Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

IV. Quellen und Quellenkunde - 33. Fritz Popelka (Graz): Die ritterlichen Dienstreverse in der Grafschaft Görz und das Aufkommen der Feuerwaffen

Ritterliche Dienstreverse in der Grafschaft Görz. 511 der Belagerung von Terni auftauchende ,,edificium de ferro“, das „tromba“ oder „tuba marina“ genannt wurde, ist ohne Zweifel noch eine Feuerlanze gewesen, also eine Art Raketengewehr. Bei der Belagerung von Salverolo im Jahre 1350 waren 22 Bombarden im Gebrauch. Es waren Rohre, zum Teil mit cippi (Stielen, Schäften) versehen, teils Rohre, zu denen man Unterlagen (tinerii), Klötze oder Blocklager benutzte. Hier ist der Unter­schied zwischen Büchsen (Handfeuerwaffen, Handgranaten) und eigentlichen Geschützen schon angedeutet. 1364 trugen die Soldaten des deutschen Reiterobersten Johann von Bon- gard schon gut gearbeitete Handbombarden, die alle anderen Waffen übertrafen (bombarde a mano bellissime, che passavano ogni armatura)1). Faßt man das aus den Görzer Dienstreversen erlangte Ergebnis zusammen, so gewinnt die älteste, öfters angezweifelte Nachricht über den Gebrauch von Geschützen eine erhöhte Bedeutung. Der Kanoniker Julianus hat uns in seiner Chronik von Cividale mitgeteilt, ciaß zwei deutsche Ritter, die Herren von Krusberg und von Spilinberg im Jahre 1331 während der Belagerung von Cividale mit Geschützen die Stadt bombardierten, aber keinen Schaden anrichteten2). In dem gleichen Raume sind es etwas mehr als ein Vierteljahrhundert später vor allem deutsche Ritter, die sich der modernen Waffe bedienten und mit diesen von den Görzer Grafen angeworben wurden. Diese Waffen dienten hauptsächlich dem Zwecke der Belagerung von Städten, mit dem man in einem Krieg im oberitalienischen Raum besonders rechnen mußte. Das für diese Waffen nötige Pulver bezogen freilich die Görzer Grafen noch um die Mitte des folgenden Jahrhunderts vorwiegend aus italienischen Quellen. Als älteste Nachricht für den Gebrauch von Feuerwaffen in Österreich galt bisher ein Zeugnis aus der Zeit Herzog Albrechts III., der 1390 durch einen Mörser eine ungeheure Steinkugel auf das Schloß Leonstein werfen ließ3). Herbert Klein hat inzwischen festgestellt, daß sich Büchsenmeister seit 1379 im Dienste der Erzbischöfe von Salzburg nach weisen lassen4). Die Nachrichten aus den Görzer Reversen beweisen, daß Feuerwaffen erstmalig schon in den Kämpfen verwendet wurden, die Herzog Rudolf IV. in Friaul um die Herausgabe der kärntnerischen Lehen mit den Patriarchen von Aquileja in den Jahren 1359—1362 führte, wobei ihn die Görzer Grafen mit Artillerie unterstützten. Es ist merkwürdig, daß man gerade Herzog Rudolf IV., dem man so viel grundlegende Ideen und Neuerungen zuschreibt, auch mit dem erstmaligen Gebrauch von Feuerwaffen auf österreichischem Boden in Ver­bindung bringen muß. q Rathgen, a. a. O., Zeitschrift für historische Waffenkunde VII, 2 ff.; Schäfer, Deutsche Ritter und Edelknechte, S. 72. 2) „ponentes vasa versus Civitatem . . et extrinseci balistabant cum schopo versus terram ... et nihil nocuit.“ Muratori, Rer. Ital. Scriptores, Tom 24, f. 1228; Feldhaus, Zeitschrift für Waffenkunde IV, 69. 3) Boeheim, Waffenkunde, S. 445. 4) Klein, Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 1926, S. 132.

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