Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

IV. Quellen und Quellenkunde - 25. Heinrich Fichtenau (Wien): Unbekannte Lambacher Annalen (1187-1243)

Lambacher Annalen (1187—1242). 407 und 1197 über den Tod Heinrichs VI. und die Doppelwahl berichtete. Weiterhin wechseln die Schreiber bis 1216, wo eine Hand ohne Beachtung der fortlaufenden Jahreszahlen eine ganze Anzahl von Nachrichten hintereinander abschreibt. Erst mit dem Jahre 1233 beginnen wieder die protokollarischen Notizen mit Handwechsel, wohl um dieselbe Zeit wurde auch die Nachricht über die Weihe der Benediktskapelle in Lambach (zu 1195) nachgetragen. Schreiber B, der die Hausnachrichten lieferte, scheint der eigentliche Chronist von Lambach gewesen zu sein. Von seiner Hand1) stammt nämlich die zwischen 1197 und etwa 1200 geschriebene Vita Adalberonis und eine Anzahl anderer Eintragungen in der Lambacher Handschrift 54, darunter eine series abbatum 2), die noch zu Lebzeiten des Abtes Waesi- grim geschrieben wurde. Nicht nur die Schrift, auch das Diktat eines Absatzes dieser Abts­liste zeigt die Gleichheit des Verfassers: Annalenfragment (F): 1194. Pabo abbas imbecillitate corporis pregravatus abbatiam sponte resignavit. Series abbatum (MG. Script. 12, 138): Pabo abbas loco suo substituitur, qui XXVIII. officii sui anno senio iam fessus et inbecillitate corporis pregravatus regiminis curam sponte resignavit. Auch sonst zeigt die series abbatum den weiteren Text in Form einer literarischen Überarbeitung, die nichts wesentlich Neues bringt. Inhaltlich deckt sich das Annalenfragment ab 1198 weitgehend mit den bereits bekannten Annalen dieses Klosters, die in Cod. 373 der Wiener Nationalbibliothek erhalten sind und von Wattenbach3) so weit abgedruckt wurden, wie sie über die Nachrichten der Krems- münsterer Annalen hinausgehen. An Neuem bietet diese zweite Hälfte des Textes unseres Fragments nur eine Korrektur im Datum des Abtwechsels zu 1214 (statt 1213) und 1242 (statt 1241). Interessanter ist die Notiz zu 1195 über den Regierungsantritt Leopolds VI. in beiden Herzogtümern und die kriegerischen Folgen des Thronstreites nach dem Tode Belas III. von Ungarn: Wußte man bis jetzt aus der Wiener Handschrift der Lambacher Annalen und der Continuatio Claustroneoburgensis, daß Belas Sohn Emerich mit seinen Scharen die österreichischen Grenzgebiete im Jahre 1198 verwüstete 4), erfahren wir aus dem Fragment von einem Vergeltungszug des Herzogs Leopold gegen Ungarn. Für die Lambacher Lokalgeschichte ergibt sich die Tatsache, daß vor der Johanneskirche seit 1195 die Benedikts­basilika als Mittelpunkt der Stiftspfarre diente und wird so eine Weihenotiz vom Ende des 15. Jahrhunderts in Ms. 183 der Lambacher Bibliothek ergänzt, die von der Errichtung der „Neuen Kapelle“ im Jahre 1257 an Stelle einer älteren spricht, die bereits die Stelle der Stiftspfarrkirche einnahm 5). Schließlich ist noch zu erwähnen, daß die ungarische Königin Gertrud, die Mutter der heiligen Elisabeth, als Tochter eines mährischen Herzogs bezeichnet ist, ein Irrtum, der in der Wiener Handschrift richtiggestellt wurde. *) T rinks, Die Gründungsurkunden und die Anfänge des Benediktinerklosters Lambach, in: Jahrbuch des oberösterreichischen Musealvereins 83 (1930), 122 f. 2) A. a. O. f. 9 r. 3) MG. Scriptores 9, 556 ff. 4) A. Huber in Archiv für österreichische Geschichte 65 (1883), 160, Juritsch, Geschichte der Babenberger (1894), 360. 5) A. a. O. p. 141: Quarta capella annexa ecclesie Lambacensi est capella beati Benedicti, que eciam dicitur capella nova, licet modo vetustate obducta appareat quodammodo ruinosa. Et est consecrata a. d. 1257, tempore domini Bernhardi abbatis huius monasterii, (p. 142): Tradidit insuper fidelis antiquitas et seniorum concordat assertio, quod olim fuerit capella parva consecrata, ubi modo est constructa capella predicta nova, ubi agebantur divina pro populo communi ante institutionem parrochialis ecclesie beati Johannis Baptiste. Et iuxta eandem capellam fuit cimiterium commune et sepultura. Illud confirmat experiencia, quia ubicumque aperitur terra in circumferencia predicte capelle, exhumantur ossa mortuorum. Exusto autem monasterio funditus cum suis habitaculis et attinenciis per manum hostilem anno domini 1233 creditur ima cum reliquis officinis et editiciis exusta fuisse predicta capella. Die Notiz stand ähnlich in der heute verschollenen Papierhandschrift Nr. 125 des Lambacher Stiftsarchiv, worauf mich in freundlicher Weise Herr Archivdirektor I. Zibermayr hinwies. Vgl. P. Schmieder in Mitteilungen der k. k. Central­kommission zur Erforschung ... der Baudenkmale 11 (1866), 17.

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