Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

II. Paläographie und Diplomatik - 15. Hans Pirchegger (Graz): Über steirische Diplome

252 Pirchegger, Einzugsgebiet des Pölsbaches war außerdem erfüllt von Salzburger Lehen. Zu ihnen gehörte auch Ober-Zeiring mit dem reichen Silberbergwerke, das Freital Pusterwald, die Feste Offen­burg nahe dem Pfarrdorfe Pöls u. a. Der Erzbischof konnte von der Mur an auf eigenem Gebiete bis zum Pyhrnpasse reisen. Wie er diesen großen Besitz bekommen hat, erfahren wir nicht. Der königliche Hof ,,ad Pelisam“, dessen Besitz ihm König Ludwig d. D. 860 bestätigt hatte, kann nach Analogie der anderen Höfe dieses große Zugehör nicht besessen haben x). Am 7. Dezember 1045 erhielt Salzburg das königliche Kammergut Liutoldasdorf, gelegen im Forste Sausal neben der Laßnitz (predium, quale visi sumus Liutoldasdorf habere in comitatu Gotefridi marchionis et foresto Susel iuxta litus Losnicae fluminis situm) 1 2). Das ist Leitersdorf. Wir sehen: im Jahre 970 kam keineswegs das ganze Sausal an das Erzstift, wie wir dem Diplome Ottos I. entnehmen möchten. Es kann sein, daß Leitersdorf damals in anderer Hand war; gehörten doch auch die benachbarten Dörfer Grötsch und Dexenberg, wiewohl im Sausal gelegen, doch hochfreien Familien 3). Aber merkwürdig ist, daß Leitersdorf gar nicht mehr im Sausal liegt und daß sich hier später kein Salzburger Besitz, auch keine Lehen nachweisen lassen. Kaiser Heinrich III. schenkte dem Erzstifte am 3. Juli 1056 drei königliche Huben in Gumbrahtdessteiden und sein Sohn Heinrich IV. drei Jahre später fünf behauste Huben im selben Orte (Gunprehtesteten) und oberhalb des Dorfes neben dem Flusse Laßnitz 4). Vielleicht war das konfisziertes Gut eines Hochfreien, der sich am Fürstenaufstande 1054 beteiligt hatte. Der Name ist verschollen, daher die Lage des Gutes unbekannt. Vielleicht hat ihn das Dorf geändert und den seines Kirchenheiligen angenommen, so wie Gumprechts- dorf an der Raab zu St. Margarethen geworden ist 5). Trifft das zu, dann kommt in erster Linie St. Florian in Betracht, mit welchem der Erzbischof das 1226 gegründete Bistum Lavant ausstattete, sowie die Salzburger Lehen Blumau, Geipelsdorf und Laßnitz bei Wildbach, vielleicht auch das Freiland, das der Erzbischof 1203 dem Kloster Admont schenkte 6). Unter den aufständischen Fürsten befanden sich auch die Aribonen, die nun einen großen Teil ihres Besitzes verloren; die Brüder Aribo und Boto büßten selbst Amt und Würde eines bairischen Pfalzgrafen ein. Aus dem konfiszierten Eigen Botos bekam das Erzstift am 6. März 1055 die halbe Kirche St. Martin-Straßgang mit dem Gute daselbst bis zur Mur südwestlich Graz 7). Das Erzstift behielt zwar Straßgang mit Pirka und Windorf, gab aber demKloster Admont 1074 denZehent von der St.-Georgs-Kirche zu Straßgang und das Widern daselbst, bestehend aus fünf Huben, außerdem die Hälfte der St.-Martins-Kirche, wie sie Gräfin Irmgard dem Erzstifte übergeben hatte8); also nicht das Eigentum Botos! Oder war 1) Ich habe das an zwei Beispielen in der Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark, 1946, S. 88 f., gezeigt; ich hätte auch Bruck-Muorizakimundi, Kobenz u. a. heranziehen können. Vielleicht ist da ein Diplom für Salzburg verlorengegangen, das ihm das Pölstal sowie die Gemeinden Hohentauern und Trieben verliehen hatte. 2) Dipl. V 149 = StUB. Nr. 55, S. 63. 3) H. Pirchegger, Beiträge zur steirischen Orts-und Familiengeschichte (Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark, 35. Jg., 1942, S. 57). — Derselbe, Beiträge zur älteren Besitz- und Rechtsgeschichte steirischer Klöster (ebenda, 38. Jg., 1947, S. 20). — Das Kärntner Kloster St. Georgen am Längsee besaß hier Teile von Dexenberg, Ober- und Unter-Schirka, Kuklitz und Hausleiten, vielleicht eine Gabe seiner Stifterfamilie (siehe Zahn, Beiträge zur Erforschung steirischer Geschichtsquellen, III, 37). — Seckau war gleichfalls in Dexenberg und Schirka begütert, anscheinend gleichfalls von der Stifterfamilie her (Adalbert von Feistritz-Reun: Thesemperg. B. Roth, Besitzgeschichte Seckaus, I, S. 35). — Pfalzgraf Hartwig, ein Aribone, gab um 1025 ein Gut an der Laßnitz dem Erzstifte (SUB. 1, Nr. 3, S. 213). 4) Dipl. V, Nr. 367, S. 499 - StUB. 1, Nr. 62, S. 70 f., und Dipl. VI/1, Nr. 55, S. 71 = StUB. 1, Nr. 66, S. 75. 5) J. v. Zahn, Ortsnamenbuch der Steiermark im Mittelalter, S. 329. «) StUB. 2, Nr. 61, S. 101. 7) Dipl. V, Nr. 332, S. 454 = StUB. 1, Nr. 60, S. 68. — Es ist wieder bezeichnend, daß nicht der Stromstrich, sondern das hohe alte Ufer, der Wagram, die Ostgrenze des Salzburger (und Admonter) Besitzes wurde, die Römerstraße, die ihm entlang zog. 8) StUB. 1, S. 92.

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