Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)
IV. Quellen und Quellenkunde - 21. Ivan Dujcev (Sofia): Die „Responsa Nicolai I papae ad consulta Bulgarorum“ als Quelle für die bulgarische Geschichte
362 Dujöev, es erraten, denn er schrieb ihnen zur Antwort: „simpliciter de his interrogatis, verentes videlicet, ne vobis in peccatum imputetur, si praeter consuetudinem aliorum quid saltem in minimis agitis Christianorum“1). Obschon die Bulgaren die Taufe von Byzanz angenommen hatten, schenkten sie jedoch nicht allen Behauptungen und Erklärungen der byzantinischen Priester ihr Vertrauen. So versuchten sie in ihren Fragen einige griechische Behauptungen zu prüfen. Mehrere Male fragen sie um Verbote seitens der byzantinischen Geistlichen, um deren „Vorschriften in ganz unwichtigen und geringfügigen Dingen“2), und das vielleicht in der Hoffnung, eine Erleichterung vom Papst zu erhalten. Warum haben sie aber die verschiedenen heidnischen Bräuche erwähnt ? Liegt hier der Wunsch versteckt, die alten heidnischen Gewohnheiten auch nach der Bekehrung zu behalten 3) ? Es ist vielmehr annehmbar, daß die Bulgaren nur verifizieren wollten, wie weit man diese Bräuche mit dem Christentum in Übereinstimmung bringen könnte. Mit einem erstaunlichen sittlichen Bewußtsein fragte der Fürst um alles, da er das ganze Leben seines Volkes im Sinne der christlichen Lehre reformieren wollte. Aber die Consulta Bulgarorum sind außerordentlich wichtig, nicht nur als Zeugnis der damaligen geistlichen Bedürfnisse und Tendenzen der Bulgaren. Ihre Angaben über volkstümliche Gewohnheiten und Sitten sind von besonderer Wichtigkeit, da sie unmittelbar aus den besten bulgarischen Quellen geschöpft sind. Es bleiben die päpstlichen Responsa übrig, — dieses „berühmte Denkmal der Papstgeschichte“, dieses „herrliche Denkmal des großen und hochherzigen Sinnes, wie der echten Pastoralklugheit und praktischen Lebensweisheit“ des Papstes Nikolaus I.4). Wie hat der Papst die bulgarischen Consulta beantwortet und besonders im Vergleich zu dem Sendschreiben des Photios ? Dies ist aber ein anderes Kapitel der Geschichte. 4) R. 59 = P. 588, 30—32. a) Vgl. Hergenröther, ebenda, I, 610. a) Zlatarski, ebenda, 105 ff. 4) Pereis, ebenda, 161; Hergenröther, ebenda, 607.