Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

I. Archiv-Wissenschaften - 6. Walter Pillich (Wien): Staatskanzler Kaunitz und die Archivforschung (1762-1794) ....

Staatskanzler Kaunitz und die Archivforschung 1762—1792. 115 rechnung in Urkunden für Deutschland“ *) herauszugeben. Dieses Manuskript, das heute noch erhalten ist2), hat Helwig bis zu seinem am 11. November 1799 erfolgten Ableben dauernd ergänzt und verbessert. Der als Siegelsammler bekannte Franz Paul Edler von Smitmer 3), Malteserordens­komtur und Domherr zu St. Stephan in Wien, der sich auch mit der Geschichte der Priorate und Komtureien seines Ordens in Österreich, Ungarn und Böhmen beschäftigte 4), wandte sich zu diesem Behufe am 5. Oktober 1787 5) an den Kaiser mit der Bitte, auch aus dem Hausarchiv die diesbezüglichen Urkunden abschreiben zu dürfen, weil er schon aus anderen Archiven beträchtliches Material gesammelt hätte. Smitmer erklärte, daß es seine Absicht wäre, diese ,,dem Publico gemeinnützlich auszuarbeiten und mitzutheilen“. Die Staats­kanzlei gab darauf die Weisung, dem Smitmer „bestens an Hand gehen zu wollen“. Johann Nepomuk Dubsky, Freiherr von Trzebonislitz, wandte sich am 12. Septem­ber 17886) als Orientalischer Sprachen-Grenz-Dolmetscher aus dem Feldlager bei Alt-Gradisca an den Fürsten Kaunitz, dem er seine Übersetzung der „Bosna Tarichi“ übersandte. Er habe vier Monate an dieser vom Kadi zu Novi Omer Efendi in türkischer Sprache geschriebenen Geschichte über die in Bosnien und Serbien 1737—39 geführten Kriege gearbeitet und bitte um deren Drucklegung. Der Archivar Franz Sebastian Gaßler 7), seit 1767 in Innsbruck tätig, hat sich durch eine Reihe von wertvollen urkundlich und aktenmäßig belegten Ausarbeitungen, die heute noch erhalten sind 8), die besondere Zufriedenheit des tirolischen Guberniums erworben. Für eine Ausarbeitung der Gerechtsamen des Zillertales wurde er mit einer Gratifikation von 100 Dukaten belohnt9). Er wurde 1801 an das Wiener Hausarchiv berufen. Der zweifellos interessanteste Mitarbeiter des Staatskanzlers Kaunitz für die gegen Preußen gerichteten Streitschriften der josefinischen Zeit war der Schriftsteller Joseph Kraft. Er hat bei dem durch seine „Schmähschriften und beißenden Satyren gegen Oesterreich“ berühmt gewordenen preußischen Legationssekretär Ganz in Regensburg als Kopist gearbeitet und hat „aus dieser Schreibstube“ nebst den im Handel käuflichen „Ganzischen Komitial- nebenstunden“ auch „Abschriften von der ränkevollen Korrespondenz“ des Ganz mitgeteilt und Druckschriften 10) verfertigt. Zur Bezahlung der Arbeiten, die unter „geheime Ausgaben“ erfolgten, wurden von der Staatskanzlei Freiherr von Borié und Graf Seilern ermächtigt. Durch die geänderten politischen Beziehungen zu Preußen kam Kraft dann 1793 in eine so prekäre Lage, daß seine Tochter Marianna Kraft eigens aus Regensburg nach Wien kam, um beim Kaiser vorstellig zu werden. Nebst der Vergütung der Reisekosten von 20 Dukaten, erreichte sie für den Vater eine monatliche Besoldung von 20 Gulden gegen dessen weitere Verwendung zu kleineren Arbeiten, sogenannten „fliegenden Blättern“, nebst der Erlaubnis, diese dann zu seinem Vorteil drucken lassen zu dürfen n). Das beste Zeugnis für die weit das politische Geschehen überragende Stellung des Mäzenatentums des Fürsten Kaunitz ist aber wohl das an ihn gerichtete Schreiben des x) „Mit einem Zusatze der Zeitfolge und Epochen der Markgrafen, Herzogen und Erzherzogen zu Ostreich, zu Steier, zu Kärnten, und der Grafen zu Tirol; wie auch der Zeitfolge der Königen in Spanien, Östreichischen Stammes.“ 2) Haus-, Hof- und Staatsarchiv, Bibliothek, Sign, gelb 265. 3) Wurzbach, 1. c., 35. Bd., S. 185. 4) Seine Arbeiten siehe Böhm, 1. c., Nr. 99 und 100. 5) K. A. 1787/12. •) St. K. W., Fasz. 2. 7) Biographie mit ausführlicher Literaturangabe von F. Hüter bei Bittner, 1. c., I. Bd., S. 38 ff. 8) Siehe Böhm, 1. c., Nr. 70, 362, 363, 364, 451, 469, 571/1—3 und 943. ») K. A. 1789/18. 10) Über die Ausarbeitung gegen die Liga vgl. Kraft an Kaunitz vom 22. Dezember 1787, Regensburg (St. K. W., Fasz. 1). u) Vortrag Cobenzls an Kaiser Franz II. vom 9. März 1793 (St. K. V., Fasz. 229).

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