Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

IV. Quellen und Quellenkunde - 26. Willibrord Neumüller und Kurt Holter (Kremsmünster): Kremsmünsterer Briefe aus der Zeit des Interregnums

Kremsmünsterer Briefe. 417 Zwei Falze, zusammen 37x 130 mm, acht Zeilen, links seitlich und am unteren Rande etwas beschnitten, die rechte Hälfte am oberen inneren Rande beschädigt. Dort fehlen in drei Zeilen je etwa fünf Buchstaben, u. a. der Name des Lambacher Mönches. An den Stellen der ehemaligen Büge der Fälze stärkere Verwischungen. Aus CC 126, f. 301/308. Die Schrift trägt ausgesprochenen Minuskelcharakter. Rückseite leer. Venerabili domino suo R. Dei gratia abbati in Chremismunster frater [. . ,mon]achus et scolasticus in Lamb(aco) orationes in domino et promptam cum omni subiectione reverent- [iam .. . SJicut sepius iám vobis de ... a)vi, sic et nunc experiri volo, si iuvenem ilium, quern bene m[eritum] . . .b) cognosco, in scolasticum velitis c) recipere. Quicquid ergo super hoc vestre placeat dignationi [vest]ris sigillatis litteris per presentium latorem destinatis mihi declarate, ut in testimonium [vest]re voluntatis ipsi iuveni easdem litteras exhibeam. Indecens enim mihi esset nec sibi [. . . ]te in decus expedire, si absque aliquo certitudinis indicio de loco sue mansionis eum evocarem. 2. I. scolaris de E. bittet den Dekan V. von Enns x), ihm mit Rücksicht auf seine Ver­wandtschaft zwei Schuhe übermitteln zu lassen. Um 1200 oder Anfang 13. Jahrhundert. Ein Falz und zwei schmale Streifchen, zusammen 39 x 109 mm, sechs Zeilen. Trotz der durch die Heftung verursachten Löcher kein Text ver lust. Aus CC 309, f. 240, 228/235. Minuskelcharakter der Schrift. Rückseite von derselben Hand: Decano. Precordia[l]i domino suo V. in Ens venerabili decano I. scolaris de E. ex sincero affectu tam devotam quam debitam orationes (!) et obsequii certitudinem. Cum annuente Deo si fas est dici vobis sim linea consanguinitate coniunctus, idcirco supplico vos, quatinus intuitu mei servitii duos calceos mee necessitati per vestrum bairium a) transmittere dignemini. 3. Albero von Pollheim als vom Herzog bestellter Untervogt von Kremsmünster an die Brüder Otto, Ditrich und Ortolf von Volckenstorf. Über Beschwerde von seiten des Abtes und Konventes von Kremsmünster ersucht er sie, die Untertanen des Klosters von ungerechtfertigten Bedrückungen im Sinne von Rechtssprüchen zu verschonen, da andernfalls jene es dem Herzog zur Kenntnis bringen würden. Um 1238 * 1 2). q Der Schrift nach ist der Brief wie oben angegeben zu datieren. Beide Personen sind unbekannt, auch der Dekan von Enns, da in der Reihe dieser Würdenträger, die in diesem Bereich eine ähnliche Rolle gespielt haben dürften wie der von Krems in dem seinen, gerade damals beträchtliche Lücken klaffen. Vgl. P. Schmieder, Lorch und Enns, 30. Bericht des Mus. Franc. Carol., Linz 1871, S. 18, wo für 1175 Albero, 1189 Gebolf, 1220 Otachar und 1234/5 Wernhard genannt sind. Mit dem letzteren dürfte der Dekan V.kaum zu identi­fizieren sein. 2) Die Volckenstorf er Brüder, vgl. F. W irmsberger, Beiträge zur Genealogie der Dynasten von Volkens­dorf, Wels 1863,S. 11—14, und OÖUB., 3. Bd. passim, werden in Urkunden häufig genannt: Otto von 1234—1239, Ditrich 1234—1254 und Ortolf, der 1256 den Landschreiber Witigo ermordete, seit 1238. Der Streitfall dürfte vor 1240, bzw. 1241 gütlich beigelegt worden sein, sonst wäre sicherlich eine Verzichtleistung erzwungen worden, wie sie das Kloster in den parallellaufenden Fällen des Heinrich von Grafenstein und des Hartnid von Ort am 24. Jänner 1240, bzw. 18. Februar 1241 erreicht hatte. Vgl. auch die verwandte Gleinker Urkunde vom 6. September 1239, OÖUB., 3. Bd., S. 72, in der sich ein ähnlicher Tatbestand spiegelt. Daß die Schrift die gleiche ist wie die des folgenden Stückes, spricht dafür, seine Entstehung im Kloster zu vermuten, was auch durch die Diktion bestärkt werden mag. Möglicherweise ist das Schreiben gar nicht abgegangen. 1. a) Etwa drei Buchstaben gänzlich verwaschen. ’’) Nach einer Lücke im Pergament ist der Rest der Zeile, zirka 4 cm, unleserlich. c) Lesung fraglich. 2. a) Die Bedeutung dieses Wortes scheint im Gegensatz zu seiner Lesung unklar. Falls Eigenname, vgl. dazu „vrawPericht deuBairine“ aus einem Enenkel-Codex, veröffentlicht von J. Strnadt, Dieeinschildigen Ritter im 13. Jahrhundert um Kremsmünster. Linz 1895, S. 14. 27

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