Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

IV. Quellen und Quellenkunde - 33. Fritz Popelka (Graz): Die ritterlichen Dienstreverse in der Grafschaft Görz und das Aufkommen der Feuerwaffen

503 Die ritterlichen Dienstreverse in der Grafschaft Görz und das Aufkommen der Feuerwaffen. Von Fritz Popelka (Graz). Die Dienstverschreibungen der Ritter und Edelknechte für den Landesfürsten zu Kriegszwecken machen in den österreichischen Archiven einen beträchtlichen Teil des Urkundenbestandes des 14. Jahrhunderts aus. Diese Urkundengattung schwillt besonders gegen Ende des 14. Jahrhunderts an, um dann im folgenden Jahrhundert allmählich abzu­flauen. Inhaltlich läßt sie sich in zwei große Gruppen einteilen, in Lehensreserve und reine Soldreserve, d. h. die Entschädigung für den Kriegsdienst erfolgt entweder im Wege der Belehnung, also in Sachwerten oder in der Zahlung von Bargeld und in Lebensmittel­lieferungen. Weniger wesentlich ist die Trennung in diplomatischer Hinsicht, die gebrauchten Formeln unterscheiden sich nur wenig von den anderen Arten der damals gebräuchlichen Pri vaturkunden. Aus den reichen Beständen des Archivs der österreichischen Herzoge und der Salz­burger Erzbischöfe haben Ernst von Frisch und Herbert Klein ihre Ausführungen über Lehensdienst und Solddienst und über die Söldnerheere dieser Länder aufgebaut1). Diesen großen Mengen an urkundlichem Stoff gegenüber nehmen sich die ritterlichen Dienstreverse, die den Görzer Grafen ausgestellt wurden, sehr bescheiden aus. Es sind von 1301 bis 1404 nur 77 Stücke, soweit sie dem Verfasser zugänglich waren, welche Kriegsverpflichtungen aufzählen. Die späteren Lehensreverse enthalten meist nur mehr Dienstverpflichtungen ohne Einzelheiten, die formelhaft wiedergegeben sind. Die Verpflichteten gehören fast durchwegs dem Stande der kleinen Ritter und Edel­knechte an. Nur 1311 erscheint ein Graf Friedrich von Heunburg unter der Zahl der Dienst­nehmer. Das reine Söldnerwesen erscheint in dem angegebenen Zeiträume wenig ausgeprägt. Die ärmlichen Verhältnisse auf dem Fürstenhofe in Lienz gestatteten keine großzügigen Söldneranwerbungen. Die Aufnahmen zu Kriegsdiensten bewegen sich noch fast durchwegs im Rahmen des Lehensbandes. Für die folgenden Ausführungen wurden die in den Grazer Hofschatzgewölbebüchern in Abschriften befindlichen Urkunden der Grafen von Görz herangezogen. Außerdem sind die im Haus-, Hof- und Staatsarchive befindlichen Urkunden verwertet. Urkunden aus anderen Archiven sind in den Anmerkungen vermerkt2). Die Aussteller der Dienstreserve waren überwiegend deutsche Ritter und Edelknechte, daher sind die Urkunden auch größtenteils in deutscher Sprache abgefaßt. Die Kärntner bilden die Mehrzahl, dagegen treten die Ritter ganz zurück, die aus Tirol und Krain stammen. Auch die aus dem Friaul kommenden Ritter waren nicht sehr zahlreich. Die Urkunden des Schrannet (wohl Giannetto), Sohn des Niclas von Rubein (1359), des Niclas des Rubina (1377), Simon von Cremaun (1368) und der Elzbet, des Piero von Cremaun Wittwe (1372) sind 1) Ernst von Frisch, Der Übergang vom Lehendienst zum Solddienst in Österreich, Wien 1907. — Herbert Klein, Das salzburgische Söldnerheer im 14. Jahrhundert. Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 1926, S. 99—158. 2) Die Abschriften aus dem Staatsarchive und aus Innsbruck verdanke ich Herrn Prof. Wiesflecker in Graz. Herr Dr. Günther Probszt-Ohstorff kollationierte Abschriften aus den Hofschatzgewölbebüchern mit den Originalen im Haus-, Hof- und Staatsarchiv.

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