Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

IV. Quellen und Quellenkunde - 24. Geoffrey Barraclough (Liverpool): Briefe aus dem Reiche und andere Mitteilungen aus englischen Landesarchiven

Briefe aus dem Reiche. 395 aus dem Jahre 1175/6 trägt Neues zu der Kenntnis seiner berühmten Legation bei 1), und dürfte zeigen, was noch auf dem Gebiet der Kirchengeschichte zu ernten ist. Der prunk­hafte, mit Gold und Purpur geschmückte Brief Königin Elisabeths (II) vom Jahre 1602 an dem Kaiser von Cathay gerichtet, ist inhaltlich als Zeugnis der weitreichenden Handels­beziehungen an der Wende des 16. und 17. Jahrhunderts beachtenswert. Das eigenhändige Billett (III) der Pfalzgräfin und Königin von Böhmen Elisabeth an ihren Vater, den König James I. von England, aus dem Jahre 1619 ist dagegen inhaltlich belanglos, gewährt aber mit dem scherzhaften Hinweis auf ihre Kinder vielleicht eine gewisse Einsicht in die Persönlichkeit Elizabeths und bietet als Autograph immerhin gewisses Interesse. Zum Schluß (IV) werden dann sechs Briefe aus den Jahren 1676 und 1677 abgedruckt, die William Clifton seinem Bruder, Sir Thomas Clifton, aus Venedig, Livorno, Wien und Aleppo schickte, als er nach der Heiligen Stadt pilgerte. Obwohl recht typische Reisebriefe ihrer Zeit, bringen sie nebenbei manche wertvolle Nachricht aus den Tagen Kaiser Leopolds I. sowohl aus dem Reiche als z. B. über die Seeräuber von Algier und ihre Tätigkeit im Mittelmeer. Wohl die wichtigste im Lancashire Record Office befindliche Quelle zur Reichsgeschichte des 17. Jahrhunderts ist aber das Rechnungsbuch eines englischen Kaufmannshauses in Leipzig 2), das einen vollständigen Überblick in die Geschäfte des Jahres 1639 gewährt. Diesen umfang­reichen Band, der sowohl die in Betracht kommenden Handelswaren als die Kundschaft der Firma genau angibt 3), führe ich wegen seiner Wichtigkeit als handelsgeschichtliche Quelle an; es bedarf aber der ausführlichen Bearbeitung in Zusammenhang mit den reichs- deutschen, insbesondere sächsischen, schlesischen und böhmischen Quellen und der Ver­öffentlichung in einer kritischen Ausgabe, was hier nicht möglich ist. Das Wenige, das ich mit den im nachstehenden abgedruckten Briefen und Urkunden anführen konnte, genügt wohl, um die Aufmerksamkeit der festländischen Forschung auf die in den englischen Landes­archiven aufbewahrten Schätze zu lenken. Eine genaue Durchforschung der gedruckten Listen würde manch andere für die festländischen Verhältnisse wertvollen Stücke zu Tage bringen 4); aber was steckt noch in den vielen Archiven, für die noch keine gedruckten Inventare vorliegen ? In Zukunft sollten jedenfalls ausländische Forscher, die auf Archiv­reisen England besuchen, nicht mehr in Oxford, London und Cambridge oder in den bekannten Hochstiftarchiven stecken bleiben, sondern auch die Landesarchive aufsuchen, deren neuere Fortschritte das englische Archiv wesen, das durch seine historisch bedingten Eigentümlich­keiten so lange in seiner Entwicklung gehemmt war, in den letzten Jahren auf die auf dem Festland längst erreichte Höhe gebracht haben. x) Zum Datum vgl. neuerdings R. Fore ville, L'Eglise et la Royauté en Angleterre sous Henri II Plantagenet (Paris 1943), 434. Daß sich der Legat nicht nur mit kirchenpolitischen Angelegenheiten, also vor allem mit der Beilegung des Streites zwischen Heinrich II. und Alexander III., befaßte, sondern auch „iter suum fecit per metropolitanas ecclesias et per abbatias Angiié ad visitandum eas tanquam legatus apostolice sedis1' (Gesta Regis, ed. W. Stubbs, London 1867,1, 106), ist längst bekannt. Die unten abgedruckte Urkunde bringt einen neuen Beleg für seine innerkirchliche Tätigkeit; vgl. auch den Engl. Hist. Revien L (1935), 483, abgedruckten Brief. 2) Vgl. Guide to the Lancashire Record Office, 63—4. 3) Der Text, aus 76 Folien bestehend, beginnt: “Received from ye hands of Leonard Lankes, being left with him by Mr. Anthony Bullen at his goeing for England . . . “. Unter den von der Firma behandelten Marenartikel kommen u. a. vor: Norunch stufs, Shefeild knives, London knives, gloves, ribbins of all sorts, spectacles and spectacle cases, silver hilts, garters, hatt bands silver and gold, spurrs of all sorts, bootes, rappers of all sorts, buttons of all sorts, wollen wastcots, beaver hats, cloths portable of divers sorts, pearles, lambe skins, cony skins, worsted hose, broivne lynnens, tobaco. Unter der Kundschaft nenne ieh beispielsweise: Heinrich Cramer & Comp., Matthias Wickner of Präge, Hans Handelt, Samuel Schaff of Breslow, Alexander Backhofe, Joakim Seewalt, Godfrid Gable, Valentin Shaffer, John Volsted, Paul Prisen of Dresden, Michaeli Herolt. 4) So notiere ich z. B. im Guide to the Essex Record Office II, 53, eine vom Stadtrat Straßburgs aus­gestellte Urkunde aus dem Jahre 1570.

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