Leo Santifaller: Ergänzungsband 2/1. Festschrift zur Feier des 200 jährigen Bestandes des HHStA 2 Bände (1949)

I. Archiv-Wissenschaften - 6. Walter Pillich (Wien): Staatskanzler Kaunitz und die Archivforschung (1762-1794) ....

Staatskanzler Kaunitz und die Archivforschung 1762—1792. 101 etwa sonst zu solchen Vorhaben dienliches ... im Archive finden möghte Q“. Auch 1767, bei einer Arbeit für das österreichische Vogteirecht über Salzburg und Berchtesgaden, bediente sich Fritsch einer Auskunft des Hausarchivs über urkundliche Quellen 2). Der Hofrat der Staatskanzlei, Joseph Anton Maria Freiherr von Sperges auf Palenz und Reisdorf3), hat während seiner kurzen, erfolgreichen Tätigkeit als Archivar am Haus­archiv von 1755 bis 1759 mit seiner, allerdings erst 1765 erschienenen „Tyrolischen Berg­werksgeschichte“ erstmals in deutscher Sprache ein Thema der Verfassungs- und Wirtschafts­geschichte erfolgreich behandelt. Während seiner Tätigkeit als Referendar und Offizial der Staatskanzlei ist auch seine Mitarbeit 1764 bei der Quellensammlung zur Deduktion für die bayerische Erbfolge nachweisbar 4). Für den Schweizer Geschichtsschreiber und Genealogen, den französischen Feldmarschall und Schweizer Garde-Hauptmann Beat Fidel Baron von Zurlauben 5), der eine „nahmhafte Sammlung von Urkunden . .. die alten Grafen von Habspurg betreffen zum Druck zu befördern gedenke“ und sich zur Bestreitung der Kosten an die Kaiserin mit der Bitte um Subskription von 100 Exemplaren wendete, weiß Kaunitz 1764 in seinem allerhöchsten Vortrag ein Placet von 500 Dukaten zu erreichen. Obwohl für ein solches Werk, bevor man es gesehen, kein gründliches Urteil gefällt werden kann, so ist nach dem Dafürhalten des ihn empfehlenden Grafen Starhemberg zu vermuten, daß es zur „Erleuterung der Habs­purgischen Historie“ viele brauchbare Urkunden enthalte und soweit, nach dem Urteile des Staatskanzlers, von Nutzen sei. Bloß die Subskription scheint Kaunitz ,,etwas stark“, weil sie sich auf über 6000 Gulden stellen würde und schlägt daher der Kaiserin vor, „zu einer wdllkührlichen Allerhöchsten Verehrung, im Fall das Werk einen Beyfall verdiente, die Hoffnung zu geben6)“. In der „historischen Dissertation“ Zurlaubens, die hauptsächlich den Beweis erbringt, daß „Albrecht III. von Habsburg 7) ein Proavus Rudolf I.“ sei, weist Hausarchivar Rosenthal in seinem Gutachten vom 4. März 1767 an den Staatskanzler einige Mängel nach. Die ausführliche Rezension Rosenthals, der hiezu das zeitgenössische historische Schrifttum der Herrgott, Hottinger, Schöpflin, Wielanden, Heer, Czerwenka und Cenni heranzieht, bemängelt vor allem die Zählung der Kaiser und Könige. Rosenthal, der eine Abschrift der Arbeit für das Hausarchiv zurückbehielt, regte bei Kaunitz an, eine weitere Kopie davon auch an den Geschichtsschreiber P. Rustenus Heer zu senden oder demselben, bei seiner im nächsten Jahr geplanten Reise nach Wien, Einsicht in diese Arbeit zu gewähren8). Ein Manuskript des Reichshofratsagenten Johann Nikolaus von Vogel 9), das von dessen Schwiegersohn, dem Offizial der Staatskanzlei Josef Wendt von Wendtenthal10) in seiner geplanten „Bibliotheca Austriaca“ herausgegeben wurde, wurde 1767 vom Hof­bibliotheksdirektor van Swieten in seinem Gutachten nicht günstig beurteilt. Auf dem Vortrag des Staatskanzlers, dem dieses Gutachten an die Kaiserin beilag, erklärte diese das Werk als zu weitläufig und nicht so imposant, um darauf etwas geben oder versprechen zu können n). Als das Werk 1779 der Kaiserin mittels Bittschrift neuerlich empfohlen wurde, war darüber die Meinung der Staatskanzlei, daß es weder die Dedizierung noch sein Heraus­geber Josef Wendt von Wendtenthal die erbetene Ratswürde und lebenslängliche Pension verdiene, zumal doch Vogel und der Piarist P. Gruber das meiste Verdienst daran hätten. x) K. A. 1764/5. 2) Billett Rosenthal an Fritsch, 1767 April 15, K. A. 1767/10. 3) Biographie mit ausführlicher Literaturangabe von F. Hüter bei Bittner, 1. c., I. Bd., S. 140 f. 4) Vgl. S. 98. 6) ADB., 45. Bd., S. 507 f. ®) 1764 Juni 11, St. K. V., Fasz. 142. 7) Landgraf im Elsaß, gestorben 25. November 1199. 8) K. A. 1767/1. 9) Wurzbach, 1. c., 51. Bd., S. 193. 1C) Wurzbach, 1. c., 54. Bd., S. 274. u) 1765 April 8, St. K. V., Fasz. 144.

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