Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

I. Archiv-Wissenschaften - 12. Josef Wodka (St. Pölten): Die St. Pöltner Bestände des ehemaligen Wiener Neustädter Bistumsarchivs

St. Pöltner Bestände des ehemaligen Wiener Neustädter Bistumsarchivs. 195 Weise zu arbeiten1). Das Jahr 1782 brachte noch kurz vor dem Ende die schon längst fällige Vergrößerung des Miniaturbistums um 43 Pfarreien und Kuratien des salzburgischen so­genannten Neustädter Distriktes. Die dazugehörigen Archivalien wurden 1783 von Salzburg ausgefolgt 2). Doch bereits ein Jahr später, durch ein Dekret der Konsistorialkongregation vom 8. November 1784, hörte das Bistum Neustadt zu bestehen auf3). Bischof, Domkapitel und DiözesanVerwaltung übersiedelten anfangs Mai 1785 nach St. Pölten. Ruhig und ge­wissenhaft, unter der umsichtigen und tatkräftigen Leitung ihres Kanzlers Kautschitz, arbeitete die Neustädter bischöfliche Kanzlei — wie die Eintragungen der ersten Monate des Jahres 1785 in den Konsistorialprotokollen beweisen — bis in die letzten Apriltage und ordnete bis in die kleinsten Einzelheiten die Übergabe des Bistums an die Erzdiözese Wien. Auch über das Archiv wurde genau entschieden. Die wichtigsten Bestände wanderten mit nach St. Pölten und wurden dort dem neuerrichteten St. Pöltner Konsistorialarchiv ein­gegliedert. Die auf die Neustädter Benefizien und Pfarren bezüglichen Akten wurden dem Wiener fürsterzbischöflichen Konsistorium übergeben4). Der nicht unbedeutende Rest, darunter auch fast alle die Besitzungen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Bistums betreffenden Archivalien, blieb im Bischofshofe zu Neustadt zurück und teilte dasselbe Geschick, welches das Archiv des Chorherrnstiftes St. Pölten ereilte. Sie gingen während des 19. Jahrhunderts zugrunde. Der bereits verstorbene Hofrat Franz Staub, ein gebürtiger Neustädter, hat als junger Archivbeamter in den neunziger Jahren des vergangenen Jahr­hunderts noch einige Überbleibsel dieser Bestände ins Wiener Unterrichtsarchiv gerettet 5 6). Im folgenden wird versucht, die St. Pöltner Bestände des ehemaligen Wiener Neustädter Bistumsarchivs zusammenzustellen. Die Abteilung I „Urkunden“ führt uns den beträcht­lichen Stand von 134 Pergamenturkunden, meist Originalen, vor Augen. Abteilung II „Kor­respondenzen und Briefe“ erschließt uns die reichhaltige Korrespondenz der Neustädter Bischöfe des 16. Jahrhunderts und zeigt uns diese in ihrer politischen und kirchlichen Be­deutung und Wirksamkeit. Abteilung III „Konsistorialakten“ enthält die Archivbestände aus den letzten Jahrzehnten des Bistums (1741—1785). Abteilung IV bringt „Neustädter Akten aus dem Archiv des St. Pöltner Domkapitel.“ Abteilung V „Miscellanea“ faßt dann noch einige einzelnstehende, meist ältere Stücke aus dem Archiv und zur Geschichte des Neustädter Bistums zusammen. Als Abschluß soll uns das Verzeichnis der Archiv­materialien des Anhangs noch einen Überblick gestatten über das einstige Wiener Neustädter Bistumsarchiv in seiner Gesamtheit, wie es bei der Aufhebung des Bistums bestand, wie es zerteilt wurde und welchen Weg die einzelnen Archivstücke nahmen. J) Siehe unten S. 202 f. 2) Im St. Pöltner Diözesanarchiv ein „Verzeichniß der zu dem im Jahre 1783 von Salzburg abge­tretenen Neustädter Bezirke gehörigen Akten“ (Fasz. 1—19: Pfarren, 20—22: Kloster Kirchberg am Wechsel, gestrichen; Fasz. A: Visitationes, B: Miscellanea), am 4. Mai 1785 in Wien von Karl Alexander Christ, damals bereits auch erzbischöflich Wiener Konsistorialregistrator, entgegengenommen. 3) Kerschbaumer, a. a. O. I 659. 4) Das St. Pöltener Diözesanarchiv besitzt noch ein gleichfalls am 4. Mai 1785 vom Wiener Kon- sitorialregistrator Karl Alex. Christ übernommenes „Verzeichniß der Diözesan Akten, welche in der mit lit. D bezeichneten Küste enthalten und dem wohllöbl. erzbischöflichen Konsistorium bey Ubergab der Diözes von dem Neustädter Konsistorium ausgeliefert worden sind“. Faszikel 1—9 enthalten Neustädter Akten, Faszikel 10—25 solche der Pfarren, Faszikel 26—28 Generalia, Faszikel 29—30 Nachträge. Fast alle Akten (mit Ausnahme der in den Faszikeln 6—9 enthaltenen, die ins 15. bis 17. Jahrhundert zurück­reichen) stammen aus den allerletzten Jahren des Bistums. 6) Ein Verzeichnis der in Neustadt bei der „k. k. Administrazion der bisthümlich Neustädtischen Renten“ zurückgebliebenen und dem Bistumshofmeister Joh. Christoph Greth am 28. September 1784 übergebenen Akten (dem oben im Anhang abgedruckten Verzeichnis der Neustädtischen Konsistorial- archivakten entnommen) ist noch erhalten. Sie sind mit den im Unterrichtsarchiv befindlichen Beständen, die etwa dreißig Kartons füllen und die ich durch die Liebenswürdigkeit Dr. Walter Goldingers, Staats­archivars I. Kl. im Allgemeinen Verwaltungsarchiv in Wien, in Augenschein nehmen und überprüfen konnte, nicht identisch. Da es sich hiebei vor allem um Wirtschaftsakten der Güter des Neustädter Bistums aus dem 18. Jahrhundert handelt, habe ich von einer Aufnahme und Inventarisierung Abstand genommen.

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