jedem Kollator wurde dann der entsprechende Prezist eingetragen. Die Form ist etwa folgende: Ad decanum et capitulum, pro Joanne comite de Reitperg (fol. 106); dazu tritt häufig die Angabe der Pfründe, z. B. Ad ecclesiam kathedralem und der Name des Inter­venienten, z. B. per Collauer (f. 2), per Gurcensem (fol. 48v), per ducem Albertum Bauarie (fol. 57v) oder auch für den Fall, daß Prezist und Intervenient identisch sind, per se. Nicht selten ist wohl der Kollator angegeben, aber die Eintragung der ersten Bitte, bzw. des Prezisten fehlt. Sowohl die Eintragung der Kollatoren wie auch die der Prezisten ist in der Hauptsache sehr wahrscheinlich von einer und derselben Hand in sehr sorgfältiger Humanistenschrift geschrieben. Eine etwas spätere Hand hat in humanistischer Kursive das Verzeichnis der Kollatoren nachträglich etwas erweitert, ohne jedoch Prezisten- eintragungen vorzunehmen. Eine exakte Bestimmung der Entstehungszeit unseres Papier-Kodex ist bis jetzt nicht möglich. Eine Datierung des Kodex selbst oder andere unmittelbare und ausdrückliche chronologische Angaben, etwa zu den einzelnen Eintragungen, wie sie sich im Pergament- Kodex EE sowohl in der Überschrift wie auch zu den meisten Preces-Eintragungen finden, sind in unserem Kodex nicht vorhanden. Die Schrift ist wohl zeitgemäß und entspricht den Gebräuchen der Reichskanzlei Maximilians I., konnte aber bis jetzt nicht auf einen ganz bestimmten Zeitpunkt, bzw. auf einen bestimmten Schreiber fixiert werden. Eine Reihe von bekannten Namen aus der Zeit und aus dem Kreise Maximilians I. 2) läßt zwar erkennen, daß das Register der späteren Zeit des Kaisers angehört, aber eine genauere Datierung hat sich bis jetzt auch daraus nicht ergeben. Eindeutige Anhaltspunkte könnten auf Grund der Preces-Mandate aus den Empfängerarchiven erschlossen werden, doch ließ sich bis jetzt aus dem mir zugänglichen Material von Bamberg, Breslau, Brixen, Innichen und Wien nichts erschließen. Jedenfalls aber haben wir es hier mit einem Sonderregister Maximilians I. zu tun, das wohl in der Hauptsache Erste Bitten enthält. Nachdem aber für die Preces primariae der Königswahl und -krönung das Sonderregister EE vorhanden und dieses mit unserem Papier-Register nicht identisch ist und außerdem inhaltliche Merkmale auf die spätere Zeit Maximilians deuten, so kann es sich hier nur um das Preces-Sonderregister im Anschlüsse an die am 8. Februar 1508 erfolgte Annahme des Kaisertitels handeln. Dies war bereits die Meinung Senkenbergs, der sich auch Feine anschließen zu dürfen glaubte. J) Das Alphabet ist nicht streng in unserem Sinne; so findet sich z. B. beim A folgende Anordnung: Augustensis, Argentinensis, Aistetensis. 2) Unter anderen seien angeführt: Nr. 17*. Domina de Firmian: geb. de Caballis, in zweiter Ehe ver­mählt mit Nicolaus von Firmian, dem Hofmeister der Bianca Maria, der zweiten Gemahlin Maximilians (1494).— Nr. 59*, 139* usw., Sixtus Oelhafen: Kanzleinotar Maximilians (MIÖG. 26, S. 260). — Nr. 78*, 182*, 190* usw. Serenteiner: Zyprian von Samtein-Nordheim, seit 1487 im Hofdienst, zuerst Sekretär, dann Protonotar, später Hofkanzler (Ulmann, Maximilian I., 2, S. 758). — Nr. 176*. Johannes Stabius cleric, historicus: seit 1497 an der Universität Wien, Domdekan von St. Stephan, gest. 1522 (Allgemeine Deutsche Biographie 35, 1893, S. 337). — Nr. 260*. Georgius Slaconia mag. capelle regie maiestatis: Leiter der Hof-Musikkapelle (Ulmann 2, S. 758). — Nr. 283*. Jacobus Vimpfelingus presb. Argentinens., theologus et poeta: 1450—1528 (Joseph Knepper, Jakob Wimpfeling [Erläuterungen und Ergänzungen zu Janssens Geschichte des deutschen Volkes, 3, 2—4] 1902). — Nr. 468* Josephus Gruenpeck historicus regis: gest. 1532 (Arch. f. österreichische Geschichte 73, S. 317—364). — Nr. 508*. Jacobus Spiegel scriba latinus: Neffe von Wimpfeling, Sekretär des Kaisers (Knepper a. a. O.; Allgemeine Deutsche Biographie 35, S. 156 ff.). Für freundliche Hinweise bin ich Dr. Anna Gräfin Coreth und Dr. Carl Äusserer zu Dank verpflichtet.

Next

/
Oldalképek
Tartalom