Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

II. Paläographie und Diplomatik - 15. Hans Pirchegger (Graz): Über steirische Diplome

254 Pirchegger, Man sollte nun meinen, daß es unschwer gelingen müsse, die Vorfahren der beiden Brüder festzustellen. Wie der Name Boto von den Vorfahren der Friderun herstammte (es wechselten hier Retinger und Boto miteinander ab), so mußte der Name Aribo bis zum Stammvater führen, vielleicht abwechselnd mit Hartwig. Sehen wir auf das hin die bisherigen Stammtafeln an, von Wendrinsky (1881) an über Richter, Egger, Strnadt bis auf Trotter (1929) x), so werden wir schwer enttäuscht. Nach Richter war der Vater des Pfalzgrafen Hartwig ein Sieghard, der Großvater ein Engel­bert, der Urgroßvater ein Sieghard, dessen Vater vermutlich ein Engelbert und dessen Vater wieder ein Sieghard 902—906. Also kein einziger Aribo! Ich finde jedoch keinen Beweis dafür, daß der Vater des Pfalzgrafen Hartwig ein Sieghard war. Richter wurde wohl durch folgende Urkunde irregeführt: Die päpstliche Bestätigung des Klosters Michelbeuren vom 7. Juni 1137 führt als Stifter den Patriarchen Sieghard-Syrus, seine Mutter Pilhild und seinen Bruder Friederich an, ferner den Pfalzgrafen Hartwig und den Grafen Sizo (Sigehardo ac Friderico fratre eius, Hartwigo quoque comite palatino et Sizone comite). Richter sah demnach den Pfalzgrafen als den Bruder des Patriarchen an, aber sehr mit Unrecht * 2). Trotter gab dem Hartwig einen anderen Vater: den Grafen Nortprecht, dessen Vater Graf Sieghard und Großvater Graf Engelbert im Salzburggau 924 waren und dessen Vater Graf Sieghard 908. Also wieder kein Aribo und kein Beweis dafür, daß Nortprecht der Vater Hartwigs war. Richter wie Trotter legten sich nicht die Frage vor: Wie kam der in jungen Jahren verstorbene Hartwig zum Pfalzgrafenamte, wenn sein Vater ein einfacher Graf war ? Ich habe mich 1931 gegen diese Konstruktionen gewendet 3). Was man bisher als Stammtafel der Aribonen bezeichnet hat, sollte doch Stammtafel der Siegharde heißen. Wo blieb da der Weg zum „überaus berühmten“ Stammvater Aribo offen? Ich habe einen solchen zu ihm angedeutet: Der 1102 verstorbene ehemalige Pfalzgraf Aribo ließ sich im Kloster Seeon beisetzen. Dieses war um 995 vom Pfalzgrafen Aribo gegründet worden, der nach der Überlieferung des Nonnenstiftes Göß auch dessen Bau um diese Zeit in Angriff genommen hatte. Das Totenbuch Seeons führt unter seinen Kindern einen Hartwig an. Ist es nicht im höchsten Maße wahrscheinlich, daß wir da drei Glieder einer Reihe vor uns haben ? Dann steht aber auch nichts im Wege, im Pfalzgrafen Hartwig 977 das vierte Glied zu ersehen4); dafür spricht auch die Abfolge: Hartwig - Aribo - Hartwig - Aribo (1102), alle Pfalzgrafen. Ich habe den Erstgenannten gleichgestellt mit dem Kärntner Walpot und Grafen Hartwig, 954—980, denn das Walpotenamt entsprach, wie ich ausführte, dem des bairischen Pfalzgrafen. E. Klebel, der meine Ausführungen von 1931 annahm 5 6), ersah in diesem Walpot einen anderen gleichzeitig lebenden Hartwig; das ist möglich, aber es paßt auch dieser Walpot zu gut ins Jahr 954, da sich die Liutpoldinger, die Söhne des bairischen Herzogs Arnulf, gegen Herzog Heinrich erhoben, doch unterlagen und das Pfalzgrafenamt verloren. J) Wendrinsky, Die Grafen von Peilstein (Blätter des Vereines für Heimatkunde Niederösterreichs XV, 1881). — E. Richter, Untersuchungen zur historischen Geographie des ehemaligen Hochstiftes Salzburg (MIÖG. I. Erg.-Bd., 1885). — Egger, Das Aribonenhaus (AÖG. 83. Bd.) — Strnadt, Abhandlungen zum Historischen Atlas der österreichischen Alpenländer (AÖG. 99. Bd., S. 545). — C. Trotter, Beiträge zur mittelalterlichen Geschichte Innerösterreichs. 1. Die Grafen von Ebersberg und die Ahnen der Grafen von Görz (Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark, 25. Jg., 1929). — E. Klebel, Die Ahnen der Herzoge von Kärnten aus dem Hause der Spanheimer (Archiv für vaterländische Geschichte und Geographie, 24. und 25. Jg., 1936). 2) SUB. 2, Nr. 178, S. 262; Nr. 84, S. 145. 3) Beiträge zur mittelalterlichen Geschichte Innerösterreichs, 2. Liutpoldinger und Aribonen in Kärnten und der Kärntner Mark (Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark, 26. Jg., 1931). 4) So vermutete S. Riezler, Geschichte Baierns, 1. Bd., S. 365, bereits 1878. Die spätere Forschung ging einen Irrweg. 6) E. Klebel, wie Anmerkung 2. Er nimmt an, Aribo sei zwischen 1010 und 1016 gestorben. Nim ist merkwürdig, daß zwar die im April 1020 in Bamberg ausgestellte päpstliche Bestätigung des Klosters Göß (StUB. 1, S. 717) aber nicht die kaiserliche vom 1. Mai das bonae memoriae anwendet. Soll nicht der Tod um diese Zeit erfolgt sein ?

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