Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

I. Archiv-Wissenschaften - 4. Anton Largiadér (Zürich): Schweizerisches Archivwesen. Ein Überblick

46 Largiadér, reiche Bestand des Badener Archivs ist besonders für die eidgenössische Geschichte des 16., 17. und 18. Jahrhunderts ergiebig. Nachdem der Aargau im 19. Jahrhundert die auf seinem Territorium befindlichen Klöster und Chorherrenstifte säkularisiert hatte, kam das Staats­archiv in den Besitz dieser geistlichen Archive, von denen die Klöster Muri, Wettingen, Königsfelden und die Kollegiatstifte St. Martin zu Rheinfelden und St. Verena zu Zurzach Bestände von großer wissenschaftlicher Bedeutung ablieferten. Das Staatsarchiv des Kantons Thurgau ist aus der Verwaltung dieses Kantons als Untertanenland zuerst von VII, seit 1712 von VIII eidgenössischen Orten erwachsen *). Unter dem Ancien Régime verwaltete der Landschreiber das Archiv. Als weiterer wichtiger Teil erwuchs in Frauenfeld im 18. Jahrhundert ein eidgenössisches Archiv. Als die katho­lischen Orte 1712 von der Mitregierung der Landvogtei Baden ausgeschlossen wurden, weigerten sie sich, den Boden der Bäderstadt an der Limmat zu eidgenössischen Konferenzen wieder zu betreten. Am hartnäckigsten lehnten die Urkantone Baden ab, ,,weil es schimpflich sei, an einem Orte, wo man keine Oberherrlichkeit besitze, über Untertanen zu richten, und weil man durch eine Zusammenkunft in Baden die Hoffnung auf die Restitution des von den Reformierten entrissenen Gebietes aufgeben würde“. So bürgerte sich allmählich Frauenfeld als der Ort gemeineidgenössischer Tagsatzungen ein, und darum entstand dort ein zweites eidgenössisches Archiv. Trotzdem wurden noch häufige Tagungen in Baden abge­halten, da den westschweizerischen Kantonen und auch dem französischen Ambassador der thurgauische Hauptort wegen seiner Lage unbequem war. Auch Luzern tendierte „zur Einsparung von Mühe und Kosten“ nach Baden. Aber allmählich setzte sich doch Frauenfeld durch. Von den Archivalien des ehemaligen thurgauischen Gerichtsherrenstandes, die provenienzmäßig im Kantonsarchiv liegen sollten, ist nichts mehr erhalten, dagegen Bestände einiger Gerichtsherrschaften. Für die Periode von 1798—1803 besitzt der Thurgau wie andere Kantone ein helvetisches Archiv, dann folgen die Bestände der neueren Zeit seit 1803. Bei den großen staatlichen Bereinigungsgeschäften zu Beginn des 19. Jahrhunderts erfuhr das thurgauische Archiv einen Zuwachs an Archivalien aus den Kantonen St. Gallen und Zürich sowie vom Bistum Konstanz. Bestände von großer Bedeutung erhielt das Archiv durch die Klosteraufhebungen des 19. Jahrhunderts, die sich von den dreißiger bis zu den sechziger Jahren erstreckten. In Bellinzona befindet sich das Staatsarchiv des Kantons Tessin. Der Kanton ist ein Produkt der Mediationsakte von 1803 und umschließt die Italienisch sprechenden Gebiete, welche bis 1798 teilweise von Uri allein (Leventina), teilweise von Uri, Schwyz und Nidwalden Kreienbühler, Geschichte des Archivs des Johanniter-Ritterhauses Leuggern (Kanton Aargau). In: Zeitschrift für schweizerische Kirchengeschichte, 10. Bd., Stans 1916, S. 133—134. — Die Inventare der aargauischen Stadtarchive (Inventare schweizerischer Archive, 3. Teil), 1. Abt., Aarau 1917, heraus­gegeben von Walther Merz: Zofingen, Bremgarten, Aarburg, Aarau, Baden, Lenzburg, Mellingen; 2. Abt., Aarau 1937, herausgegeben von Hektor Ammann: Rheinfelden, Laufenburg, Kaiserstuhl, Brugg, Klingnau. — Karl Schib, Zur Ordnung der Stadtarchive von Kaiserstuhl und Laufenburg. In: Argovia, 45. Bd., Aarau 1933, S. 107—135. — Walther Merz, Repertorium des aargauischen Staatsarchivs, 2 Bde., Aarau 1935. 1. Bd.: Der bernische Aargau und die Grafschaft Baden. 2. Bd.: Freie Aemter und Fricktal (Man vermißt imgern eine wenigstens summarische Archivgeschichte). — Nach dem Inventar von Merz stammen folgende Archivabteilungen der Grafschaft Baden aus alteidgenössischem Besitz: A. Alteidgenössisches Archiv, B. Kanzleiarchiv, C. Landvogtei Baden (Luzerner Akten), D. Untere Freie Aemter, E. Gemeine Herr­schaften. — Im Staatsarchiv in Aarau liegen auch die im 19. Jahrhundert angelegten privaten Urkunden­sammlungen von Pfarrer Karl Schröter in Rheinfelden und Bundesrat Emil Welti aus Zurzach, ferner Urkunden des württembergischen Staatsarchivs in Stuttgart aus den Beständen des Deutschordenshauses Altshausen, soweit sie den Kanton Aargau betreffen. q Johannes Meyer, Repertorium der Verwaltungsbücher (Kopialbücher, Gefällbücher, Gerichts­bücher usw.) aus den Archiven der vormals thurgauischen Herrschaften, Frauenfeld 1899. Hier S. 52—53 Landgrafschaft Thurgau, sogenanntes Eidgenössisches Archiv. — Franz Schoch, Die Aufhebung der thurgauischen Klöster in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In: Thurgauische Beiträge zur vater­ländischen Geschichte, 70. Heft, Frauenfeld 1933, S. 1—31. — Bruno Meyer, Geschichte des thurgauischen Staatsarchivs. In: Festgabe Anton Schmid, Frauenfeld 1942.

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