Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

II. Paläographie und Diplomatik - 16. Gebhard Rath (Wien): Studien zur Gründungsgeschichte der Cisterce Wilhering und ihrer rechtlichen Stellung zu ihren Gründern und dem Hochstift Bamberg

Studien zur Gründungsgeschichte der Cisterce Withering. 279 Schrift und Diktatvergleich erweisen als Zeit der Abfassung und Niederschrift der Gerlach-Urkunde die Mitte des 12. Jahrhunderts, die Regierungszeiten des Abtes Gerlach von Rein (1129—1165 ?), Bischof Eberhards von Bamberg (29. Mai 1146—1172), Konrad III. (1133—15. Februar 1152) und Eugen III. (1145—1153), die Zeit also zwischen 29. Mai 1146 und 15. Februar 1152, womit die Datierung des Stückes zu 1146 in Einklang steht J). Trotz dieser Ergebnisse hat schon 1899 Handel-Mazzetti* 2) die Echtheit der Datierung der Gerlach-Urkunde mit 1146 angegriffen und ihre Unhaltbarkeit mit Hilfe der bekannten Reinerurkunde Ottokars von Steyr vom 22. August 1147 3) zu beweisen versucht. Davon ging er auch 1912 4) nicht ab, als Grillnberger 5) 1903 in einer mit aller Wissenschaftlichkeit geführten Auseinandersetzung über die Anfänge Wilherings die unbedingte Richtigkeit der Datierung der Stiftungsaufzeichnung zu 1146 durch den Nachweis erbracht zu haben dachte, daß die Reiner-Urkunde hinsichtlich ihrer Datierung nicht einwandfrei sei. Ohne offensichtlich dessen Arbeit zu kennen, gelangte auch Wonisch 6) zu gleichen Ergebnissen. Trinks 7) setzte die Gerlach-Urkunde mit zirka 1148 an, ohne eine spätere Abfassung auszu­schließen. Die Ermittlung der tatsächlichen Abfassungszeit der Stiftungsaufzeichnung ist an die Erkenntnis ihres Zweckes gebunden. Dieser wiederum ergibt sich aus der Art der Darstellung der in der Eberhard-Urkunde vom 25. September 1154 und in der Stiftungsaufzeichnung berichteten gleichartigen Rechtshandlungen. Abt Gerlach von Rein berichtet in seiner Urkunde: 1. Zwei edelfreie Brüder, Ulrich und Cholo von Wilhering, schieden zu ihrem Seelenheile mit Zustimmung ihrer Mutter Ottilia und ihrer Schwester Elisabeth einen Teil ihres Erbes, und zwar die Burg Wilhering mit ihrem Zubehör an Äckern, Weingärten, Wäldern, Weide- rechten, Wiesen, Fischrechten und Gewässern, mit allem jetzigen und künftigen Nutzen, aus ihrem Besitze aus. Diesen Ort Wilhering schenkten sie Gott und der Jungfrau Maria, indem sie ihn zu einer Cisterce bestimmten und übergaben ihn als deren Stellvertreter unter der Bedingung dem Abte Gerlach von Rein, daß er dort einen Abt und Konvent aus seinem Kloster Rein einsetze und er wie seine Nachfolger das neue Kloster als ein aus Rein entsprossenes Reis mit väterlicher Liebe führe und auf dem Wege klösterlichen Lebens leite. Abt Gerlach sagte nach Beratung mit seinem Vaterabte Adam von Ebrach und auf dessen Aufforderung der Bitte Ulrichs und Cholos zu und gründete entsprechend den Ordenssatzungen mit Unterstützung seines Vaterabtes das Kloster Wilhering. 2. Nachdem das Kloster gegründet war, starb Ulrich. Nicht lange nachher erkrankte auch Cholo und machte um seines, seines Bruders und seiner verstorbenen Gemahlin Seelen­heiles willen dem Kloster Schenkungen. 3. Infolge des nahen Todes des letzten Gründers beriet sich in Sorge um die ungewisse Zukunft und das Wohl seiner geistlichen Söhne Abt Gerlach mit Cholo, welchem geistlichen *) Im Kopialbuch ist die Indiktion mit VIII angegeben, muß aber richtig IX heißen. Grillnberger, Anfänge 96, hat auch diese Verbesserung in der Meinung vorgenommen, daß es sich um einen bloßen Lese- oder Schreibfehler Prior Heinrichs handle. Trinks, Gründungsurkunden 85, ist sich nicht klar, ob es sich um einen Fehler des Abschreibers oder Diktators handelt. Wie die Urkunde Eberhards von Bamberg zu 1146 (UBoE. 3, Nr. 50, 55), die die Datumszeile unserer Gerlach-Urkunde entnahm, beweist, stand VIII bereits im Originale. *) Handel-Mazzetti, Wildberg 29 f. 3) Grillnberger, Anfänge 305. — Zahn, Urkundenbuch I, Nr. 263, 274. *) Handel-Mazzetti, Das Gemärke von Wildberg im Jahre 1198. Jahresbericht des Museums Francisco-Carolinum in Linz, 67 (1899), 30 f. 5) Grillnberger, Anfänge 305 ff. 6) Wonisch, Traungauer 79 ff. 7) Trinks, Gründungsurkunden 85, 87 f., 126. — Hirsch, Vogteiurkunden 10, hält an der Echtheit und Datierung zu 1146 fest.

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