Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

I. Archiv-Wissenschaften - 11. Hermann Wiessner (Klagenfurt): Das Graf Dietrichsteinsche Fideikommißarchiv

Das Graf Dietrichsteinsche Fideikommißarchiv. 189 Andreas von Windischgrätz hervorgegangen sind. Anderseits liegen Abrechnungen zwischen weiland Georg von Dietrichstein und seinen Brüdern Bartlmä und Paul aus dem Jahre 1559 vor. Der um 1600 verstorbene Karl von Dietrichstein ist im Archiv mit 22 Akten vertreten, ebenfalls meist finanzieller Natur. Daneben finden wir die Korrespondenz, die mit der Vor­mundschaft Karls über seine jüngeren noch unvogtbaren Brüder Bartlmä und Paul Zusammen­hängen. Von dem 1602 ermordeten Johann Heinrich von Dietrichstein liegen sieben Stücke vor, Korrespondenzen mit Anna von Teufenbach. Umfassend ist das Aktenkonvolut, das sich mit Bartlmä von Dietrichstein beschäftigt (1579—1635), darunter seine ausgebreitete Korrespondenz mit der Nikolsburger Linie, Schriften den nachbarlichen Streit mit Viktring betreffend und der Briefwechsel mit Bartlmä Khevenhüller. In der Korrespondenz mit einem gewissen Schiff man finden sich Bezugnahmen auf den böhmischen Aufstand, in dem Briefwechsel mit dem Bischof von Gurk und in den Briefen eines gewissen Hofenfelder an Bartlmä Hinweise auf die politische Lage. Auch mit dem Gurker Dompropst Georg von Gurk korrespondierte Bartlmä, wobei sich der Propst als „aufrechter deutscher Freund“ Unterzeichnete. Interessant ist ein ,,salva guardia“ Patent des Freiherrn von Tilly für das Gut Riedau der Dietrichsteiner in Oberösterreich aus dem Jahre 1620 und ein ebensolches von Maximilian von Bayern aus dem Jahre 1626. Auch von dem Briefwechsel Sabinas von Starhemberg, einer Tochter Bartlmäs, die mit Gundaker von Starhemberg vermählt war, hat sich ein Bruchteil erhalten. In den Briefen finden sich Bemerkungen über die politischen Verhältnisse, besondere Vorfallenheiten wie Seuchen usw. Die Wirtschaft in Innerösterreich beleuchten die Briefe des Inspektors Kandelberger von Hollenburg an Bartlmä aus den Jahren 1617 und 1618. Daraus verlautet beispielsweise, daß der Viehkauf der Untertanen untereinander ohne herrschaftliche Bewilligung „mit dem Strang gerichtet wurde“, eine drakonische Verordnung, die weitgehende Schlüsse auf die wirtschaft­liche Lage erlaubt. Aus der Korrespondenz erhellen auch die lebhaften Bemühungen Bartlmäs, die auf die Restitution der Kärntner Besitzungen abzielen. Auch von Paul von Dietrichstein (1582—1628) finden sich im Archiv eine Reihe von Akten wieder meist finanziellen Inhaltes. Von der durch Leonhard herrührenden Ebenauer Linie der Grafen von Dietrichstein haben wir im Archiv Akten über Erasmus I. dem Sohn Georgs von Dietrichstein, ebenso über Erasmus II., Sohn des Seyfried von Dietrichstein. Stattlich ist das Konvolut, das den 1653 verstorbenen Ludwig von Dietrichstein, Sohn des Erasmus II. zum Gegenstand hat. Wir finden darunter Schriften, die Übernahme der Herrschaft Hollenburg betreffend, Schreiben der kaiserlichen Kommissare des Christof Grafen von Urschenböck und des Johann Vischer Freiherrn von Massweg an Siegmund von Dietrichstein, Briefe des Kaisers Ferdinand II. an Siegmund, Auszüge aus dem Schätzungsprotokoll, das die Herrschaft mit 285.410Í1. bewertet. Hollenburg umfaßte damals 307 Huben, 13 Zulehen und 198 Keuschen. Darin findet sich ferners der Aktenbestand bezüglich der Herrschaften Velden und Landskron, die Siegmund am 14. Dezember 1639 um 101.956 fl. erkaufte. Ferner enthält das Archiv die Korrespondenz Siegmund Ludwigs und die Prozesse, die er geführt, sowie sein Testament mit der Errichtung des Fideikommisses: Hollenburg, Finkenstein, Landskron und Velden samt dem Haus in Klagenfurt, Villach und Graz. Das Fideikommiß wurde am 4. Oktober 1647 errichtet. Von Siegmund Helfried (1635—1698), dem ältesten Sohne Siegmund Ludwigs, ent­hält das Archiv ein Aktenbündel, darunter den Schriftwechsel mit der Familie Gonzaga, aus der seine Gemahlin, eine verwitwete Gräfin Collalto, stammte. Von Franz Adam von Diet­richstein, dem Bruder des vorgenannten (1642—1702), haben wir eine Reihe finanzieller Schriften und den Briefwechsel mit seiner Gemahlin Maria Rosina Gräfin Trauttmannsdorf. Auch von Georg Seyfried Dietrichstein (1645—1714) und dem 1712 erschossenen Philipp Seyfried sind Akten finanzieller Natur vorhanden, aus denen der schwere wirtschaftliche Kampf der Herrschaft Hollenburg hervorgeht. Der Malteser Gundaker Poppo von Dietrich­stein, der 1737 starb, ist im Archiv mit Akten vertreten. Bemerkenswert sind darunter zwei

Next

/
Oldalképek
Tartalom