Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)
IV. Quellen und Quellenkunde - 26. Willibrord Neumüller und Kurt Holter (Kremsmünster): Kremsmünsterer Briefe aus der Zeit des Interregnums
Kremsmünsterer Briefe. 423 Zwei Stücke, zusammen 45 x 148 mm, sechs Zeilen. Links und rechts beschnitten, rechts ohne, links mit geringem Textverlust. Die vierte und fünfte Zeile stark verwaschen. Die Tinte ist im Gegensatz zu den meisten übrigen Briefen leicht wasserlöslich. Aus CC 330, f. 139/146. Kursive Schrift. Auf der Rückseite und vorne unten Federproben verschiedener Hände des 13. und 14. Jahrhunderts. . . . [dile]ctis in Christo amicis magistro D. scolastico et magistro Jo. ac domino Al. Pataviensis ecclesie canonicis honorandis [a domino] episcopo iudicibus constitutis Or. divina miseracione abbas in Chremsmunster et conventus orationes cum devota re vérén [cia] . . . prompti obsequii voluntate. Fratrem nostrum Engilbertum presentis littere portatorem ad vestram presentiam destinamu[s] . . . a) magistrum Albertum venerabilem decanum Pata- viensem . . . a) ... um litterarum, facultatem ei dantes, in . . . b) . .dam facienda, quicquid videritc) expedire, et per subsequens quicquid pre... in eadem et ordinaverit, firmum et ratum verissime noveritis nos habere. Datum in Chremsmunster vii. Kal. Junii. 13. Abt Ortolf von Kremsmünster berichtet an die Äbte von Melk und Göttweig als die von der päpstlichen Kurie ernannten Richter, Magister Albert (von Boeheim), Dekan von Passau, sei über ihren Brief sehr erzürnt gewesen und wolle ihren Bitten und Ermahnungen in keiner Weise nachgeben. Er ersucht um eine gerechte Entscheidung. 1255/56* 1). Konzept. Falz, 39x 162 mm, fünf Zeilen. Oben und seitwärts beschnitten, ohne Textverlust. Aus CC 330, f. 18/23. Kleine, wenig geläufige Schrift mit geringen kursiven Einschlägen. Auf der Rückseite Konzept Nr. 14. Dilectis in Christo dominis amicis venerabilibus abbatibus Medlicensi et Chotbicensi ab apostolica sedea) iudicibus delegatis Or. Dei gracia de Chremsmunster abbas et conventus oraciones in domino et obsequium devotum. Vestra noverit paternitas veneranda, quod magister AI. decanus Pataviensis vestris receptis litteris indignacionem nimiam seruerit b) et graviter infremmuit tamquam lesus, precibus vestris et monitis aquiessere nolens ullomodo. Unde cum de vestra paterna caritate fiduciam non modicam habeamus, rogamus attentius et obnixe, quatinus in negocio vestre providencie ab apostolica sedec) delegato procedere mandatisd) quod iusticia persuaderat facientes. dem Dekan Albertus, dem bekannten Albert von Boeheim, verwechselt werden, von dem ebenfalls die Rede ist. Es handelt sich sicherlich um den Streit bezüglich der Besetzung der Pfarren von Vorchdorf und Weißkirchen (vgl. zu letzterer auch Nr. 8), da alle bisher genannten Personen auch in der Papsturkunde vom 25. Mai 1255 genannt werden, in der Papst Alexander IV. die Entscheidung drei anderen Schiedsrichtern überträgt, da Abt und Konvent die Ernennung der drei genannten Domherren wegen Befangenheit angefochten hatten. Auch die Jahreszahl, vor 1255, läßt sich aus dem Datum der Papstbulle ableiten. Der Streitfall, der als eine neue Phase des in Nr. 8 angedeuteten Konfliktes gelten muß, dürfte nach den Worten des Chronisten (MG. SS. XXV, 658/40) über Bischof Berthold von Passau (1250—1254) „Hic contulit suo decano ecclesias nostras Vorhdorf et Waeizkirchenii in jenen Jahren neue Schärfe bekommen haben. Er zeigt, daß die Beziehungen des Albert von Boeheim zu Kremsmünster keineswegs friedliche waren. Nach dessen Sturz hat das Kloster denn auch einen vollen Sieg davongetragen. Vgl. auch Krick, l. c., 11, 22. Der Mönch Engelbert ist im Kremsmünsterer Nekrolog am 27. Juni verzeichnet (MG. Neer. IV 218). l) Wenn es sich nicht um einen sonst ganz unbekannten Streitfall zwischen Kremsmünster und Albert von Boeheim handelt, dürfte, was wahrscheinlicher ist, in dem vorliegenden Konzept eine spätere Phase des bei Nr. 12 gekennzeichneten Gegensatzes zum Ausdruck kommen. Die drei in UBK. 84 genannten Schiedsrichter müßten dann zu einem späteren Zeitpunkt durch die beiden hier genannten Prälaten ersetzt worden sein, der allerdings durch die Resignation des Abtes Ortolf im Jahre 1256 einen Terminus ad quem hat. 12. a) Mit Ausnahme eines kurzen Stückes in der Mitte ist die ganze Zeile unleserlich. b) Zwei kurze Worte unleserlich. c) Lesung unsicher. 13. a) Im Original nur se. b) Lesung fraglich. c) Stark verwischt, Lesung fraglich, ebenso das nächste Wort. d) Lesung unsicher.