Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

II. Paläographie und Diplomatik - 16. Gebhard Rath (Wien): Studien zur Gründungsgeschichte der Cisterce Wilhering und ihrer rechtlichen Stellung zu ihren Gründern und dem Hochstift Bamberg

266 Rath, die Gründung einer Cisterce weite unfruchtbare Gebiete, wie vor allem die Geschichte Ost­preußens zeigt, der Kultur erschlossen. War die Erlaubnis zur Gründung des neuen Klosters nach der Erklärung der Eignung des Stiftungsgutes vom Generalkapitel erteilt und die Anerkennung der Ordensverfassung durch den zuständigen Diözesanbischof *) eingeholt, konnte man erst — dies geschah meistens mit tatkräftiger Mithilfe der Stifter — an die Errichtung der allerwichtigsten Regularorte: Kirche, Refektorium, Dormitorium, Gäste- und Pfortenhaus 1 2) schreiten. Vom Mutterkloster wurden hiezu einige Mönche und Laienbrüder vorausgeschickt. Diese ersten Bauten waren fast durchgehends einfache Holzbauten, um sie, erforderten es die Verhältnisse, ohne größere finanzielle Nachteile verlegen oder überhaupt aufgeben zu können. Die übrigen noch nötigen Baulichkeiten wurden aber meistens erst nach dem Einzug der Mönche — anfangs ebenfalls noch durchgehends Holzbauten — aufgeführt. Erst wenn das neue Kloster in seinem Fortbestände gesichert und auch die Lage allen sonstigen An­forderungen entsprach, schritt man, und dies oft erst nach Jahrzehnten, an die Errichtung eines monumentalen, steingefügten Klosterbaues. Dadurch widerlegt sich die seit ungefähr einem Jahrhundert aufgekommene Meinung, die ersten Mönche Wilherings hätten bis zur Vollendung des um 1195 3) begonnenen steinge­fügten Klosterbaues in der schnell für ein Kloster adaptierten Burg 4) der Stifterbrüder ge­wohnt. Damit stimmt auch das unter Abt Kaspar I. (1507—1518) angelegte jüngere Stift­buch 5) überein, wenn es sagt „des andern habent herr Ulrich und herr Cholo, geprueder vnd freiherren von Wäxenberg, erste Stifter, Wilhering, so vor ein edelmansitz, gemacht zu einem closter, gepaut das muenster, schlaffhaus, revent, siechhaus vnd pfister 6). Die andern gebey habent die prelaten vnd brueder zu ainzig mit hilf und almusen der gemain gebaut“. Die Gründungserlaubnis des Generalkapitels muß spätestens 1145 erfolgt sein, da erst nach ihrer Erteilung mit der Errichtung der geforderten Regularorte begonnen werden konnte und die Gründung bereits am 30. September 1146 mit dem Einzug des conventus formatus abgeschlossen war. Ihr gingen die Verhandlungen der Stifterbrüder Ulrich und Cholo mit Abt Gerlach von Rein und dessen Beratung mit seinem Vaterabte Adam von Ebrach wegen der Übernahme der Klostergründung voraus, die bei der Größe der Entfernung Rein—Ebrach ebenfalls einige Zeit beanspruchten. Es darf daher das Jahr 1143/44 7) als terminus ad quem für die erste Fühlungnahme Ulrichs und Cholos von Wilhering mit dem Abte Gerlach von 1) Canivez, Statuta I, 22, XXXVI: Et ideo, sicut alias scripsimus, cum quis abbatum abbatiam con­tra ere voluerit, primo hoc capitulum et cetera archiepiscopo vel episcopo diligenter sunt ostendenda (1134). 2) Vgl. S. 4, Anmerkung 1. 3) Stiftbuch (UBoE. 2, Nr. 332, 479): Secundo autem anno abbatie sue (Otto II. von Nist, c. 1193 bis 1201) monachi ceperunt ponere fundamentum et inceperunt edificare monasterium. — Der Wert des Stift- buches ist unberechtigt sehr umstritten. Vgl. Grillnberger, Anfänge 92. — Trinks, Gründungs­urkunden 80 f. — Derselbe, Die Chronik des Zisterzienserklosters Wilhering. MIÖG.-Evg. Bd. XI (1929) 193 ff. 4) Stülz, Wilhering 1. — Derselbe, Geschichte des Klosters Wilhering. Topographie des Erz­herzogthums Oesterreich, Das Dekanat St. Johann, XVIII, 1. — Grillnberger, Anfänge 319. —- Wöber Franz, Die Reichersberger Fehde und das Nibelungenlied 1885, 79 ff. — Strnadt Julius, Der Kirnberg bei Linz und der Kürenbergermythus 1889, 7. — Reisinger Amadeus, Baugeschichtliches von der Stifts­kirche Wilhering. Zisterzienser Missionskalender. Linz 1930, 76 ff. — Rath Gebhard, Zur Baugeschichte der Cistercienser-Abtei Wilhering in Oberösterreich. Kirchenkunst 1933, 166 ff. — Derselbe, Die Burgen Wilhering und Alt-Wilhering. Jahrbuch des oberösterreichischen Musealvereines 87, 1937, 471 ff. 6) Grillnberger Otto, Das Stiftbuch der Zisterzienserabtei Wilhering. Archiv für die Geschichte der Diözese Linz 2, 1905, 203 f., Nr. 1. — Bruschius, Supplementum 114. — Professenkatalog 1713. Archiv Wilhering. ®) Richtig: Pfortenhaus. 7) Stülz, Wilhering 2, gibt 1144/45 an. — Handel-Mazzetti, Schönhering 101, läßt die Unter­handlungen 1146 beginnen und am 25. September 1154 abgeschlossen sein. — Mayer Theodor, Einige Bemerkungen über die Familie der Stifter von Seitenstetten. Archiv für K. Ö. G. XXI, 365, Anmerkung 41, Ulrich begann 1136 die Stiftung, die Cholo 1146 vollendete.

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