Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

III. Heraldik und Geneologie - 20. Carl Äusserer (Wien): Die „Gando de Porta Oriola“ von Trient

Gando de Porta Oriola. 333 Malapetia verliehen hat 1). Bei dieser Mautverleihung waren die Tage von St. Veit bis Vigili (15. Juni bis 26. Juni) ausgenommen. Seitdem schweigen die Quellen und erst 1236 erfahren wir aus einem am 7. Juli 1236 gefällten Schiedssprüche des Otto de Gando als Schiedsrichter in einem Mautstreite zwischen Petrus de Muza und Gerard Giliol de Sitachierici, aus der Aussage des Petrus, daß die Sitachierici, eine Cremoneser Familie, diese gepachtet und Petrus sie unterpachtet hatte. Nach einer Urkunde von 1240 hatte Petrus die Maut 1231 übernommen. Nach dem Tode des Malapetia, der 1236 bereits verstorben war, hatten seinen Anteil auch die Sitachierici erworben. Beide Anteile gingen dann an die Gando über 2). Mit Malapetia stand Otto de Gando in Verbindung ebenso wie mit Ulrich von Beseno, — wie vorerwähnt, der 1236 Vormund der Enyda, Tochter des weil. Nicolaus de Malapetia, des letzten Maut­inhabers, gewesen ist und der seinerseits wieder Otto de Gando zu seinem Treuhänder anläßlich des Verkaufes einer halben Wiese nördlich von Trient durch Enyda zur Befriedigung von Gläubigern des verstorbenen Nicolaus Malapetia bestellt hatte 3). Otto de Gandos Ansehen war in zunehmendem Wachsen und er genoß das besondere Vertrauen des Bischofs. Dank der Imbreviatur des Notars Obert von Piacenza der Jahre 1235—1236, die in mustergültiger Ausgabe durch Voltelini allgemein zugänglich gemacht worden ist, erfahren wir so manches über Otto de Gando, wie überhaupt diese Imbreviatur uns einen einzigartigen Einblick in die wirtschaftlichen Verhältnisse der Gegend vermitteln. Wir sehen die Gando in Verbindung mit den bedeutendsten Adels- und Wirtschaftsgeschlech­tern, sehen sie in Vertrauensstellungen als Vertreter und Prokuratoren, Bürgen, Vermittler von Käufen und Verkäufen und selber Käufer und Verkäufer. 1236 erscheint Otto de Gando in besonderer Vertrauensstellung als Verwahrer des Fonds für den Klosterbau von St. Lorenzo fuori le mura bei Trient. Das Kloster, zwar ein altes, war in Verfall geraten, hatte nur mehr fünf Mönche und Papst Gregor IX. verlieh es daher den um diese Zeit nach Trient gekommenen Dominikanern als Wohnsitz 4). Am 25. Februar 1236 verkaufte Abt Clericus ein Weingut in der Pfarre Riva, dessen Kaufsumme Otto de Gando zur Verwahrung übernommen hat 5). Otto de Gando finden wir wiederholt erwähnt. Aus seinen Käufen und Verkäufen ersehen wir seinen Grundbesitz, der außer dem von Häusern in Trient auch Besitzungen zu Rallo und Tasullo im Nonstale umfaßt hat6). 1236 erscheint in einer Urkunde vom 12. März ein Dominus Jordanus (Zordanus) de Gando und als dessen Frau eine nicht näher gekennzeichnete Armengarda 7). Ersterer ist wieder genannt in einer Urkunde vom 22. Mai 8). Inwieweit dieser mit Otto verwandt war, läßt sich allerdings mangels weiterer Urkunden vorläufig nicht entscheiden. Otto de Gando hatte zwei Söhne: Tridentin (Trentin, Trentinellus) und Adelpret. Der erste erscheint erstmals 1224. In Vertretung seines Vaters Otto (Ottolin) kauft er Zins aus zwei in Trient gelegenen Häusern. Er ist hier als Trentinellus filius Ottolini generis Gamdi bezeichnet — vom Geschlechte Gandus 9). Seitdem begegnet er uns wiederholt. b Wien, österreichisches Staatsarchiv, Cod. 457, Bl. 15 a. 2) Voltelini, H. v.: Südtiroler Notariats-Imbreviaturen, Nr. 398; vgl. Weber, Simone: Memorie del Borgo del Priorato di S. Martino in Trento, Trento, S. 118, und Stolz Otto: Das mittelalterliche Zoll­wesen Tirols bis zur Erwerbung des Landes durch Herzog von Oesterreich (1363), Archiv für österreichische Geschichte, 97. Bd., 1909, S. 539 f. 3) Voltelini, H. v.: Südtiroler Notariats-Imbreviaturen, Nr. 199. 4) Vgl. Voltelini, H. v.: Beiträge zur Geschichte Tirols I. Zur geistlichen Verwaltung der Diözese im 12. und 13. Jahrhundert. Zeitschrift des Ferdinandeums für Tirolund Vorarlberg, III. Folge, 33, Innsbruck, 1889, S. 69, ferner: Documento del monastero di S. Lorenzo fuori le mura di Trento. Riv. Trid. I., 1907, S. 284—304 (1146—1308), und Predelli Riccardo: Antiche pergamené dell’Abazia di S. Lorenzo in Trento. Archivio stör, per Trieste lTstria e il Trentino, III., 1884, S. 33 ff. 5) Voltelini, H. v.: Südtiroler Notariats-Imbreviaturen, Nr. 124. «) Ebenda, Nr. 382. 7) Voltelini, H. v.: Südtiroler Notariats-Imbreviaturen, Nr. 169. 8) Ebenda, Nr. 306. 9) Äusserer, Regesto Nr. 12.

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