Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)
I. Archiv-Wissenschaften - 11. Hermann Wiessner (Klagenfurt): Das Graf Dietrichsteinsche Fideikommißarchiv
182 Wiessner, Er schenkt der Kapelle anläßlich der Exequien seiner Eltern, die mit Namen nicht aufscheinen, zwei Mansen zu einer Wochenmesse und zur nächtlichen Beleuchtung. 1311 urkundet der Bamberger Bischof Wülfing in der Burg Dietrichstein 1), desgleichen Reinprecht von Glanegg 2). 1347 erscheint ein Cholo von Dietrichstein als Inhaber der Fest*. ^ '-<»Iß63 verkauft Berthold von Dietrichstein, ehemals bambergischer Amtmann in Villach, seinen Anteil an dem Schloß an Dyetz, den bambergischen Marschall4). Bezeugt sind ferner 1365 ein Otto de Dietrichstein5), 1407 ein Niki de Dietrichstein6), 1422 belehnt Bischof Friedrich von Bamberg den Jörg von Gradenegg mit zwei Teilen der Feste 7), 1428 begegnet ein Heinrich de Dietrichstein 8), 1430 ein Jörg 9), wiederholt in der Zeit von 1479 bis 1495 ein Moriz de Dietrichstein 10), später Pfleger auf Liebenfels, und in den Jahren 1489 bis 1503 wiederholt ein Pankraz de Dietrichstein n). Dieser starb am 4. September 1508 und damit haben wir sicheren Boden unter den Füssen, da Benedikts Untersuchungen über die Dietrichsteiner vor Pankraz doch zu schwach unterbaut erscheinen. Pankraz hinterließ aus seiner Ehe mit Barbara Gössl von Thurn drei Söhne, von denen der eine, Georg, unvermählt starb, während Franz der Begründer der Weichselstätten-Rabensteinschen Linie, Siegmund der Begründer der Hollenburg-Finkensteinschen Linie wurde, aus der in der Folge durch Adam die fürstliche Linie der Nikolsburger Dietrichsteiner abzweigte, die bei unserer Betrachtung aber nicht weiter in Betracht gezogen wird. Siegmund Dietrichstein (1480—1533) ist der erste, der im Archiv aktenmäßig vertreten ist. Er war der erklärte Liebling Maximilians, an dessen Hof er sich seit frühester Jugend aufhielt. Später bekleidete er an demselben die Stelle eines Silberkämmerers. Am 28. Dezember 1506 erhob Maximilian das Geschlecht der Dietrichsteiner wegen der Verdienste seines Silberkämmerers Siegmund von Dietrichstein zu Erbschenken des Erzherzogtums Kärnten, welches Amt durch den Tod Georgs, des Schenken von Osterwitz, ledig geworden war 12). Zwei Jahre später, am 3. April 1508, gelangte Siegmund von Dietrichstein in den pflegweisen Besitz der Herrschaft Finkenstein 13) und diese Pflege wurde am 1. August 1509 für Siegmund und seinen Bruder Franz auf Lebenszeit verlängert u). Am 1. Juli 1514 15) verkaufte Kaiser Maximilian dem Siegmund von Dietrichstein die Herrschaft und das Schloß Hollenburg, welches Michael Freiherrn von Wolkenstein auf Widerruf verkauft war, zu einem ewigen und unablöslichen Kauf um die Summe von 13.000 fl. Sieben Tage später, am 8. Juli 1514, erhob der Kaiser Siegmund von Dietrichstein und alle seine Nachkommen zu Reichsfreiherren, machte Hollenburg und Finkenstein zu freien Herrschaften und verlieh ihnen die Blutgerichtsbarkeit16). Damit stattete der Herrscher Siegmund den Dank für seine Verdienste ab, die sich dieser im Kriege gegen Venedig um seinen Herrn erworben hatte. Auch am Zustandekommen der für Österreichs Geschichte so folgenreichen Wechselheirat vom Jahre 1515 hatte Siegmund von Dietrichstein namhaften Anteil. Zusammen mit Georg von Herberstein dämpfte Siegmund den südsteirischen Bauernaufstand durch die Zerschlagung der Bauernhaufen bei Rain in der Untersteier mark, während er wenige Jahre später bei Bekämpfung der Bauernunruhen in Salzburg und Nordsteiermark weniger vom Kriegsglück begünstigt war. Siegmund von Dietrichstein erfreute sich auch der Gunst des neuen Herrschers, des Erzherzogs und späteren Königs Ferdinand I. Er starb am 19. Mai 1533 und wurde in der Dietrichsteinschen Gruftkapelle der Jakobskirche in Villach beigesetzt, woselbst sich noch q KLA. Nr. 1115. *) KLA. Nr. 80. 3) KLA. Nr. 807. 4) KLA. Nr. 412. 8) KLA. Nr. 669. •) KLA. Nr. C 2276, 2278, 2280, 2285. 7) KLA. Nr. 670. 8) KLA. Nr. 12. ®) KLA. Nr. 817. 10) KLA. Nr. 3196, 3200, 3054, 1600 und 1641. “) KLA. Nr. C 3054, 3196, 3200. 12) DA. Nr. 74b. 13) KLA. Nr. C 3517. “) KLA. Nr. A 1722. 15) DA. Nr. 88b. 1#) DA. Nr. 89.