Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

I. Archiv-Wissenschaften - 10. Tihamér Vanyó (Pannonhalma): Das Archiv der Konsistorialkongregation in Rom und die kirchlichen Zustände Ungarns in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts

Archiv der Konsistorialkongregation in Rom. 171 nage und den Argwohn seiner Umgebung, die Unsicherheit der Postsendungen usw. Er gesteht ganz offen, daß er nicht einmal auf die Heimlichkeit der mit Zahlenchiffre geschriebenen Briefe vertrauen kann. Deshalb sendet er den Bericht mit seinem Vorgänger, dem Abt Taruffi, nach Rom. Noch mehr als die Verbindung mit dem Heiligen Stuhle war für den päpstlichen Ge­sandten die Ausübungseiner Gerichtsbarkeit (Jurisdiktion) und die Fühlung­nahme mit den Bischöfen und Priestern der Monarchie erschwert. In dem oben geschilderten Bericht erwähnt er, daß sich von den Bischöfen nur wenige vor ihm er­öffnen und den Ruf der Verbindung mit ihm zu riskieren wagen. In seiner freien Verbindung mit Rom beschränkt, vom Argwohn der Regierungskreise begleitet und vom Klerus im wesentlichen abgeschnitten, war der Nuntius in dem in fremder Umgebung geführten großen geistigen Kampf hauptsächlich auf sich selbst angewiesen. Er konnte sich den bereits erfolgten, für die Kirche schädlichen Verordnungen nicht offen entgegensetzen. Sein Verhalten war darum mehr negativ als positiv. Er bemühte sich, das Ver­trauen von Maria Theresia und Kaiser Joseph sowie ihrer Minister zu gewinnen und zu erreichen, daß ihre Verehrung der Person des Papstes gegenüber zunehme und sie den Heiligen Stuhl mit größerem Vertrauen betrachteten2). In den folgenden Ausführungen seines Berichtes macht Garampi auch bezüglich unseres Stoffkreises wichtige Vorschläge. Er stellt fest, daß die Besetzung der konsistorialen Pfründen und Kirchen in der ganzen Monarchie der größten Gefahr ausgesetzt sei. Als den einzig gangbaren Weg sieht er nach Tunlichkeit die Annahme der Nennungen des Hofes und die Mäßigung der Bestätigungstaxen ohne vorläufiges Ansuchen. All dies führt er in seinem Bericht vom Jahre 1776 aus. Nach dem Tode Maria Theresias hat sich die Lage wesentlich verschlechtert. Um mit Garampis Worten zu reden, nahm ,,die Tyrannei der von der weltlichen Macht unrechtmäßig beanspruchten Lehren“ und die strömende Flut der Neuerungen ständig zu. Im Anschluß an den Bericht von Paul Eszterházy, Bischof von Pécs — gegen Ende der Regierung Josephs II. (1789)—, schildert der Referent der Con­gregatio Concilii von der Höhe der römischen Warte die hoffnungslose kirchenpoli­tische Lage folgendermaßen: „Contro questa inondazione di no vita non si puo oppore, ehe Dio colla sua onnipotente mano. La S. Congregazione non ha piu ehe contraporre, nulla servendo, né canoni, né concili, e sotto questi Stati converra adottare il sistema de’Propaganda, come in partibus infidelium....“ Diese und die in anderen katho­lischen Ländern Europas erfolgten übrigen Geschehnisse betrachtend, können wir mit Recht behaupten, daß das 18. Jahrhundert unter allen christlichen Jahrhunderten das unchristlichste war3). ,,Mi trovo in un atmosfera assai piu pesante e buia della precedente; e le vie per far cammino, o non si vedono, o sono incerte, e piene di spine, e di pericoli. É azardoso il pariare e molto piü lo scrivere. Cento occhi stanno per ogni parte spiando i miei discorsi, e le mie azioni e certa opinione che si vuole avere della mia persona, come di attaccata alie Massime Romane, molteplica i sospetti, e le indagini di persone giä per se stesse, e senza di queste sospiciosissime. Sicché mi conviene di essere anche guardingo nello scrivere, e il mezzo della Posta, che é per l’ordinario mal sicuro, lo é anche meno per me specialmente nel principio del mio Ministero ... Non solo é qui mal sicuro il corso déllé lettere, ma anche lo stesso arcano mezzo dei numeri.“ Tóth, a. a. O. 10—11, 25. — Im Jahre 1786 beschwert sich Marini, der Sekretär der Konzils­kongregation, wegen der Brieferöffnung e n des Mailänder Postamtes. Vanyó: Püspöki jelentések (Bischöfliche Berichte), a. a. O. 273. 2) ,,I1 mio contegno dunque é piü negativo, che aff er mat ivó. Quelche mi studio si é di poter acquistare a poco a poco la grazia e confidenza si dei sovrani, ehe déllé persone del ministero, di vieppiü attaccarle di stima, venerazione e riconoscenza alia sacra persona di Nostro Signore, e di distruggere la prevenzione, che ambizione die dominare, o Interesse di smungere danari sieno le sole molle delle nostre azioni.“ Tóth, a. a. O. 12. 3) Tóth, a. a. O. 15, 12, 23. — Vanyó, a. a. O. 184. — Veit, Ludwig Andreas: Die Kirche im Zeit­alter des Individualismus. I. Hälfte. Freiburg i. Br. 1931. 246—47.

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